Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 59.1926-1927

Page: 379
DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dkd1926_1927/0387
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Tiere im Rahmen der häuslichen Kultur

entwurf : karl bertsch—berlin

Hunde und die federlosen Papageien! Auch
ist häufig die Wahl der Tiere falsch: In einer
kleinen Wohnung ein riesiger Polizeihund oder
eine Dogge ist ein Unding! Welche Schwierig-
keiten bringen solche falsch gewählten Tiere
mit sich. Ein lustiger kleiner Pinscher, ein zier-
liches Windspiel, ein kleiner Dackel erfüllen an
Wachsamkeit genau dasselbe und bieten oben-
drein alle ästhetischen Vorteile für die Woh-
nung. Tiere sollten in einem gutgepflegten
Hause weder Götzen noch Parias sein, sie soll-
ten sich dem Gesamtbilde als erfreuliche Not-
wendigkeit einfügen und dasselbe geistige Ni-
veau ausstrahlen, das von ihren Herren als kul-
tivierten Menschen zu verlangen ist. Hunde
sollen tadellos gepflegt und dazu so gebildet
sein, daß sie zwischen Freund und Feind takt-
voll unterscheiden können, sie sollen nicht
sklavisch umherwinseln oder frech umhertollen,
sie sollen an gute und dabei freie Manieren ge-
wöhnt sein, dann wird ihnen, wie Goethe sagt,
auch der weise Mann gewogen sein. Katzen
sollen nicht als ängstliche Akrobaten an Portie-
ren herumturnen, sondern sich wie elegante

»aus nebenst. arbeitszimmer«

Damen benehmen, und Papageien sollen sich in
gebührender Reserve halten und nicht wüst in
jedes begonnene Gespräch hineinkrächzen! Mit
einem Wort: Auch im Tierverkehr müssen weise
Pädagogik und Kultur Hand in Hand gehen,
wenn nicht nur ein erträglicher, sondern ein
erfreulicher Zustand herrschen soll! . . . k. h.
*

WAS DIE KUNST DARSTELLT. Selbst
ein „realistisches" Kunstwerk stellt nicht
ein Stück Natur dar, sondern ein Stück Lebens-
lust und Lebenserfüllung, an irgend einer Wirk-
lichkeit demonstriert. Die Kunst verfährt sinn-
lich; aber gerade in ihrer Sinnlichkeit enthüllt
sie geistige Bedeutung. Nie ist es ein bloßer
Anblick, was sie vermittelt; stets fügt sie ein
freudiges Lieben und Leben hinzu, stets spricht
sie von einer sinnvollen, menschenwürdigen,
dem Herzen bekannten Welt. Denn die Ver-
zweiflung ist stumm; wo gesprochen und gebildet
wird, da ist immer Ordnung, Freude und Zu-
versicht. In jedem Sinne sind Bild und Wort
die ewigen Bürgen der Menschlichkeit und eines
frohen, werterfüllten Lebens.........w. m.

379
loading ...