Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 59.1926-1927

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Handwerks-Kultur

Arbeiten. Eine natürliche aufgeschlossene Sinn-
lichkeit sucht im plastischen Gestalten Ruhe mit
stärkstem inneren Leben zu vereinen. Nicht un-
beeinflußt von den mancherlei Strömungen in
der Plastik der Gegenwart weiß er sich eben-
sowohl von archaistischer Manier wie von kon-
struktivistischen Problemen frei zu halten und
ist auf dem Weg, die persönliche Sprache und
Ausdrucksform zu erringen. . . walter klein.
*

HANDWERKS-KULTUR. Das Urteil und die
Mode lassen sich heute von der Großstadt
bestimmen; in dem dadurch heraufbeschworenen
dauernden Wechsel der Erscheinungen muß man
aber das Bleibende beachten und es mit Für-
sorge umhegen. Es ist die angeerbte manuelle
Geschicklichkeit, die Tradition der Hand. Das,
was wir die handwerkliche Technik nennen, gilt

es zu würdigen und zu wahren. Nicht zu verken-
nen ist die Gefahr der Maschinen-Romantik, der
Amerika-Romantik. Demgegenüber gilt es das
Können um seiner selbst willen zu pflegen und zu
nützen. Die neue Mystik der Zeit, die dem Ob-
jekt im letzten gerecht zu werden sucht, findet
ihre schönste Ergänzung in der Mystik des Hand-
werks, der Fertigkeit der Hand und ihrer ewigen
Werte. Die politische, berufliche, betriebliche
Organisation des Handwerks ist in den letzten
Jahrzehnten gelungen, nun heißt es die kulturelle
Seite stärker zur Geltung zu bringen. Das kultu-
relle Grundproblem, das dem ganzen Volk ge-
stelltist, verlangt, der Gegensätzlichkeit von Ma-
schine und Handwerk Rechnung zu tragen, den
Segen des Könnens, das, was über den einzelnen
hinausgeht und ihn mit der Gesamtheit verbin-
det, zu würdigen, zu erhalten. . . dr. redslob.

ALBERT HOLL—SCHWÄB. GMÜND. »SITZENDE«
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