Büttner, Andreas
Der Weg zur Krone Titelzusatz:: Rituale der Herrschererhebung im spätmittelalterlichen Reich — Mittelalter-Forschungen, Band 35,2: Ostfildern, 2012

Seite: 707
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Diplomatik

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der Folgezeit in der Regel korrekt nach dem Wahltag erfolgte. 1274 wurde zunächst of-
fenbar der Übergabe der Reichsinsignien entscheidende Bedeutung beigemessen, im
darauffolgenden Jahr dann dem Wahltag.^ Von 1276 bis 1279 bildete neben der Wahl
erneut die Übergabe der Reichsinsignien oder die Krönung die Grundlage für die
Berechnung,^ erst in den folgenden Jahren konnte die Wahl sich endgültig als Epo-
chentag durchsetzen.
Bei Adolf von Nassau war ebenfalls die Wahl für die Datierung ausschlaggebend.^
Abweichend von seinem Vorgänger wurden die Regierungsjahre aber bereits in die vor
der Krönung ausgestellten Urkunden aufgenommenA Dies wurde unter Albrecht I.
von Habsburg beibehalten, mit der Wahl in Frankfurt und nicht der vorausgegangenen
Erhebung in Mainz als entscheidendes Ereignis/'" Gerade im ersten Jahr wurde jedoch
ebenfalls die Krönung als Epochentag herangezogen, und auch in späteren Jahren griff
man gelegentlich noch auf den Krönungstag zurückA
Ein erneuter Wechsel ist unter Heinrich VII. zu beobachten, der in den Urkunden
zwischen Wahl und Krönung die Angabe der Regierungsjahre unterließt und nun au-

56 Vgl. ebd., Nr. 437 vom 8. Oktober 1275, bereits mit dem dritten Regierungsjahr, wie auch in
MGH Const. 3, Nr. 89, 90 und 92 vom 20. beziehungsweise 21. Oktober.
57 Urkunden-Buch des Landes ob der Enns, Bd. 3, Nr. 482-485, S. 443-446, vom 10. und 15. Oktober
1276, alle noch mit zrgzzz rvro zzosüz anno L'zdz'o; Monumenta Boica, Bd. 11, S. 453, vom 18. Oktober
1277 mit Rogzzz zwo zzosüz anno IV; Pusch/Fröhlich (Hg.), Diplomataria sacra ducatus Styriae,
Bd. 1, Nr. 13, S. 24, vom 2. Oktober 1279 mit Rogzzz zwo zzosüz anno soxfo, ebenso Lünig (Hg.), Das
teutsche Reichsarchiv, Bd. 18, Nr. 29, S. 21, vom 13. Oktober desselben Jahres.
58 Vgl. RI VI,1, S. XIV. Siehe Nr. 237-240 (1293), Nr. 401-403 (1294), Nr. 609-611 (1295), Nr. 827-830
(1297) und Nr. 978 (1298). Im Jahr 1296 erfolgte die Umstellung offenbar mit einigen Tagen Ver-
spätungen, jedoch noch deutlich vor der Krönung (vgl. Nr. 710 und 712).
59 MGH Const. 3, Nr. 476, S. 465; Nr. 479, S. 467.
60 In einem Brief vom 5. Juli 1298 führt Albrecht den Königstitel. Regierungsjahre werden jedoch
noch nicht angegeben, dies geschah erst nach der Wahl in Frankfurt (vgl. ebd., Nr. 7 H und 12).
Eine Urkunde vom 20. Juli 1301 datiert noch mit rogzzz zwo zzosüz anno Uz*cz'o (Nr. 137 S. 111), was
die Orientierung an der zweiten Wahl beweist (siehe ebenso Nr. 144, S. 117 vom 11. Juli des fol-
genden Jahres: rogzzz zzosüz anno t?Marfo).
61 Vgl. Böhmer, Acta imperii selecta, Nr. 547 S. 401, vom 23. August 1299 mit rogzzz zwo zzosüz anno
socMZzdo, dagegen MGH Const. 3, Nr. 60, S. 48, vom 5. August desselben Jahres mit rogzzz zzosüz
azzzzo prz'zzzo und erst Nr. 61, S. 48, vom 25. August mit socMZzdo. Siehe außerdem Lünig (Hg.),
Selecta scripta illustria, Nr. 116, S. 213, vom 21. August 1299 noch mit Rogzzz zwo zzosüz Anno
prz'zzzo. Albrecht war am 24. August 1298 gekrönt worden. In den folgenden Jahren wurden diese
Schwankungen zugunsten des Wahltags beseitigt. Vgl. z. B. Böhmer, Acta imperii selecta,
Nr. 506, S. 407 (9. August 1302, rogzzz zwo zzosüz anno t?Mz'zzfo), MGH Const. 3, Nr. 183 und 184, S. 159
(15. August 1303, zrgzzz zwo zzosüz anno scMo) oder Nr. 201 und 202, S. 171f. (5./15. und 21. August
1305, z'zz dozzz a/zUzz jar Hzzsors rz'c/zes, zrgzzz zwo zzosüz azzzzo ocfazzo). Doch waren auch weiterhin Ab-
weichungen möglich, wie die Urkunden vom 29. Juli 1306 (Urkundenbuch der Reichsstadt
Frankfurt, Bd. 1, Nr. 879, S. 454) und 21. August 1306 (Böhmer, Acta imperii selecta, Nr. 576,
S. 414, beide: zrgzzz zwo zzosüz azzzzo ocfazzo) oder ein Brief vom 30. Juli 1307 (MGH Const. 3, Nr. 224,
S. 191: rcgzzz zzosüz azzzzo zzozzo) zeigen. Vgl. zu dem uneinheitlichen Datierungsbrauch bereits Böh-
mer, Regesten des Kaiserreichs, Nr. 0, S. 199: »Die Zeitbestimmung von Albrechts urkunden
wird nur dadurch etwas verwickelt, dass seine canzlei in der berechnung des regierungsan-
fangs sich nicht gleich blieb, sondern zwischen der älteren und richtigeren sitte, welche mit dem
krönungstage zu zählen begann, und Adolfs abweichendem Vorgang, der schon von dem Wahl-
tag rechnete, schwankte.« Die sich anschließenden Beobachtungen Böhmers werden durch die
hier angeführten Urkunden ergänzt und präzisiert.
62 MGH Const. 4, Nr. 263a sowie die in RI VI,4,1 Nr. 2-4 verzeichneten Urkunden. Vgl. BRESSLAu,
Handbuch der Urkundenlehre, Bd. 2, S. 426, Anm. 5.
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