Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 59.1926-1927

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otto griebel—dresden

GEMÄLDE »DAMENBILDNIS«

TNTELLEKTUALISMUS. Er ist die Entartung
X des Verstandes auf Unkosten der Kräfteein-
heit unseres Wesens. Er stellt ein Denken dar,
das entweder vom unmittelbaren Erleben los-
gerissen ist oder in der Form der Reflexion so-
fort in dasselbe sich einmengt und so seine
Fruchtbarkeit unterbindet. Unter der Maske
von Geist trat er auch in jenen Gebieten auf,
die von Erlebnis sich nähren, in Kunst und
Religion. Er zeigt der Kunst, wie man aus un-
verbindlicher Sinnenhaftigkeit und aus wissens-
mäßigen Kombinationen kürzere Wege der Pro-
duktion finden kann, und er verknüpfte die Reli-
gion mit Zwecken und mit Wissen. So riß er

beide los von der Tiefe des Schöpfungsgrundes.
Der Intellektualismus arbeitet gründlich und
zielbewußt, er organisierte das Fundament der
Bildung: die Schule und er „gestaltete" die
Menschheit im Staate. dr. ludwig praehauser.
*

„Fragen wir uns die Forderungen ab, die der
Geist an ein Kunstwerk macht. Eine beschränkte
Neigung soll nicht nur ausgefüllt, unsere Wiß-
begierde nicht etwa nur befriedigt, unsere Kennt-
nis nicht nur geordnet und beruhigt werden:
das Höhere, was in uns liegt, will erweckt sein,
wir wollen verehren und uns selbst verehrungs-
würdig fühlen."................goethe.
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