Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 59.1926-1927

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JULIUS HESS—MÜNCHEN

GEMÄLDE »STRASSE«

30 JAHRE „DEUTSCHE KUNST UND DEKORATION"

VOM HERAUSGEBER

Dreißig Jahre „Deutsche Kunst und Dekora-
tion" sind vergangen, ein Menschenalter
reichen künstlerischen Geschehens, ein Men-
schenalter besonnenen Dienstes an der Kunst
und ihrer Nutzbarmachung für das Leben unseres
Volkes. Denn die „Deutsche Kunst und De-
koration" war von jeher Kunstzeitschrift
nicht bloß in dem Sinne einer Zeitschrift für die
Kunst, sondern vornehmlich im Sinne einer Zeit-
schrift für die Beziehungen zwischen Kunst
und Publikum. Dies war der grundlegende
Gedanke, mit dem unsere Zeitschrift ins Leben
trat, und er ist es bis heute geblieben. Ihm zu
dienen ist heute sogar wichtiger als je. Wir
sehen heute noch klarer als vor dreißig Jahren,
daß es die Trennungen sind, die unser Leben
mit Verarmung und Verdorrung bedrohen: die
Trennung zwischen Wissen und Glauben, zwi-
schen Glauben und Leben, zwischen Theorie
und Praxis, zwischen Kunst und Volk. Alle die
segensreichen Kräfte der Kunst und des Geistes,
die eigentlich zur Durchwirkung und Form-

ung unsres realen Lebens bestimmt sind,
haben sich im 19. Jahrhundert aus der Lebens-
bindung zurückgezogen und spezialisiert. Darum
muß aus allen Kräften nach der Wiederher-
stellung der alten Einheit gestrebt werden.
Wenn dies in Bezug auf die Kunst mittlerweile
zu einem wesentlichen Teile gelungen ist, so
darf die „Deutsche Kunst und Dekoration" ge-
wiß beanspruchen, zu diesem Ergebnis das ihrige
beigetragen zu haben, durch die großzügige Art,
mit der sie ihre informatorische Arbeit
durchgeführt hat. Denn Information großen
Stils war das gegebene Mittel, um sowohl auf
den Künstler befruchtend wie auf den Laien
unterrichtend und urteilsfördernd einzuwirken.
Ganz zweifellos hat eine Zeitschrift wie die
Deutsche KunstundDekoration eine Chronisten-
pflicht: das bedeutet, daß sie alle wichtigen
Strömungen der Kunst zur Anschauung bringen
muß, aber nicht daran denken kann, sich mit
den vorgeführten Einzelwerken in jedem Falle
zu identifizieren. Der Förderung der großen,

XXX. Oktober 19J«. 1
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