Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 20.1885

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Berichte vom Kunstmarkt,


Ichmuckes der neuen Wiener Mpnumentalb^
u»d der aus der Konkurrenz sür d°L T^enkmal^m
an die Befreiung Wiens von den arbeitet

vorgegangen ist (Pendl erhielt den dntten 1- M „„v
»egenwartig an einigen kleinen K°mposltio ^indern,

an einem größercn Relies niit d» clluna vm ^
die nnt Billardspiel beschästigt smd. Auch diele^


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sich durch eine überaus kiebensivürdige Erfindung auszeichnet,
wird in Holz ausgeführt. Jm Lause des Jahreü hat Pendl
drei Figuren für die Attika des neuen Parlamentshauses
vollendet (den Ackerbauer, Techniker und den Bauhandwerker).
Für den neuen Justizpalast führt der Künstler gegenwärtig
die zwei kolossalen Löwen aus, die an der Freilrcppe des
Baues aufgestellt werden sollen.

Berichte vom Nunstmarkt.

ürunstauktion A. von j?arpart in Aoln.

(Schluß).

4'li, Jndem lvir eine Anzcihl Dclstcr. dcutschcr.
lranzösischcr, italienischer uud oricntalischer Faicncen
blvß strcisen, um ihr Borhandcnsciii sestzustellen. auch
^ier kleinere Relicss aus dcr Schulc der Robbia nur
bvriibcrgchcnd crwähncn, greiscn wir sosort in einc
zwcite Prachtserie dcr Sainmlung. in die ans 150 Ge-
l^ßcii bestchende Auswahl italienischcr Majolikcn hincin.
Da glänzt Deruta n. a. mit einer perlmutterartig
irisirenden in Gelb und Blau bcmaltcn runden Dics-
ichüssel nnd mit der Prosilbiiste eines jnngcn Mädchc»-,'
»> rclicsirter Umrahmung; Gubbio, mit 12 Plattcn,
bvn denen drci in ganz odcr teilweisc rclicsirter Arbcil
^cn in Rnbinrot, Goldglanz und Perlgrau schimmcrn-
den Farbcnzaubcr dieser Schulc zur Geltung bringcu,
lvährend bei siins andcrn dcr unvcrgleichlichc sticiz dcr
^ichniing aus dcn Maestro Giorgio Andrcoli hindcutct;
^uenza mit übcr 20 Plattcn und Vascn, daruntcr vicr
uus der Casa Pirota, Cassagiolo u. a. mit cincr großen
buii.lg, g; ^oni^g^ oic wcgen dcs wundcrbar um ein
^"lteliiicdaillvn (Leda mit dcm Schwan) vcrteilten,
uss'igen Renaissanceornamcnts zu dem Bestcn gczählt
knnn; Urbino bietet uns dier bezeichnete Schiissetn
Francesco Xanto da Novigo. zum Tcil in dem
ulb- nnd iliubinglanzdckor von Gubbio, außerdcm
^ vinc 4l ein großc geticstc, demsclben M cistcr
^eschncbcttc Schiisiel, welche in Konkurrcnz mit einer
chüsicl ew„ OrazioFontana, dercn innerc Fläche
, »v Urtcil des Paris nach Ginlio Romano's Gemäldc
der Galerie Corsini zii Rvm schmiickt, zu dcn höcksten
-^isterwerkcn dieser Tcchnik zu rcchncn sind; endlich
^wa :,o Gesäße verschicdcner Mcistcr. Schlicßlich sind
über 40 Castclli-Fabrikatc zn erwähnen, znmeist I
jcnen lieblichcn Aniorcttcn- und landschastlichcn
^rstellungen. die in ihreni zartcn. durch ausgcsetztc
^°ldlichtcr noch wirkungsvollcr gestimmtcn Kolorit dcn
°'»°nartigen Rciz jcncr Wcrkstättc ausn.achc».

„ Unter den Erzeugnisscn dcr italicnischen Hvhl-
^Mechnik. die sich durck, Formcuschonhcit sowohl als

'Uch durch die seltene Pracht des Glasslu,,cs ausze.ck)ne.,,
^nngt in erstcr Rcihe cinc dc». XV. Jahrhundcrtc :

angehvrende blaue Glasschale auf hohe», Fuße mit
sigurenreichem cmaillirtem Friese, cinen Hvchzeitszug
darstellend. Die Hauptgruppen, das vermählte Paar,
sowie ein Zweigespann mit einer gekrönten Heldenfigur,
gefolgt von Kricgern init Opfertieren, bewaffnetcu
Jiinglingen und Lautenspielern zeigen in der Strenge
der Zeichnung Einflüsse des Mantegna. Ungefähr
derselben Zcit gehvrt eine kleine Schalc vvn weißcm
opakem Glase an, um deren änßerc Seite sich
ein brciter goldgeschuppter Frics niit bunt einaillirten
Tüpfchcn hcrumzieht; dcr innerc Bvdcn zeigt in
Emailfarben . dic Prosilbüstc ei'ncs jiingen Manncs,
welche an die gleichzeitigen Pvrträtnicdaillcn dcs G iul.
dclla Torre und des Nicvlaus Florcntinuö
erinnert: cin Stück atterersten Rangcs. Ans dem
Anfange dcs 15. Jahrhundcrts staninien zwei grvße
klinipigc Schalen in blaucni nnd aniethhstfarbcnein
Glase, dic cinc niit Blilinenrankcn, dic anderc mit
Schuppenverzierung in prächtigen Eniailfarben, ferner
cin hohcr Pokal, dcr mit seincm glvckcnfvrmigcn,
am untcrcn Nande in Zacken gekniffenen Kclche
und mit seincni fa^onnirtcn Knaufc noch die strengc
Struktur dcr Quattrvcentv-Gefäße trägt, währcnd
stch in dcr Eniaillirung mit ihren Ccntanren-Mvtiveii
zwischen Blunicn-Arabcskcn der Charakter dcr Früh-
' Renaissance ausspricht. Außer den vvrgedachten seltenen
Prachtstücken dcr früh-ltalienischcn Emailtechnik sind
anch schone spanischc nnd dcntschc Emailgläser, znmeist
mit heraldischcn Vorwürsen, svwie eine Anzahl zier-
licher Flügelgläser vorhandcn.

Die überraschcnd kvstbare Answahl der Glasge-
mälde umsaßt beinahc ausschlicßlich schwcizer Arbciten
deö 16. JahrhundcrtS. Ans dem Anfang dcsselbcn,
vietteicht nvch dem 15. Jahrhundert angehörend, sind
zwei Scheibcn mit Bannerträgcrn nnter gvtischem
Laubwerk zu ncnncn, mit den Wappcn der Städte
Bern und Thun auf den wehenden Fahnen. An sie
schließt der Zeit nach eine Serie von sechs Wappen-
scheiben niit gotisircndcn Kvstüin-Flgnren nnd Tier-
darstettnngen an. Die höchstc Blütc aber dieser Tcch-
nik, wo die Kraft der Linienführung sich niit der reichstcn
Phantasie nnd ciner rührendcn Sorgfalt sür die Ans-
^ldnng des DetailS paart, rcpräscntiren eine viercckige
chcibe niit den reichgekleideten Fignren eineS schweizer
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