Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 59.1926-1927

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Ausstellung der Berliner Secession, Herbst 1926

nicht alltäglich sind. Schiffner hat noch keine
schönere Holzfigur gearbeitet als diesen „ Stehen-
den Knaben". Josef Thorak bringt Wachs-
arbeiten von einer nervösen Zartheit, die ent-
zückt. Rene Sintenis die bezaubernde Bronze
eines Boxers und den ganz Geist und drängende
Sehnsucht gewordenen Kopf des Dichters Toller.
Zwei Persönlichkeiten fallen aus dem Rahmen.
Der Dresdener Eugen Hoffmann, der so un-
befangen sachlich und abgerundet modelliert,
daß jenseits seiner Bildwerke schon wieder ein
Geheimnis hervorlugt. Und der junge Berliner
A. T. Abeljans, der einen weiblichen Akt mo-
dellierte, von protzender Brutalität, aber mit
ursprünglichem Körpergefühl. . . . max osborn.
*

QUALITÄT" ALS SCHLAGWORT. Ich
>^ meine es ist zunächst ganz gleichgültig, ob
ein Schlagwort gut gewählt ist oder nicht. Haupt-
sache ist, daß das, worum sich's handelt, gut
ist. Und das war der Fall bei jener ersten Qua-
litätsausstellung in München. Sobald aber ein

Schlagwort, das nicht gerade sorgfältig überlegt
war, weil im Enthusiasmus geboren, anfängt,
für Gegenteiliges mißbraucht zu werden, ist es
Zeit, daß es von Gewissenhaften vermieden
wird. Das gilt jetzt vom Worte „Qualität".
Jeder Hausierer preist bereits seine Ware an
als Qualitätsware. Und es wird Zeit zu fragen:
was ist damit gemeint? „Qualis" ist doch nichts
als eine Frage! Qualität sagt also gar nichts aus,
sie kann eben so gut als schlecht sein. Und
wenn heute einer den größten Schund als Quali-
tätsware anpreist, wäre wortrechtlich nichts
gegen ihn vorzubringen. Denn irgendeine Be-
schaffenheit hat jedes Ding und nur wir sind
die Dummen, wenn wir unter Qualität etwas
Gutes voraussetzen. — Aber das Fremdwort
klingt immer; auch dies Fremdwort klingt gar
zu gut in deutschen Ohren. — Doch wer sich
nicht gern eines Wortes bedient, das Jargon
geworden, sollte gewissenhaft geschaffene
Ware als gut nach Art, Arbeit, Material, Form,
Gesinnung anbieten. . dr. k. w. bredt—München.
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