Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 20.1885

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No. s2.

20. Iahrtzang.

Aunstchronik ^

!^ochenschris1 sür Uunst und ^unstgewerüe.

>. Kunstgewerbevcreiiie.

neuc ^iesolc in der Verlincr (valerie.

Dic Neuerwerbungen der Berliner Gj-uu'^bcg
geben seit einem Jahrzehnt das planmagige ^

M erkcnnen, die empsindlichsten Liickcn rer ^ainu ^
ben Mangel an eigentlichen Hauptweikcn <u ^
großen Blüteperioden der Malcrei .

^ahrhunderts langsain zu ersctzcn. ^.er
Reihe von tiichtigen Wcrkcn, unter denen ^
don Nenibrandt, Diirer und Claude poriam i
Üehen, zeigt, daß dics Strebcn niehrsach von g -
lichem Ersolge beglcitet war. Daß mdcven rep
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Landtage bewilligten Ertraordinarinina von -

M--I »». S>,°«d- d-- S»--- >.in Wi-».- V-I°.d->°
hervorgezaubert werdcn konnte, ist nur natiir n ,
uußerdcm der prcußischen Hauptstadt ein e
welcher der Galerie auch nur annähernd ähnlichc -
uiächtniste zur Versügung stcllen könntc, wie pe
Gemäldegalerien zu Paris nnd London stit alicie
l)er zn tcil wcrden, so müsten hier die .

uus eine von der Zukunst zu crwartencc ucstn
Erweiterung dcr Galerie stets in bescheidenen Grcnzen
bleiben. Die großcn Hauptwcrkc der italicuis

Male"- r-»nd uiedcrländstchci

ui. Die großen Hauptwcric oer
-'rei des 16,, der spanischcn und niederländischcn
Nalerei des 17. Jahrhundcrts sind eiiimal uicht mchr
i» crwerben, Uud wo dics noch hier und da möglich
leiii sollte, werden schließlich die Bcrlincr Geldcr doch
uicht ausreicheii. Der Bcrkaus der Bildcr des Hcr-
Zogs von Akarlborough an die englische Regierung hat

dics crst vor kiirzcm bewiesen. Dcr bisher bewährte
Ruf, die ältcren Malcrschulcii, iiaiiiciitlich aber die des
15. Jahrhuudcrts in iiiöglichster Vollstäiidigkeit zu
vertreten, wird stcts dcu Hauptivcrt der Berliucr Ge-
mäldegalcrie ausniache». Nach dieser Richtiing hiii
ist dciiu auch dcr svcbcu vollzogcuc Aukauf dcS großcu
Altargcuiäldcs dcs Iiiugsteu GerichteS von Fra Augc-
lico da Fiesolc aus Dudlcy-Housc i» Loudou als
cinc Eriverbuug allercrsteu Raugcs zu bctrachtcu.
Bcrliu bcsaß vou Ficsole bishcr uur drci unbcdeutcude
Taselu winzigsten Maßstabcs. Das ucuc Gemäldc,
cin Bild uiit ruud drcihuudcrt Köpscu, uud vou ciucr
Schönheit, Ivic sie Ficsolc seltcn iu sciiicu Tasclbildcru
erreicht hat, dazu vvu ivuudcrvvllcr Erhaltuug, vcr-
mag deu Mcistcr uiit eiuem Schlagc iu ivürdiger
Wcise zu rcpräseiilircu. llutcr Ficsvlc's Tafelbildcrn
ist cs das reichstc an Gcdaukeu uud iiialerischcn Mo-
liveu, spcziell uutcr seiiicu das Jüugstc Gcricht be-
haiidcludcu Wcrkeu dasjcuigc, iu Ivelchcni cs ihiu
gcluugeu ist, dcu sprödcu Stoff iu einer sciuci» küust-
lcrischen Schaffeu a», meisteii cutsprccheiidcu Fassuug
vorzutrageu: dic Schildcruug der Bcrdauiiutcu tritt
zurück; die Hölle ist iu wcseutlich iiutergevrdiicte»,
Maßstabe gcgcbcn; dcn Hauptrauui bcdcckeu die Seli-
gcn, die von ihrem Schutzengel eiupfaugen nnd iu
fcicrlichcin sticigcntauzc zuin Paradicse cinporgeführt
Ivcrdcn, außerdci» dic hiininlischen Hcerscharcu. Dic
eigentlich stärkstc Scitc iu Fiesolc's künstlcrischcin
Charaktcr, die fcinc Schilderung cincr in Glauben uud
> Andacht wurzelnden Lcbensfreude, kouiiut dadurch hicr
I zur gläuzcudcn Entsaltung. Nicht iu deiusclbcn Maße
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