Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 20.1885

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No. s?.

20. Iahrgang.

IMq785,

stchronik

5. Lrbruar

t 85. s »

I^?ochenschrist sür ^lunjt und ^utkstgewerbe.

Ankündigungsblatt des verbHr d-utschen Runstgewerbeoereine.

^erausgebcr:

Larl v. Lützow und ^lrthur j)abst
wicn Berlin

Tbee.si°nun.g°ffe-S. Bül°°straß°U-

Lrpedition:

Leipzig: L. A. Secmann. Gartenstr. 8. Berlin: w. 0. Kul'l, Iagerstr.


Norrespondenz.

Köln, im Januar 1885.

Die Gründung eines Kunstgcwcrbcmnsc
ums in Köln. seit langer Zeit in engeren Kreisen uber-
tcgt und bcsprochcn, in den letzten Jahren von cinzclncn
mit einem gewissen Eiser angeregt und bctriebcn, wi^
uoch ininier nicht recht in Fluß kommen. -rw Giiuwc

sür biesc auffallende Erscheinung liegcn zum ,

sondcren Verhältnissen, vorwiegend aber in dem Ma g
an der richtigen Bcurtcilung unsercr lekalcn
gewerblichcn Zustände. Diese pflegt man hwr
jc her i»i rosigsten Lichtc zu betrachten, eine Anschauung.
d'e selbst von solchen geteilt wird, d'e 'hrcn 'u ,
gewerblichen Neignngen und Bcdürsnisscn ''
kurzem ausschlicßlich. jetzt noch 5"'" Teil von s-w '
Besriedigung verschafsen. Gewiß läßt iich mch ci g -
daß die guten und echten Traditionen. die hier me)
als in irgend einer anderen deutschcn Stadt sortwn ' ,
"'ächtig gcnug warcn, um Köln bis jetzt cinen !
geachtetcn Rang aus dcm Gebicte der Kunstnidustn
behauptcn zu lassen, dank dcr ganz außergewöhnlwicn
Düchtigkeit und Thätigkeit einzelncr Meister, dw gcracc
die Hauptträger ^ieser Tra^itionen zu betra^te
smd. Jhnen und denjenigen, die pe durch besonvere
hervorragende Austräge in ständiger SchassenSlust n
halten haben. ist sast allein dieser Ersolg beizumegcn,
k>er sich vornehmlich aus das Möbel-, Goldschuuecc^
"nd Schlosiergewerk, also aus diejenigen Zwcigc ccc
Kunsthandwerkes bczieht, die zur Verschöuerung dcr
:... iu erstcr Linic

«cunpyanvwerres vczieyl, vie zur -v

Baiiwerke im Äußeren wie im Jnncren in crstcr v"nc

beizutragen bcrufen sind. Es läßt sich abcr auch nicht
verkennen, daß der kleinc Kreis dieser wcnigcn her-
vorragenden Meister sich kauiu erweitcrt hat, währeud
in zahlreichen anderen dcutschcu Städten frisches, rühri-
ges Leben sich geltend inacht, übcrall da nämlich, wo
zu Grüudung odcr Belebung dcs Kunstgewerbes von
dcn Städtcn selbst, von Korporativnen odcr Mäce-
naten rcichc Mittel aufgewandt worden sind, Samm-
lungcn anzulcgen und Schulen einznrichteu. Nach
bciden Richtungeu hin, namcntlich abcr in crsterer
Beziehung, hat es leider in Köln an dcr nötigen
Sorgfalt und au dem crforderlichcii Eifer gefehlt.
Nirgendwo wäre dic Gelegcnheit, cin Kunstgewerbe-
museuni zu schasien, so günflig gewesen, als gerade
hier, wo sich im Faiiiilienbesitz cinc unglaubliche Menge
altcn, vielfach wenig gcwiirdigtcn, deöhalb ui» so leich-
ter zu veräußernden KunstgeräteS befand, wo der
Saninicleifer so hcrköinmlich nnd verbreitct war, wie
nur irgendwo, wo nainentlich seit dem Wiederauf-
blüheu der Stadt uutcr den vornchnilich dcn höhcren
und höchsten Kreisen angehörigen Berufssammlern ein
Wetteifer sich culfaltcte, der zu dcu glänzcndsten Rcsul-
taten, zur Schöpfung von Privatsainmlungen führte,
die in archäologischer, aber auch in ästhetischer und in
technischer Beziehung überaus wertvoll waren. WaS
inimer iu Köln, in seiner näheren wie entfernteren
Umgebung an Antiguitäten auftauchte, bevölkerte den
hiesigen von jc hcr geschätzten Kunstmarkt, und eifrigc
routinirte Händler kamen dcn Ncigungen dcr hiesigcn
Liebhaber durch Zusi'hr von allen Seiten, namcntlich
aber aus der unerschöpflichcn Provinz vorsorglichst
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