Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 20.1885

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2p. Iahrgang.

No. 37.

r

188H/85.

Aunstchronik

25. Zuni.

Mochenschrift sür Aunst und Aunstgewerbe.

Aiiküiidigungsblatt des verbandes der deutschen Runstgewerbcvcreine.

Herausgeber:

(Larl v. ^'ützow und Arthur j)ubst

wien

Bcrlin, W.

Uurfürstenstraße 5.

Leixzig: L. A.

Lxpedition:

Seemanii, Gartenstr. f5. Berlin: w. bs. Aiilfl, Iägerftr. ?z.

Dir Uuustü'ranik rrsü'riu, uau S'kwbrr i'i. Lustr Zuui u'stü'ruUi.k'. i.„ .Zuli, -lugust uud Srp.ru.brr nur allr 14 Tagr uud k°„r, ,u vrrb.uduug
mi, dru. «uustarwrrbrbla,, I-albiäbrli» b Mark. - gusrra.r, ü ÜU Pk- tür dir drrispal.igr prU.zr.lr, urbn.ru außrr drr vrrlagshaudluug
dir Auuaurrurrprdillauru uou yaasrustriu d: v°glrr iu kripzig, Iviru, Lrrlin, MSuchrn -. s. w. -n,g-grn.

.. V 4- ^ Nrue pbo.ograoüren: Plso.ograplsie nach dcr „Lkstasr der Ra.barina Lnimr-

- hal,. v.r I>un„l^fa.u,I.e dcr kombardi. Em.l R.ch t- „ suspid. - Aonkurrrnz u... rin Lidgenösstsches parlamcn.s- und ver-

r.ch" von Labr.rl INar. kursachs.scl r I t ' 'st-, „ ubau iu An.sterda.il. — vir königl. bayrische Hosglasmalanstal, von L. üs.

wallungsgrbaudr ,n „,rru. k' -a,u„gart: Lillr. Texlilsauimlung. — Ilnrchlrr odrr künstlichrr Marmor. —

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--Auk.i°uska.a.ogr. - 3usrra.r.

Poii Nr. ,l8 aii erschciiit Vic Ki>»stllironik nur allc 1t Tagc.

Die Aünstlerfamilie der Lombardi.

Über Ursprung, Namen und Fainilienzusammen-
haug dieses bekannten Architekten- und Bildhauer-
geschlechts, das vou Mitte des 15. Jahrhunderts an
>» der Kuust Benedigs eine so hervorragenbe Rollc
spielle, verbreiten neuerliche Forschungen des Mailänder
Kunstgelehrten Michele Cafsi erivünschtes Licht. Die
Familie stammt aus Casate, einem Flecken am Ufer
des Comer-Sees bei Belaggio gelegen, und führt
eigentlich den durch das aus Campione am Luganer-
see herrührende gleichnamige Geschlecht in der Kunst
Mailands berühmt gewordenen Namen Solari. Der
erste Solari, der in Venedig urkundlich nachweisbar,
ist Martin de Zuanne Lombardo taiapisra (Cicogna,
lQ8ori2. Vouor. VI, 871), welchem mit vieler Wahr-
scheinlichkeit der 1457 begonnene Bau von S. Zaccaria
und der Entwurf zur Scuola di S. Marco (1485)
zugeschrieben wird. Sein Zusammenhang mit den be-
rühmteren Gliedern der Familie ergiebt sich aus dem
Testameut seines EukelS Tullio Lombardo vom 14. Nov.
1532, der sich darin als 1'ullio I.owbriräo, cz'" waestro
I'isro ckionibaräo g'" sisr Llartin Lsulptor st arelü-
tstto bezeichnet. Martino's Sohn Pietro (f 1511),
vorzugsweise bekannt als Erbauer von S. Maria
de' Miracoli (1480), hat außer Tullio noch Antonio
und wahrscheinlich auch cinen Guiliv zu Svhneu. Von
letzterem, dem kein Werk mit Sicherheit zugewiesen
werden kann, slammen Sante (1504—60), Almoro
( irkundlich beglaubigt 1537) nnd eiu zwciter Tullio

_ alle drei Künstler, über deren Wirksamkeit keine

sicheren urkuudlichen Belege bisher bekannt geworden
sind. Nur vermutungsweise werden dem Sante einige
Palaste (Trevisani, Gradenigo) uud die Scuola di San
Rocco in Benedig zugeschrieben. Besser sind wir über
die Arbeiten Tullio's und Antonio's iu Venedig, Tre-
viso uud Padua unterrichtet (s. darllbcr Cicerone 5.Aufl.
II, S. 131 und 435). Der letztere übersiedelt um
1505 nach Ferrara, höchst wahrscheinlich, um dort die
bildnerische Dekoration sür das herzogliche Lustschloß
Bellosguardo zu llbernchmen, wovon uns ein Ensemble
von 18 figürlichen und ornamentalcn Reliefs, bezeich-
net 1508, in der Sammlung Spitzer zu Paris er-
halten ist (s. 6s.2. ä. b. a. 1878 II, 594 und K.-Chr.
1878, S. 754). Sein Todesdatum (1516) ist be-
stimmt durch zwei Urtünden, in denen seine Witwe,
zugleich als Mutter und Vormünderin Ilisionz'wi,
xpurslij st äoannis 1-uäovioi Iratruw st tilioruw Iisre-
äuw oliw wugistri Vntoniz I-owbsräi, — g'" waZi-
stri 1'stri I-owbsräi äs Vsustiis angeführt wird
(Ciltadella, lllustr. alls storis artistioa isrrarsss,
S. 192 und 193). Es sind dies die drei Brüder, die
iu der Jnschrift des Bronzctabernakels am Hochaltar
des Domes zu Mailand sich als ^urslins Ilisrouz--
wus st I.uäuv. I'rss. Lobiri Uowbaräi bezeichnen, einem
Werke, das urkundlich im Jahre 1560 durch Pius IV,
bestellt worden war, und das der gleichzcitige Paolv
Moriggia (Klobilitä äi Llilano, S. 218) im Jahre
1562 als Geschenk des Papstes an den Dom und als
einc Arbeit „Aureliv's da Casate" ansührt. Diese
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