Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 20.1885

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Kunstlitteratur. — Nekrologe.

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vvn Sta. Maria Liberatrice, welchc das größte »nd
ani besten crhaltcne antike Backsteingebäude am west-
lichen Fnße dcs Palatins, iiber dessen Charaktcr die
vcrschiedenstcn Ansichten herrschen, znm grvßten Teile
verdeckten.

Eine dcr beiden, dem Bnche Marncchi's beige-
gebcnen Tafeln, Ivclchc leinwArupIiia. b'ori. Romani
P08t 6Ü088ione8 n . LIO6606XXXIV betitclt ist, ver-
anschaulicht in klarer Weise das Forum in scincm
hcutigen Zustande. Ans ihni ersieht nian sofort die
enormen Veränderungen, wclche sich ans dem Foriim
während der letztcn zehn Jahre vollzogen haben. Als
nen aufgedcckt kommen hanptsächlich aus diescm letzlcn
Plane des rvniischen Foriim Vvr: einige kio^tra Vötera,
der I7mbilieu8, das Mliarium nureum, ein Stück des
Viou8 4uAariu8, die Uberreste der kleinen christlichen,
später hineingebauten und wieder verschütteten Kirche
Sta. Maria in Foro; der I'ornix 6a1,ianu8; das
Haus der Vestalinnen; die Via Nova rc. rc. Das
Buch Marucchi's ist sehr iibersichtlich in zwei ver-
schiedenen Abteilungen zusammengefaßt. Jn der ersten
behandelt dcr Berfasser kurz die Geschichte des Fvrums
bis zum 15. Jahrhundert; in der zweiten die seitdem
über das Forum gemachten Studien und die auf dem-
selben vorgenommenen Ausgrabungen. Die neun
Kapitel der zweiten Abteilung behandeln dic verschie-
denen Seiten des Forums nach den Himmclsrichtungen.
Den lN der Mitte stehenden Monumenten, dem Kapitol
und der Sacra Via sind besvndere Abschnitte gewid-
mct. Zum Schlusse verwcndet der Versasicr noch ein
Dutzcud Seitcn anf die christlichen Erinnerungen, welchc
sich an das Forum knüpfen. 4. 6.

Ptunstlitterutur.

— sd — Von der Jllustrirtcn Schrcincr - Zcitung, unter
Mitwirkung uamhaster Fachgenossen heransgegeben von
F. Luthmer, hat soeben derdritte Jahrgang begonnen. Das
Blatt, anfangs lau aufgenommen, hat sich im Laufe seines
Bestehens zahlreiche Freunde erworben: gewiß mit Necht.
Es wendet sich an die Handwerker, will nach eigenen
Worten ein Freund der Werkstatt werden und unterscheidet
sich schon dadurch vorteilhast vor ahnlichen Unternehmungen.
Es will nur praktische, brauchbare Sachen bringen, meist
nach schon ausgeführten Eegenständen und hat durch dis
Art der Darstellung ohne Zweifel das Richtige getrosfen:
außer StorckS „Einfachen Möbeln" wüßten wir keine deutsche
kunstgewerbliche Publikation, welche in so klarer faßlicher
Weise das, was es will, zur Anschauung bringt; selbst Haud-
werkern, welche an den Gebrauch von Vorbilderwerken nicht
gewöhnt sind, werden diese Tafcln von Nutzen sein. Turch
Publikation von Arbeiten aus den verschiedensten Werkstätten
erhält die „Jllustrirte' Schreiner-Zeitung" ihre Leser zugleich
auf dem Laufenden über die Fortschritts der Jndustrie in
ganz Deutschland und wird mit der Zeit zu einem wichtigen
Repertorium der Kunsttischlerei seit ihrem Wiedererblühcn
werden. Und wie fiir die Werkstatt eignen sich die Tafeln
in gleich vorzüglicher Weise für den Fachunterricht, wo es
bekanntlich meist an guten und brauchbaren Vorlagen mangelt.
tlber Ziel und Jnhält spricht sich der Herausgeber im ersten
Hest des neuen Bandes aus, welches überall leicht zu er-
halten ist.

Nekrologe.

Karl Eaucr ß. Am 17. April starb in Kreuznach
der Bildhauer Karl Cauer. Er war der Sohn des aus der
Rauchschen Schule hervorgegangenen, durch seine anmutigen
Märchengruppenbilder (Aschenbrödel, Rotkäppchen) zumeist zu
Nuhm unv Llnsehen gelangten Bildhauers Emil Cauer und
wurde in Bonn, wo sein Vater damals Universitätszeichen-
lehrer war, im Jahre 1828 geboren. Zuerst vom Vater zur
Kunst angeleitet, ging Cauer nach Berlin, uin bei Albert Wolf
seine weitere Ausbildung zu suchen, sodann 1848 nach Nom,
wo er die Antike studirle; von 1851 bis 1854 hielt er sich
in London aus, hauptsächlich angelockt von den Parthenon-
skulpturen im Britischen Museum. Sodann begab er sich
nach Berlin, wo er die Porträtbüste des Königs Friedrich
WilhelmIV. in Marmor ausführte und den olympischen Sieger
schuf, der in Bronzeguß in Sanssouci aufgestellt und wosür der
Künstler 1857 mit der goldenen Medaille für Kunst und Wissen-
schast belohnt wurde. Jn Wien, wohin er berufen wurde, fertigte
er die Porträtstatuen des Kaisers Franz Joseph, der Fürsten
Metternich, Windischgrätz u. s. w. Dann kehrte er nach Rom zu-
rück, wo er den Theseus, den sterbenden Achilles und den Hektor
schuf. Das 1862 in Mannheim errichtete Schillerstandbild
wurde nach seinem im Preiswettkampfe gekrönten Modell aus-
gesührt. Jm Jahre 1862 verband er sich mil seinem Bruder
Robert (geb. 1831 in Dresden), dem nicht minder berühm-
ten Bildner der Märchensiguren Dornröschen, Schneewittchen,
Paul und Virginie u. s. w, zu einem geineinsamen Atelier
in Bad Kreuznach, aus welchem viele Marmorgebilde hervor-
gingen, wie das Kreuznacher Kriegerdenkmal, das Standbild
des Or.Prieger, dieBüsten derHohenzollernschen Fürstenfamikie
im Jägerhof zu Düsfeldorf, das Grabmal der Fürstin Kheven-
hüller inWien. Außerdem gründeten beideBrüder 1873 auch in
Rom eine Werkstatt. Von 1873 bis >881 warer auch fast ununtsr-
brochen in Rom, wo er auch im Verein der deutschen Künstler
den Vorsitz hatte. Dort schuf er seine berllhmten Figuren
Kassandra, Psyche, Brunhild, Nymphe nach dem Bade, die
Hepe. Jm Jahre 1881 tauschte er mit Robert den Wohnsitz ;
während dieser nach Rom übersiedelte, kehrte er nach Kreuz-
nach zurück. Hier entwarf er das Siegesdenkmal für Bukarest;
ein kolossaler Christuskopf wurde aus Marmor gemeißelt,
mit Gold belegt und ausgemalt. Jn gleicher Weise behan-
delte cr Nymphe und Amor und die Nachbildungen vom
griechischen Parthenonfries. Ticse bemalten Skulpturen haben
in der Künstlerwelt großes Aufsehen gemacht. Die Zahl der
von Karl Cauer geschaffenen Porträtreliefs und Büsten ist
sehr groß; fiir das Kölner Museum lieferte er noch kiirzlich
die Büste Karl Simrocks. Seine Statuetten klassischen, reli-
giösen und allegorischen Charakters sind durch Nachbildungen
weitverbreitet und Gemeingut des deutschen Volkes geworden.
Wohl hat man den Gebrüdern Cauer das Handwerksmäßige
im Betriebe ihrer beiden Ateliers in Rom und in Kreuznach
vorgeworsen, denn hier und dort ward rastloS gearbeitet.
Andererseits läßt sich aber einwendeu, daß auch Rauch schon
die Uberlegenheit des italienischen Marmorarbeiters so klar
erkannte, daß er sich Gehilfen von dort mitbrachte, und
gegenwürtig haben auch noch andere Künstler, wie Josef
Kopf und Hermann Corradi, Ateliers diesseit und jen-
scit dcr Alpen. Über die in der Pariser Weltausstellung
1878 zuerst erschienene „Here" sprach die französische Kritik
sich selir originell aus Iouin erklärt in seinem Werke
I-a, Loulpture su Lurope 1878, disse Figur sei eine selt-
same Schöpfung, doch nicht ohne Wert; er fragt, ob sie
die Sirene der heroischen Zeit sei oder die von Bulwer
in den „letzten Tagen von Pompeji" beschriebene Saga
des Vesuvs und meint endlich, der Künstler würde sich nicht
ohne Gefahr noch einmal an die Behandlung von so phan-
tastischen Gestalten, die wedcr der Gcschichte noch der Dicht-
kunst entlehnt seien, wagen dllrfen Schlangen umringeln
das stolze Haupt der dämonisch schönen Mciid, auf ihren
Knieen sitzt eine Eule, am Boden hinter ihr liegt ein Netz.
Bei der internationalen Kunstausstellung im Münchener Glas-
palaste 1879 erschien „Die Here" noch einmal, begleitet
von einer lebensgroßcn Marmorstatue „Tie Quelle" und der
überaus liebreizenden, gleichfalls schon fertig in Marmor aus-
geführten Geslalt eines „Fischermädchens", das die Hand
über die Augen legt und neugierig in die Ferne späht.
1883 stellte Cauer bei dcm nächsten internationalen Stelldichein
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