Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 20.1885

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— Sammlungen und Ausstellungen.

s.10

509 Ziekrologe. — Personalnachrichten.

^ild, höchstens 6—800 Mk. wert, wurde neulich sür
12000 Mk. angekaust, wie ich höre, von Herru Stein-
uicyer. Es isr eine Gesellschast nach der Jagd; ein iu
tilvt gekleideter Mann sitzt an cinem Bauui, rechts vor
ihm ein junger Mann mit zwei Windhunden; links
mn Mann bei zwei abscheulich gemalten Hasen, ein
anderer niit eineni langen Stock. Jm Hintergruude iu
Mitte eine Danie in Griin auf einein enlsetzlichen
hvlzernen Schiniinel, sie hält einen Falken auf der rechten
Hcmd. Die Bäume sind durchaus anders gemalt, als
Wir es von Cuvp gewohnt sind; von weitem sehen die
Figuren etwas Cuvpisch aus, aber bei näherer Be-
trachtung ist alles viel schwächer. Das Bild hat ctwas
-t.rockenes, Unangenehmes, Steiscs; ich habe dabci an B.
K'ck gedacht, besonders an das Lvndoner Bild (n>
Bode's Studien beschrieben), aber auch er ist »ick't
l'er Urheber dieses unbcdeutenden Stückes. Ein salsch
bezeichnctcr A. v.Sstade 1649, ein schlechtes Bild, da»
kürzlich in Holland fiir 1100 Fl. hvll. vvn Pappelendam
verkaust wurdc, ist fiir 5000 Mk. von eincm Amstcr-
bamer Händler angckauft und prangt als echter ^.stade
>» dcr Galerie. Es stellt einen fast lebcnsgroße»
Raucher, in dcr Rechtcn die Pfeisc, i» der Linken die
Bierkanne, dar; der Mann hat ausfallcnd rvte A»gen-
lider. Eiu Ostade ist es sichcr nicht, dabei >st daö
Bild alles eher als intakt. Eine sehr hilbsche Maiine,
deutlich P. v L. (an einander) bczeichnct — heißt
Notabene noch stets Pieter Moly»; das Blonogra»»»

>st das vvm Antwerpencr Marinemaler sicter van

L oon, jjber den van den Branden in seiner - ^ '

werpsche Schildcrschool", Seite 1043 1014

berichtet. Ein sehr charakteristisches, wüst aber s o
gemaltes Jnterieur von Benjamin Cuyp wiid -> »
rises äu nionäo stets noch dem Albert Eu»)
zugeschricben. Jch sprcche dicsmal nur >>ber die letz e>
Ankäufe und frage: soll das so fortgehcu?
die ivahren, ernstcn Kunstfreuude Kölus erlauben, M
man fortsährt, Tausende von Bkark für salsüls ^ "
»nbedeutende Bildcr zu verschwendcn. daß Z. L. ic°'
wiederciu, weiinauch schöner, Abrahamvan Bevere
dem Vvlke als I. D. de Hcem gezcigt und si-i
teuer gekaust wird, daß eine lluzahl Bildcr de
Galerie im Katalog und auf den Rahmen verkehr e
Namen tragen u. s. w.; daß an 200 meilt »»
gczeichnete Porträts des 16. unv 17. Jahrhunie"
schlecht aufgehängt, vhne Nummcr. »icht katalegl,»
ausgestellt sind, während Bilder ohne jegliche c c»
tung, die iu ein Depot oder aus dic Rumpelkainmer
gehören, gnt sichtbar sind'? Und was svll »»>» "
über die Aufstellung der Haudzeichnuugen und KuPjer
stiche sagen? Sie cntbehrt jeglichen Systems. Da licge»
Sacheu des 19. Jahrhunderts zwischeu den schone»
Radiruiigen Rembrandts, die schönsten Sachen »cbe»

ganz Wertlosem, Handzeichnunge» Rasiaels und Lio-
nardo's bei allerlei llubedeutendem. Und was soll die
Aufstellung so zahlrcicher Photographien; wofür giebt
cs deiin Mappen? Biellcicht besprechc ich gclcgciitlich
an dieser Stclle den Katalog, deffc» zahlreiche Gc-
dichte, deren litterarischen Wert ich ja nicht bestreitcn
will, sich gelviß hier an der unrichtigcn Stelle besinden.
Jm Jntereffe der Kunstwlffenschast siihlte ich mich ge-
druugen, einstwcilen dieAiifmerksamkeitauf dicÜbelstände
an der Kölner Galerie zu lenken.

Nekrologe.

« lli'. Ornst fförftcr, der Nestor der deutschen Kunst-
qelehrte», ist am 2!>. April im dv. Lebensjahre i» Miiiichen
gestorben. l!r war mit Cornelius nach der Jsarstadt ge-
kommeii und iinhm unter dessen Leituiig zunächst als aus-
iibender Künstler an dcm Aufschwunge des dortigen Kiinst-
lebens teil. Dann wandte er sich dcr Kunstforschung zu uiid
hat zahlreiche lilterarische Wcrke hinterlassen, welche von
scinem treucii Eifer für die Sache Zeugnis ablegen. Wir
eriniicrn hier kurz an seine bäudereichen „Denkmale" der
deutschen und der italienischeu Kimst, deren Kupfcr gröstten-
teils nach Försters eigenen Zeichnungen angefertigt siiid. Bei
pcm am l. Mai auf dem alten (südlicheii) Friedhofe Mün-
chcns »nter zahlreicher Beteiligung der Kiinstler- und Ele-
lehrteiikreise stattgesuiidencn Leichcnbegängnisse wilmiete u. a.
auch Prof. Heinrich Brunn dem C'iitschlafenen cinen warm

empfundenen Nachruf.

Psi'rsonalnachrichten.

O Die Wahl cineS frcicn Mitglicdcs dcr Akadcmie dcr
schöncn Kiinstc in Paris an Stelle des verstorbeiien E. du
Sommerard ist der Gegensiand cincr lebhaften Agitation
gewese». Unter den Bewerbern bcsand sich auch der Baron
AlfonS von Nothschild, dessen Ansprüche sich nur darauf
stützcn, dast er viel Geld sür Kunsiwerke ausgiebt. Eine von
dcm Maler Mcissoniiiei' geleitete Partei suchte mit allen
Kräften die Wahl RothschildS zu hintertreiben. und es ist
jhr am 25. April wirklich gelungeii, die Wahl des bekannten
Archäologen Heuzey, Konservators am Antikenkabinet im
Louvre, durchziisetzen Baron von Rothschild machtc gute
Miene z»m böscn Spiel und schickte, um zu zeigen, daß er
seincn Mißerfolg »icht übcl genomincn hat, lUitO» Frs. an
daS Komitö zur Errichtung eines Denkmals für Delacroix.
Die Delacroir-AuSstellung hat übrigens 6U7U9 Frs. ergeben.

5ainmlnngcn und Ausstcllungcn.

— ri — Bcrlin. Aiisstclluiig im Kunstgcwcrbciiiiisciiiii.
J»i Lichthofe des Kuiistgewcrbemilseums sind für kurze Zeit
nebcn einigen kleineren Neuerwerbungen noch zwei nachträg-
lichc dem Prinzen uiid der Priiizessin Wilhelm dargebrachie
Hochzcitsgeschenke ausgestellt. Tas eine derselben sind Teile
eines von der Provinz Schlcsien dargebrachten Glasservice,
welches nach den Entwürsen des bekannten Malers Grafen
zdarrach in der Iosephincnhütte angefertigt worden ist. Die
mit ausgestellten Originalentwürfe zeigen, dast für das Ser-
vice ursprünglich dcr reichste Schmuck durch Plastik und
Färbung des Glases geplant war — technische Hindernisse
machten jedoch die Ausführung in dieser Weise unmöglich,
und so hat inan sich mit der Dekoration des farblos gebliebene»
Glases auf das Schleifen und Schneide» desselben beschränkt;
nur einige für dcn Gebrauch der prinzlichen Herrschaften be-
stimmte kleine Pokale sind durch die Berweudung farbigen Glases
an den Deckelgrisfcn u. s. w. ausgezeichnet. Die ausgestell-
ten Gläser jeder Art und Größe, Flaschen, Kannen, Huin-
pen und einige kleinere Tcller macheii i» der technischen
Ausführung ibrcr renommirten Fabrikationsstätte alle Ehre
>,nd auch der künstlerische Effekt der einzelnen Gegenstände
ist meist ein glücklicher; freilich sind gar zu vielerlei ver-
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