Büttner, Andreas
Der Weg zur Krone Titelzusatz:: Rituale der Herrschererhebung im spätmittelalterlichen Reich — Mittelalter-Forschungen, Band 35,2: Ostfildern, 2012

Seite: 581
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Maximilian I. (1486)

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5.15.3 Die Krönung
Die Aachener Königskrönung Maximilians I. am 9. April 1486 fand ihren Niederschlag
in zahlreichen Handschriften und Frühdrucken, die ausführlich über die Geschehnisse
in der und um die Marienkirche berichten. Gerrit Jasper Schenk hat bei seiner Behand-
lung des Einzugs vom 4. April zu Recht auf die »in einigen Details erheblich differieren-
den Quellen« hingewiesen/' ''' ein Urteil, dass auch für die darauffolgenden Rituale zu-
trifft. Da Schenk den Einzug Maximilians im Rahmen seines Idealschemas nur im
Hinblick auf die Einziehenden behandelte, nahm er eine eingehende Bewertung der
verschiedenen Quellen ebenso wenig vor wie einen Vergleich mit den in Betracht kom-
menden normativen Quellen.^" Unter Einbeziehung des gesamten, durch die Edition
der Reichstagsakten und weiterer Drucke gut erschlossenen Quellencorpus soll daher
im Folgenden der vollständige Ablauf der Krönung, vom Einzug über die Weihe bis hin
zum Krönungsmahl, geschildert und unter Berücksichtigung der präskriptiven Quel-
len analysiert werden.

Der Einzig
Noch vor dem Betreten der Stadt ritt eine Delegation des Rates dem König entgegen,
hieß ihn willkommen und ließ sich das besiegelte Wahldekret vorzeigen, eine Hand-
lung die jedoch nur von den wenigsten Beobachtern wahrgenommen und festgehalten
wurde.^i Die Berichte über den folgenden Einzug unterscheiden sich hinsichtlich der
Anordnung der Abteilungen, den hiervon abgehobenen Fürsten und der Positionie-
rung von Kurfürsten, König und Kaiser in verschiedenen Punkten, ohne dass in allen
Fällen eine eindeutige Klärung möglich wäre. So schildern der württembergische Ge-
sandte Dr. Johann Reuchlin und ein deutschsprachiger Frühdruck den Einzug des Ge-
folges in der Reihenfolge Jülich, Sachsen, Kleve, Pfalz, Trier und Mainz sowie am Ende

2159 Vgl. ScHENK, Zeremoniell und Politik, S. 307) Anm. 319, außerdem S. 308, Anm. 320 und S. 309,
Anm. 323, 325 und 326.
2160 Vgl. ebd., S. 297) Anm. 284 sowie S. 93, Anm. 53.
2161 Siehe RTA MR 1, Nr. 918, S. 967) wonach das Treffen mit den Aachener Bürgermeistern an
der städtischen Bannmeile geschah, wie es auch die deutschsprachige Ordnung zur Krönung
Friedrichs III. vorsah (siehe oben, Anm. 1964). Etwas anders Nr. 916, S. 946: ... ri//on pr: Ahe/: des
ra/s anc/: on/gogon an/cin /m/Zw n:c:7. Der lateinische Frühdruck, der unter dem Titel Historia elec-
tionis et coronationis Maximiliani I. veröffentlicht wurde, berichtet von der Ankunft vor Aa-
chen gegen vier Uhr nachmittags: ipsis Pcn/cn/Ans circa cini/a/cn: cran/ ;7T donn'ni Cini/a/is rcc/p/cn-
/cs Tnporia/cn: Ma/cs/a/cn: e/ RonMnornn: Regem /i/inn: snnn: cum cac/cr/s Pr/nc/p/Tns T/cc/or/Tns
mnZ/nn: gandcn/cr. Der Kaiser verließ hier seinen Wagen und stieg auf ein Pferd um (S. 31; so auch
Göttingen, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek, 8° Jus Germ. III, 1550 Inc,
f. 12v). Vgl. Jean Molinet, Chroniques, Bd. 1, S. 503f., wo auch zwei seidene Baldachine für König
und Kaiser erwähnt werden. Allerdings ging nur Friedrich eine Weile unter einem von diesen:
Ccn/x de /a pi/Zc d'aiscdz /enr Andren/ an depan/ snr /es edampz, on i/z /enr/iren/ nne propos;7/on; e/
apopen/^a// appor/cr TT pa//es de sopc de dipcrsc/acdon e/ con/cnr, /'nng es/o// p/a/, Z'an/rc a cres/e, /'nng
/Ten, /'an/re per/, /'nng ponr /'emperenr, /'an/re ponr /e rop; /'emperenr en/T /'nng nne espace, /e rop ne po-
/n/ prendre /'an/re (die entsprechenden Stellen über Einzug, Krönung und Krönungsmahl sind in
den RTA MR 1, Nr. 930 unter Verweis auf die Ähnlichkeit zu den übrigen Berichten nicht wie-
dergegeben). Zum Baldachin siehe auch unten, Anm. 2174.
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