Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 20.1885

Page: 557
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1885/0285
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
557

Berichte vom Kunstmarkt.

558

Berichte vom Kunstmarkt.

Die Atiktion Alakart.

(Schluß.)

Die nächstfolgenden Abteilungen des Katalogs
(III—X) umfaffen den reichcn Jnhalt an Möbelstiicken,
Geräten und anderen Einrichtungsgegenständen, an
Teppichen, Gcwandstoffen und Stickereien, ferner die
Skulpturwerke in Marmor, Bronze, Holz, Terra-
kotta u. s. w., die Kriegs- und Jagdgeräte, Fahnen
u- dergl., die prächtigcn Eisengitter und sonstigen
Mctallarbeiten, die Schmuckgegenstände, Gcschmcide,
kleincren Ziergeräte jeder Art, die Glasgemälde, Majo-
likcn, Porzellansachen, cndlich die Musikinstrumente und
svnstigen Knriositäten, welche Makarts Atelier- und
Wohnräume fiilltcn. Nicht die Kostbarkeit oder Scl-
tenheit des Einzelncn, sondern das Eusemble war es,
was ihren Wert ausmachte. Nicht ein Raritätcn-
sammler oder amaborir-iuarellsuck, sondern ein Künstler
hatte sie zusammengcstellt, auf Reiscu oder während
der Arbeit, wie der Zufall oder ein durch das künst-
lerische Schaffen erzeugtcs Bedllrfnis sie ihm in die
Hände spielte oder erwünscht erscheinen ließ. Die
Vielseitigkeit des Geschmacks und des Bedürfniffes gab
dcm aus vieleu Hundertcn gestalten- und sarbenreicher
Details bcsteheudeu Ganzen sein charakteristisches Ge-
Präge; der edle und große Sinn, welchcr aus dcm
Gesamtbilde hervorleuchtete, machten aus ihm iu der
Dhat ein organisches Glied von Makarts Wesen uud
Kunst. Es fchlte kaum irgend ein Zcitalter, keine
irgendwie intercssante Spezialität oder Stilrichtung von
den Tagen der Pharaoncn bis zur Gegcnwart; ein
cntschiedenes Übergcwicht hattcn jedoch die Werke dcr
Spätrenaiffance; an Kostümen, Stoffen, Waffen, Gc-
räten, teils solchen, welchc dcr Mcister in seincn Bii-
dcrn verwendetc, teils praklischcm Hausrat, z. B.
Küchengerät, Kuchenformen u. dergl. fand sich eine
staunenswerte Menge vor. Die Erinuerung an die
glänzenden Jahre von Makarts früherer Wicner Zeit,
in wclcher die Katharina Cornaro, die Bilder für
Nic. Dumba, der „Einzug Karls V." entstanden, die
Erinncrungcn an den Festzug d. I. 1879 und an die
Kvstümfestc in Makarts Atclicr, bei deuen sich alles, was
die Kaiserstadt an Schönheit, Pracht und Reichtum
aufzubieten hat, in erlesenem Kreise zusammenfand,
wurdeu in den Anwesenden lebendig, als diese Maffen ^
von kostbaren Gewändern, Schuhen, Schmuckgegen-
ständen, diese reiche Auswahl von Kriegs- und Jagd-
geräten, Pokalcn, Gläsern, Schalcn, Bechern zum
Vorschein kamen, um als werte Audenken und erwünschte
Zier für Haus und Schrein an die Frcunde und Lieb-
haber vcrsteigert zu werden. Die Beteiligung an

diesen Abschnitten der Auktion war unter solchen Um-
ständcn erklärlicherweise eine äußerst rege, und es wur-
den im allgemcincn ziemlich hohe Preise erzielt, viel-
sach nicht wegen des Kunstwertes, sondern wegen des
Affektionswertes der betreffeuden Gegenstände. Wir
heben die nachstehendcn Objekte besonders hcrvor:

Dritte Abteilung, Nr. 139, Treppenverkleidung
aus Holz und Geländer aus Schmicdceisen (Stil
Louis XIV. und XV.) aus Makarts Speisezimmer,
565 Fl. (Fürst Khevenhüller); Nr. 146 und 153,
Flügelthür und Teile einer Wandbekleidung, erstere
Stil Louis XVI., letztere älter, 600 Fl.; Nr. 155, ge-
schnitzte Möbelgarnitur, mit Elfenbeiu- und Holz-
einlagen, aus Makarts Schlafzimmer, 1910 Fl.;
Nr. 156, reichgeschnitzte altitalienische Truhe, 410 Fl.
(Prof. Leopold Müller); Nr. 164, großer altitalieni-
schcr doppelthüriger Schrank, 415 Fl. (Mr. Paget);
Nr. 173, großer, reichgeschnitzter und vergoldeter
Schrank im Nococvstil, 1170 Fl. (Mr. I. Duncan in
London); Nr. 185, altspanisches Kabinet, sogen. Cala-
trava-Arbeit, 16. Jahrh., 566 Fl.; Nr. 203, zwei
geschnitzte Stühle mit hoher Rücklehne, oben ein von
zwei Löwen gehaltcnes Wappen, italienische Spät-
renaiffance, 140 Fl. (Hr. W. Steiner); Nr. 217,
großcs phantastisches Encadrcment aus Holz und Gips-
maffe, koinponirt von Gedon, mit einem weiblichen
Brustbild von Makart, 900 Fl. (Hr. Wcidmann);
Nr. 219, vier große in Holz geschnitzte und vergoldcte
Kandelaber, 350 Fl. (Graf Clam-Gallas); Nr. 223,
Lustreweibchen, in Holz geschnitzt, mit Bemalung und
Bergoldung, an eincr langen, reich geglicdcrten Eisen-
filigrankette, 500 Fl. (Hr. Miethkc); Nr. 225, indisches
Schachbrett, 150 Fl. (Hr. Zierer); Nr. 232, venetiani-
scher Nahmen, oval, reich geschnitzt und vergoldct,
610 Fl.

Vierte Abteilung, Nr. 272—277, vlämische Go-
belins, in den Mittelfeldern biblische und mythologische
Scenen, ringsum rcich vcrzierte Bordüren mit Tier-
figureu in Medaillons, 400, 540, 470, 551, 360 und
300 Fl. (Graf C. Lanckoronski, Hr. Micthke, Baron
Wodianer und Altgraf Salm); Nr. 279, Brüffeler
Gobelin, in der Mittc eine kniecnde Frau mit einem
Kindc, in blühender Landschaft, 514 Fl. (Hr. C.
Fröschl); Nr. 280, desgl., aus dem 16. Jahrh. mit
der Darstellung eines in sein Lager einreitendcn sieg-
reichen Fcldherrn, 700 Fl. (Hr. Langraf); Nr. 281,
französischer Gobelin, niit dem Bilde des vor Kar-
I thago kämpfendcn Scipio, von vorzüglicher Erhaltung
der Farbcn, 1850 Fl. (Hr. Schcnk); Nr. 283, vlä-
inischcr Gobelin, mit Kampfspielen, mit dem Monogr.
des Meisters, 1000 Fl. (Prof. Leop. Müller); Nr. 284,
loading ...