Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 59.1926-1927

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TISCH- UND STEH-LAMPEN VON ARTUR HELBIG

Mit unermüdlicher Emsigkeit arbeiten seit
Jahren Kunstgewerbler und Fachfirmen
an immer neuen Gestaltungen der Beleuchtungs-
körper. Die Tisch- und Wandlampe besteht
schließlich nur aus einem Arm, der die Birne
zu tragen und den Strom zu führen hat. Und
welch eine Fülle von Formen hat sich aus diesem
einfachen Motiv ergeben! Artur Heibig kon-
struiert es, wie die Abbildungen zeigen, als eine
Kombination zweier Halbkreise, zweier Mond-
sicheln, die sich mit graziösem Schwung zur
S-Kurve zusammenfügen. Es kommt so etwas
Schwebendes, Leichtes,
fast etwas Tänzerisches in
die Bewegung dessen, was
vom technischen Stand-
punkt aus nur eine Stange
zu sein brauchte; ein an-
mutiges Spiel mit dem
Fliehen und Suchen des
Schwerpunktes geht vor
sich, woran der Beschauer
fast mit Körperempfindun-
gen teilnimmt. — Ganz auf
technische Weise gibt sich
dagegen die metallene Steh-
lampe, die in neuerdings
gebräuchlicher Weise mit
einer kleinen Tischfläche
kombiniert wird. Nur an
vereinzelten Punkten die-
ses Gestänges deuten ge-
wisse Linienbewegungen
eine ornamentale Absicht

»OBIGE STEH-LAMPE ALS WANDARM«

an. Im Ganzen liegt der technische Geist der
Gegenwart, und unser ästhetisches Gefühl wird
von diesem anscheinend nüchternen, sachlichen
Apparat keineswegs abgestoßen. Wir hören diese
knappe Sprache gern, wir haben, ohne darauf
zu achten, schon ein Verhältnis zur Dynamik
der Metalle und zur technischen Ausdrucksweise
gewonnen. Wir verbinden mit beiden unbewußt
die Begleitvorstellungen des Zweckmäßigen, Zu-
verlässigen, Sauberen und haben daher, ganz
abgesehen von der unzweifelhaften Eleganz des
schlanken Gesamtkörpers, ein Gefühl der Be-
friedigung. — In geläufige-
ren Bahnen bewegen sich
die Tischlampen mit Holz-
träger. Eine Tischlampe
muß leicht sein und der
zufassenden Hand etwas
bieten; daher ist hier Holz
am Platze. Artur Heibig
gibt diesen Holzständern
angenehme, griffige For-
men und setzt farbig hübsch
belebte Schirme darüber.

Ein Maler beklagt sich bei
einem Freunde über
eine schlechte Kritik. „Da
brauchst Du Dir nichts draus
zu machen", tröstet ihn die-
ser. „Was dieser Mensch
schreibt, hat keine Bedeu-
tung; der redet doch nur
nach, was alle Welt sagt."
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