Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 20.1885

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Kunsthandel. - Kunslhistorisches

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nheden, wie die herrlichc Scenc im Freischütz, in welä'cr
hinter einander dcis heilige Gebet, die süliichn-^ginre
Beredscimkeit der Ncicht und die Oucil der Erwcirlung.
die Hossnung und dcis Entzückcn der Iräumerisch-zaN-
lichcn Agcithe in einer cinzigen Arie den Hörcr gcwci g
krgreisen; vder wie jcne Scene cius dem üiegeiwc^
Holländcr, in welcher Scnta, verloren im
bes düstern Bildcs. die seltscim schciurig wilde Bat ci

singt, in der kein einziger SonnenstrcihldcisdüstereGewclt

durchdricht . cius der nur dcis Heulen des Sturm
dcis Gesch'»! ""

Konkurrenzen.

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Ichrci der Matrosen und das -voben dcv Meeres
heraustvnt; oder wie dic reizvolle Gartenscene aiw
Figaro's Hochzeit, die am Ende, wir wissen selbü nicv
Wie nns geschieht, Vor unsercn Augcn wie ein'^so-
vin^ vievv zu zerslicßen droht: die sonnigcn ^ esta
^cr Gräsin. Susannens und dcs Pagcn werden rn'
und trüber und verkehren sich in die ernstcn llastü^
Fvrmen dcr beiden Levnoren und inTassv's schwcrmn igc

Züge. Aber auch die hochdramatischen Momcnte ha i

Malcr mit Meisterschast bchandelt. w w' rai cn z
Don Juan. dem Faust dcr Viusik. nnd zu ben Hug-
notten stellen die Schlußscenen beider Tpern ""t PN'
bcr Lebendigkeit dar. Und daß dem tragisibcn c
Üch auch das Satyrspicl gescllc. hat der Knnn ^
zwei in seinen Humor getanchte Pcrlen in eu

versenkt: aus Alcssandro Stradella (Malvolio:

wohl erlanbt. die Last zu teilcn?") und
Dame (Die VersteigerungSscene). Karl>-
Begleitnng. zn der F. Kruse's Feder slott ge^
Miniatnren entworsen hat, schlägt den m g ^
zündenden. ge.nütvollen Ton an nnd verwed

Weise

do,-! - 7—--' uomuivoncii 2.011 an unv verweoi dcn hat kürzNch ei^

Gc"" ^cs Jntercsianten über Maler, Dichter und Lkulpturen sowohl für den Znniuer-

malcrische alte Häuser in der Jahrhunderte hindurch
überlieferten Bauart der erstcn gern.anischcn Ansiedler
Meklenburgs eiu ungemein anziehendes Bild gcbcn.
Die beigelegten Charakterköpfe von Wariieiuiindcrw
Warnemünderinneii und Lvtscn vervollständigen die

PhysiognoniiciibeiderFlcckenundsodürfteRogge'sAlbuin

nicht nur cin freundliches Erinncrungszeichen sür die
Bcsucher Rostocks und die Badegäste Warncniünde's,
sondern auch für Maler und Architekten eine willkoin-
mene Gabe sein.

Aunsthandel.

tl'. Eine Nadirung »ach Mcnzel. Jm Verlago von
Amsler L Ruthardt (Meder) in Berlin erschien soeben
eine Radirung in gr. qu. Fol., die in mehr als einer Hinsicht
die Kunslfreunde interessiren dürste. Sie ist nach einem Ge-
mälde A. Menzels ausgeführt und stellt eine Partie des
Gartens des Prinze» Albrecht in der Wilhelmstraße zu Berlin
dar. Die Aufnahms fand aus irgend einem hochgelegonen
Fenster eines Nachbarhauses, also in halber Vogelperspektive
statt, nnd daß die Auffassung höchst genial ist, kann innn sich
denken Die Baumgruppen, das im Grunde halb sichtbare
Palais ließen irgend eine italienische Villa vermuten; dcn
echten, leibhaftigen Menzel erkennt maii in der Stasfnge:
vier Gartenarbeiter haben sich im Schatten auf den Rasen
hingestreckt, nin Mittagsruhe zu halten. Jeder liegt anders,
aber jeder natürlich. Bernhard Mannfeld hat das Bild
mit Meisterschaft auf die Platte übertragen; man kann sagen,
er hat es mit der Radirnadel nachgemalt, so glücklich ist
Menzels Behandlungsiveise iviedergegeben. Was dem Blatte
aber cinen besonderen Wert verleiht, ist dcr Ilmstand, daß
die Platte unter den Auqen Menzels entstandeii ist, ja die
Arbeit hat ihn selbst in 'so hohem Grade interesstrt, daß er
nach einer zwanzigjährigeii Panse selbst zur Radirnadel grist
und die lehteHaiid anlegte. Auf dcn erften Abdrncken ,tcht auch
MenzelS Unterschrift. Als Ginfall 1 st an, svlchen am unteren
Rande das Bildnis des Malers fluchtig, aber lebenswahr

x — Die Gipsstmnerei von Gcbrttder Weschkc in Dres-

v.n bät kllrckich einen nenen Katalog ihrer Erzeugiiisse III
dcn yat kurzua) einett^ Dieselben bestehen in

^cgenstände, daß wir die Sanimlung seincr Causerieii schmuck als auch M Lehrzwecke. ^^^Eippei^
em Kunstwcrk siir sich betrachten diirfen.

mein reichhaltig an Statuetten >

Zum Scklnn.. 'il' Unter neu'hinzugekommenen Gegenständen verdienen

^nkcn ""r heute unscre Bllckc auf j,m-o„ders die Arbeiten von Hähnel, Henze und dem jiingst
- - - - - kiervoraehoben zu werden. Die Ab-

letzte Kollektivn von Lichtdrucken, auf ein Albuni
^on Rostvck und Warneinünde, welches m dcr
Hinstorssschen Buchhandlung zu Wismar erschienen
ist- Theodor Nogge giebt uns in 20 gewandt aus-
gesührtcn Fedcrzcichnungcn ein getreues Bild des heu-
tigen Nostock. Die Stadt birgt in sich noch maini
kvstliche Reliquie dcr Architektonik aus vergangncr
gwßer Zeit: so dic Marienkirche. eine kreuzförmige Ba-
l'lika vvn kvlosialen Verhältnisien. die Petrikirchc nnl
"esigem Turm und gotischer Basilika, das Rathaim
Niit dcn sieben Türmen, dem mittelaltcrlichen r
zeichen derStadt und dem KrvpelinerTurm. vonwelchem ^
cin Bild aus der Zeit des dreißigjährigen Kriegcs un^
cntsprechender Staffage eingefttgt ist. Bon bcsoiu.>.i-
walerischer Wirkung smd die alten Giebelhäuser am
Schilde. sowie die Strandbildcr mit ihren Schis,en
nnd Barken. Zu den idyllischsten Dörfern aber gehoi
nnstreitig der Ort Großen-Klein, desicn strvhgcdcckte,

oesvnvcLr, .. .

verstorbcnen Schlüter hervorgehoben zu werden. Die Av-
güsse sind scharf uiid saiiber und dabei sehr preiswürdia.
Der Katakog, wekcher für 2 Mark zu haben ist, cnthält anßer
dcm 22 Seiten fiillenden DerzeichniS »och 52 Seiten mit
Umrißdarstellungeii der aus Lager besindlichen Abgüssc, >0
daß es jcdem Liebhaber leicht gemacht ist, anch unter den ihm
nicht bekannten Gegenständen eine Auswahl zu treffen.

Aunsthistorisches.

x.— Zn Schortau a E. wurde dieser Tage ein wendischeS
Mosaik cntdeckt. Man vernmtet, daß es ehodem den Fnßboden
einer offenen Säukenhalle gebildct hat. Ein Quadrat dieser
Verzierung, auf welchem der Götze Balbogk dargestellt. ist fast
ganz erhälten. Eine Inschrift neiint in großen Buchstaben
den Namen des Wendenfürsten Prpmislaff.

7<onkurrenzen.

x — Z„r Wicdcrherstellmig der Aachcner Nathaiistiirmc
ift eine Koiikurreiiz ausgeschrieben, zu welcher die Zeichnungen
bis zmii 15. Mai 1885 bei dein Magistrat der Stndt Aachen
einzureichen sind. Es sind zwei Preise, einer von 4000, der

andere von 2500 Mark ausgeschrieben.

I'v. Zm Kvnkurs für das Dcnkmal Gaiiibctta's ist dem
- " -.»v Nnileau der erste Preis von 6000 Frcs.
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