Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 20.1885

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Vermischte Nachrichten. — Berichte vom Kunstmarkt.

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'brÄckt h"?,.L^ur seine beste Arbeit, und man

- eme.i Augenblick Anstand zu nehmen, sich dieser

Ansicht anzuschließe

Leo XIII., den das Bild uns als
Kniestück vorführt, ist ein hagerer, kaum mittelgroßer Mann,
von einfachster, fasl askctischer Erscheinung, mit mächtiger, von
einem energisch thätigen Gehirn in allen Teilen krästig aus-
gearbeiteter Stirn, kleinen aber klaren geistvollen Augen,
großer scharfgeschnittener Nase, weitgespaltenem, unschöneni,

aber durch unsäqliches Wohlwollen verklärtem
sckininl--, -r-—- - -

schmab

Munde.

ten Tenkerlippeii und durch die Blässe des Teints er-
höhtem geistigen Ausdrucke: ein Gelehrter, ein Mönch und
dabei gleich dem zehnten Träger seines Namens auf dem
päpstlichen Stuhle cin ausgezeichncter Staatsmann und em
vorurteilssreier Geist, der denselben Künstler mit der Zlus-
sührung seines eigencn, wie des Bildnisses

. r.^cne», Ivie oes LMvnipes seines großen

Gegners Bismarck beauftragte. — Leo XIII. hat sein Bild
dem Münchener Kirchenbauvereine zum Geschenk gemacht und
dieser mit der Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft
(vorm. Friedr. Bruckmann) ein Überkommen getroffen, wo-
nach diese das allgemeine Vervielfältigungsrecht und dic Be-
fugnis erhielt, das Original ivährend einer gewissen Zeit im
-iv- und Auslande auszustellen.

D Tcr östcrrcichischc Landschasts- und Ticrinalcr ,vranz
von Pausingcr hat durch Vermittlung des Berliner Künstler-
vereins die Kohlezeichnungen, welche die Grundlage zu
der Jllustration der ersten Orientreise des Kronprinzen von
Osterreich bildeten und voriges Jahr in Wien ausgestellt
waren, jetzt im Uhrsaale der Berliner Kunstakademie zur
Ausstellung gebracht. Es sind ihrer lL2. Obwohl die-
lelben ihrem Jnhalte nach bereits durch das von der k. k.
^taatsdruckerei hergestellte Prachtwerk bekannt gewordcn sind,
haben sie doch ivegen ihrer glänzenden technischen Aussührung
in Berlin einen bedeutcnden Eindruck gemachl. Mit den
emfachsten Mitteln hat der Salzburger Künstler die reichsten
koloristischen Wirkungen erzielt, wclche selbst der Fülle dcs
orientalischen Sonnenlichtes gcrecht wcrden. Auch über lein
engeres Fach hinaus bewährt sich F. v. Pausinger in diesen
Kärtons als ein Künstler von universeller Äegabung, wel-
cher ebensowohl das Charakteristische der menschlichen und
tierischen Einzelerscheinung als das Malcrische eines Ges

ist'bim "s> "iid mit sicherer Virtuosität wiederzu-

Gesamt-

weiß.

Vermischte Nachrichten.

S Zur Bcqründunq cincs AichitcktuimuscumS in dcr
tcchnischcn Hockisckiulc zu Charlottenburg bei Berlm stnd oie
einleitcnden Schritte bei dem prcußischen Kultusminister ge-
than worden. Tas Museum soll im Anschluß an das nacy
der technischen Hochschule llbersührte Beuth-Schinkel-Museum
organisirt werden und vornehmlich Modelle und l.ntwun>.
sür Hochbauausführungen uinfassen. Ein Grundstock ist ve-
reits durch die Erwerbung dcs künstlerischen Nachlastes vo
G. Stier und R. Lucae und anderer Zeichnungen gelchafsen

worden. Es liegt in der Absicht der Begründer dieses
Museums, fllr dasselbe namentlich diejenigen Entwürfe zu
gewiimen, welche in öffentlichen, vom Staate ausgeschriebenen
Konkurrenzen mit Preisen ausgezeichnet oder angekauft wor-
den sind und die sich jetzt bei zahlreichen Behörden zcrstreut
findcn, ohne NuHen zu bringen.

Tic sandstcincrnc Balustradc dcs Kaiscrstuhlcs in
Goslar, welche sich in der Domkapelle, dem lctzten Reste des
1818 abgebrochenen Domes, bcfindct, wird jetzt durch Regie-
rungs- und Baurat Cuno aus Hildesheim restaurirt ünd
richlig aufgestellt. Sie stamint aus dem Ende des l 2. Jahr-
hunderts und ist mit phantastischen Tiergestalten in Relicf
geschmückt. Der Käiserstuhl selbst befindet sich im Käiser-
hause unter dem Bilde der Wiederaufrichtung des Deutschen
Reiches, wohin ihn Prinz Karl von Preußen gestiftet hat.
Jn die alte im Dom befindliche Balustrade wird die Kopie
des Kaiscrstuhles aus dem Rathause eingefügt werden.

8n. Tas Gipsmodcll für das Dcnkmal IosefS H.,
welches in Tetschen errichtet werden soll, ward kürzlich von
dem Bildhauer Oskar Nassau in DreSdcn vollendet und
öffentlich ausgestellt. Die Statuc ist 2,6t> m hoch und stellt
den Kaiser im Zeitkostüm dar. Mit der Linken drückt er das
Toleranzedikt an seine Brust, mit der Nechten macht cr eine
befehlsnde Gebärde, als wolle er die Ausführung des Edikts
anordnen. Die Porträtähnlichkeit ist nach alten Stichen und
anderen Vorlogcn aufs gelungeiiste von dem Künstler er-
reicht. Die Figur, welche in der Bierlingschen Gießerei in
Dresden in Bronze gegossen werden soll, wird auf eincm
ebenfalls 2.6U m hohen Sockel zu stehen komnien, der, sich
über drei Stufen erhebend, in grünem Spenit ausgefllhrt
werden wird.

.1. L. Grhaltuiig dcr Kuiistdcntmälcr in Italicn. Das
italienische Ministerium des öffentlichen Unterrichts hat sehr
wesentliche Maßregeln zur Erhaltnng und Restaurirung
verschiedener wichtiger Baudenkmäler, Bildcr u. s. w. in Tos-
kana angeordnet. Zunächst betreffen dieselben das berühmte
Baptisterium von S. Giovanni in Florenz und das Campo
Santo in Pisa; in zweiter Linie kominen in Betracht die
Fresken des Kreuzganges in Santa Maria Novella in Florenz;
ferner wird man die Läden an dcr Seitenfront dcr Kirche
von Santa Croce in Florenz abreißen und den Portikus,
welchen dieselben jetzt verunzieren, nach dem alten Plane
nach Art der Kreuzgänge wieder herstellen; die Basilika von
S. Lorenzo in Florenz soll zuin „Nationaldcnkmal" erklärt
werden, damit dieselbe besser im Stande gehalten werde; auch
wird man die herrlichen Räume der dazugehörigen Biblio-
teca Laurenziana von allen Verunzicrungen, welche durch
allerlei hineingebaute Wände rc. im Laufe dcr Zeit ent-
standen sind, säubern. Künftig wird man über die große
von Michelangelo gebaute Treppe zu der genannten Biblio-
thek gelangen, dercn Weitersührung nach dem vom ver-
storbenen Ärchitektcn de Fabris, dem Erbauer der Dom-
faffäde von Sta. Maria del Fiore in Florenz, vorgenoinmen

Berichte vom Alinstmal kt.

Die Aukticm Alukurt.

Wien, 1. Mai 1885.

Erst vor wenigcn Tagcn ist nach mehrwöchcnt-
lichcr Dauer das Trauerspiel ini Hause Makarl zu
Ende gegangen. Mit den nachgelastenen Schöpfungen
des Meisters begann die grausame Prozedur; dann
kainen die prächtigen Einrichtungsstiicke des Ateliers an
die Reihe, eincs nach dem andcrn, gleich den Blättcrn
einer Artischocke; den Beschluß machten Makarts edlc
Weine, die Zierpflanzen seincs Gartens und die schönen
Eisengitter ain Thor, welche den Voriibergehendcn von

dcr Gnßhausgasie her in die nun zerstörte Zanbcrwelt
deu Einblick gestattetcn.

Man hatte in dcn crsten Trauertagen dcn Ge-
danken angeregt, das Ganze aus öffenllichen Mitteln
anzukaufen und zu erhaltcn, als ein „Denknial vvn
Makarts Ansstattungskunst". Ein schöncr Trauin!
stkicht blvß unrealisirbar wcgen dcs hicr gcgenwärtig
mehr als jenials fiihlbaren Mangels an ausgiebigcn
Fonds fiir künstlerische Zwecke, sondern auch weil das
Atelier, so merkwürdig es war, ohne den Meister, der
cs gcschaffcn, dvch nur eincr entseclten Hülle gleichen
könnte! Das Atelier war nicht cin Knnstwerk für sich,
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