Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 20.1885

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Ausslcllungsräume des Kunstvereins mit der edlen
^oggia, welche zur Ausstellung von Schöpfungen dcr
Plustik bcstimmt ist. 2n diesem Flügel sollen dic
pcrivdischen Kunstausstellungen, welche bis jctzt m dcu
Sälen dcr Sosieninsel veranstaltct wurden, stattstnden;
cine Ausstellung, welche wegcn Zeitmangel zur Ec-
vffnungszcit unterbleiben mußte, steht bereits in nae tzlcr

Zcit in Aussicht. ..

Am 7. d. M. wurde das einsache Erössnungs,c,
begangen, nachdcm bcreits am 16. Seplember 188
die kirchliche Einweihung des Künstlerhauscv
genommen worden war. Die Eröfsnungsscier wc
auch das crlauchte Kronprinzenpaar mit scincr Gcgem
wart beehren, jedoch, durclt Ilnwohlscin verhindcrt, ,

dem bekannten Kunstschriftsteller und crsten Znhabcr
der Lehrkanzel für Ästhctik und Kunstgeschichte am
OollöAv 6s bä-rnos, cin biographisches Denkmal cr-
richten. Es darf daher nicht Wnnder nehnien, wenn
die Arbeit unter der Fedcr dcs cnthusiastischen Ver-
ehrers des Verstorbenen fast zu schr dcn Charakter
einer akadcmischen Lobrede angcnonimen hat, die es
kaum wagt, leise hier und da einen Tadel gegen den
Gcfeierten zu erheben, wie z. B. wo es sich um die
nach Ansicht des Berfaffers zu scharse Beurteilung
Tiepolo's oder um die geringe Sympathie Blancs fllr

die Kunstwcise Vcrvncse's handelt (S. 120).

Das cigentliche Lebensbild dcs Berstorbenen niinuit

in dem Effay Maffarani's den kleinsten Raum ein:

Dsrleaunq und kriti-

dic hohen Gäste leider nickt cingelrosten. om
des Fürstbischoss Kardinal Schwarzenberg und mc ei
anderen Celebritätcn, der Vertreter dcr ay
der Mitglieder des Baukomits's. der Verwaltung dc.
Kunstvcreins und der Mitglieder der Handelskainincr

wurde nach kurzer, von dem Herrn ^beidiieklor

.. §-e. Erc. den Hcrrn

, oas eriaua)ie . ,

t beehrcn, jedoch, durch Ilnwohlscin verhiudert, sind i» dem cr„ai) v-,.....-

hohen Gäste leider nickt eingetroffen. 2m Bcisein scm überwicgendcr Teil ist der Darlegung

§?cl,warrenberg und viclcr schc» Würdigung dcr litterarischen Thätigkeit desselbcn

gewidmet, und auch hier ist cs niehr der Theorctiker

als der Geschichtsschrcibcr dcr Kimst, der uns vor-
gesllhrt wird. Znsbesondcre verdicnt die eingehendc
Analyse von Blanes bedentcndster Arbeit auf ersterem

Gebiete, sciner Srnmmairs äes ^rts 6u ässsin, hervor-

Worten betont der

ncur) inrrer, vvn - . (Äedlele, ..

Sparkaffa Freiherrn von Peche an Se. Exe. den Herrn ll'erden. Mit war.nen Worten leto.it

Statthalter Freiherrn von Kraus gerichtcter Anssrai)e, Berdi

die kunstssn'^blicke Ausstclluna cröffnet, und dreselbc, des V

atthalter Freihcrrn vvn siraus ..

die kunstgewerbliche Ausstcllung eröffnct, unt die,el 'e,
sowie auch die Gemäldegalcrie, vvn den Tcilnel'merii
des Festes bcsichtigt, woraus cin Fcstkonzcrt des Kon-
servatvrinms fvlgte. Anläßlich der Fcicr wurtm
goldcne, silbcrne und bronzene Diedaillcn geprägl.
Möge dic Kunst in ihrem ncncn Hcim gliicklich ge-
deihcn!

Prag, im Februar Ibt>5.

K. Ohytit.

Aunstlitteratur.

6trurlos Lluno sb son osrrvro. Oritigus, Iiwtoiio
st tlwoiis äes urts äu äes^in, >mi l ullo iil>i8-<i
ruui, Oorro8ponäaut äo I'Iimtitut. Arso uus
iutroäuotiou „ur bluFSNs Ouilluuiiis, ^lewluc
ä» I'Institut. I'uris, liotlisolrilä, 1885.

Dcr geistvolle italienischc Scnatvr. aus dessen
Feder die vorliegendc Studic sloß, lritt uns nicht zm»
crstcninal als Kunstschriststcllcr entgegcn. Schon aus
Anlaß dcr 1878er WeltauSstcllung hatte cr, damals
als Präsident dcr internationalen Kuustjnry simgircnd
»ud durch sein ehcmaligcS politisches Exil zu Paiis
gleich vertrant mit der Littcratur und Kunst wie mit
der Sprache Frankreichs, in einei» gleichzeitig italie-

der Sprache Frankreichs, m einen. gieid-..^ . ^ «kimMer v»s -

»'sch nnd sranzösisch verössentlichlen Buche (l/ui'is a ; wvuiil )w ^ekanntschast init der Ent

I'uriki, Ir'ouur, 1879) ein anziehendes Ge.nälke der habt ,,,st»bM'sophic nicht nur in der Littera

^- ' r -.. s»„ü wie sie ,ich wickelung de 1 ^I Deutschlandr

lioma, 1879) ein anzieyenees ^eiuu^^ —
mvdernen, insbesondere französischen K»»st, wie sie sich
bei jenem Wettkampfe dargestcllt hatte, entworfen, das
sür seine Kompeteiiz ans dcm damit betretencn Gebict
glänzeudes Zcugnis ablegte. 2n der vorliegenden
Studie tvvllle Maffarani scineiu verstorbeneu Frcunde,

gehoben zu tvcrden. ni» ..^

Berfaffer das Verdienfl, das sich Blanc damit um dic

Verbreitung des Verständniffes sür die Grundlagen
künstlerischcn Schaffenö und für die histvrische Ent-
wickelung desselben in dcn weiteren Kreisen der Ge-
bildeten crworben, und wie er dadurch mit zur Ein-
führung des Studiums vvn Thcorie und Geschichte
der Künsle in den Lchrplan der höheren Unterrichts-
anstaltcn Frankreichs bcigetragen habe. 2m Anschluß
daran giebt Maffarani cine feffelndc Analyse der Ent-
wickelung der französischen Knnstkritik vvn der Zeit
der Romantiker bis auf die Gegcnwart herab und
ivcist Blanc seine Stelle als Eklektiker »iiter den drci
Haiiptrichtungcu derselben a», die er als die gelehrte
(histvrische), die pittvreSkc (ästhetisch-litterarische) nnd

die philosophische nnt--rschcidet.

Glcichsam als Einlcitnng zu seiner Studie hat

dcr Vcrfaffer deu Bortrag anfgeuvniiiien, wvmit der
bekannte Bildhauer E. Guillauinc als Nachsolger
Blancs auf dem Lehrstnhl dcs OollsZo äs l''iunes seine
Vvrlesungcn eröffnete und der sich — ciuer nach-
ahniensivcrtcn französischen Sitte gemäß — mit der
Würdigung seines Vorgängers beschästigte. Deni deut-
scheu Lescr werden daran zwei Mvmente angenchni
aufsallen: die Sicherhcit imd stilistische Bolleiidung,
woniit hicr ein Künstler das gcschriebene Wort hand-
habt, und die völligc Bekanntschaft mit der Ent-
wickelung der Kunstphilosophie nicht nur iu der Littera-
lur seines Hciniatlandes, svndern auch DentschlaudS,
svlvic dic ticfe Einsicht in die Bcdingiingen künstlcri-
schcn Schasfens, die sich in dicse» Aiisführiingen

kundgiebt. C. v. Fabriczy.
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