Heidelberger Zeitung — 61.1919 (Juli bis August)

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Freitag, den 15. August 1919

Heidelberger Seilung — Nr. 188

veilage

Erzberger reif sür den
Staatsgerichtshof

Von Dr. Otto Hugo» Mitglied der Nat.-Vers.

Es ist kein Zweifel mehr möglich, daß der
Czerninsche Eeheimbericht vom 12. April 1917
eine ganz unheilvolle Rolle in den politischen
Entscheidungen des Jahres 1917 gespielt hat.
Jn diesem Bericht gibt der leitende österrei-
chische Staatsmann seine pessimistische Ansicht
dahin kund, daß die Zentralmächte unter kei-
nen Umständen den Winterfcldzug 1917-18
führen könnten, daß sie schon in den nächsten
Monaten Frieden schließen müßten, widrigen-
falls die Nevolution bereits im Herbst 1917
alles vernichten müsse. Der Inhalt dieses Ve-
richtes ist im Juli 1917 in London bekannt ge-
worden. Die „Times" meldet darüber:

„Drr Goheimibrricht des Grofen C-ernnr Mer
die hoffnunsslose Lag' der Mittelmächte ist
etiva im Iuli 1917 d.m englisch.n Mmistorrat
zugegangen und hat den Ge g e n sta nd- e i n-
gehender Veratung gebi-ldet. Da-
n<rch Nloch mbt Deutschland -u oerbandeln, wärs
heller Wahnsinn gewesen."

Nimmk man hinzu, daß auch, wie der da-
malige auswärtige Minister Ribot bestätigt.
die Politik des Jahres 1917 in Paris durch
das Czerninsche Dokument entscheidend beein-
flußt ist, so müß man feststellen, daß tatsächlich
das Bekanntwerden dieses Dokumentes jede
Friedensregung, die der U-Boot-Krieg bei der
Entente hervorgerufen hatte, niederschlagen
mußte.

Die Kenntnis des Czerninschen Vriefes im
Ententelager mußte ferner die deutsche Frie-
densresolution vom Iuli 1917 völlig entwer-
ten, mußte sie erscheinen lassen als ein Be-
kenntnis der Schwäche, eine Vestätigung auch
von deutscher Seite. Eerade, weil der Entente
der Vrief des Erafen Ezernin vom-April 1917
bekannt war, konnte die Friedensresolution
des deutschen Reichstages gar nichts anders als
eine Bestätigung der Erschöpfung auf unserer
Ceite wirken, und so mußte die Friedensreso-
lution naturnotwendig friedenverhindernd
wirken.

Der Vater der Friedensresolu-
tion, des einen gefährlichen Dokumentes, ist
unbestritten Erzberger. Wer aber hat
die Verantwortung dafür zu tragen, daß der
Czerninsche Bericht zur Kenntnis unserer
Feinde gelangte? Eraf Lzernin beantwortet
diese Frage in seiner Erklärung vom 28. Iuli
1919 folgendermaßen:

„Mein Bericht war ausschlietzlich iür die bei-
don Kcröser unid d^lr Reichskanslcr bestimml. Es
bchtand daimails begründete Hosfnung zu einom
Vsrständigungsfrreden, wenn avH mit Ovfern
zu selangen. Bon nicht oerantwortl'cher Seite
wurde dre/ser Borrcht ohne mein W'ssen und
hinter meinom Mcken Erzbsrger übergeben.
d-r ihn nicht geheimhielt. So kam
sein Jnhaltdurch das Vorgehen Erz-
bergers zur Kenntnis unserer Geg^
n e r, und ein jcder, der den Vericht lisst, kann
sich eine Vorstellung von den Folgen m-achen."

In einem Briefe des Grafen Czernin an
den Erafen Wedel. den dieser in den „Ham-
burger Nachrichten" vom 28. Juli 1919 veröf-
fentlicht, heißt es:

.Ortzbergar hat seinerzeit Kenntnis von me-l-
nem Bericht evhalhon und die schroerste Jn-
diskretion Lsgangen. Er kam nach Mien,
von mir zitiert, um mtr Rcchen^chast über sein
Vorgchenr abzulegen. Er war damals gcmz vsr-
nichtet und sah seinen kolossalen Feh-
ler oin."

Eraf Wedel sagt in demselben Aufsatz in den
„Hamburger Nachrichten", daß auch noch a n-
dere beweisk räftige Dokumente
für das Verschulden Erzbergers vorhanden
seien.

Der Reichsminister Erzberger hat zur Ent-
krästung dieser Feststellungen des Erafen
Czernin und der Veröffentlichungen des Era-
fen Wedel bisher nichts Ernsthaftes vorzu-
bringen vermocht. Wäre er dazu in der Lage
gewesen, so hätte er sicherlich nicht geschwiegen.
Tatsächlich gibt Herr Erzberger bereits in sei-
ner Rede am 26. Juli tn Weimar zu, daß er
den Czerninschen Eeheimbericht seinen Partei-
frsunden in Frankfurt a. M. bekanntgegeben
hat. Damit hat er den positiven Nach-
weis der indiskreten Behandlung
des gefährlichen Dokumentes ge-
liefert. Daß er dabei bona fide gehandelt
haben mag, verringert nicht die ungeheuerliche
Wirkung der Indiskretion, würde nur seine
völlige staatsmännische Unfähigkeit vermehrt
erhärten.

Erzberger hat dann oersucht, es so darzustel-
len, als ob eine Veröffentlichung der „Rhei-
nisch-Westfälischen Zeitung" durch die Oberste
Heeresleitung den Geheimbericht zur Kennt-
nisnahme unserer Feinde gebracht haben
könnte. Auch dieser Ablenkungsversuch schei-
terte. Die „Nheinisch-Westfälische Zeitung"
stellt fest, daß ihr die Oberste Heeresleitung
niemals eine Andeutung von dem Czernin-
schen Briefe gemacht habe. Das Blatt habe
die ersteNotiz über den verhängnisvollen Be-
richt am 16. April 1918 gebracht, zu einer
Zeit, als der Vericht schon längst bei den Fein-
den bekannt war und zwei Tage nach dem Ab-
gange Czernins. Zn der kritischen Zeit des
Iahres 1917 habe die „Nheinisch-Westfälische
Zeitung" nichts von dem Czerninschen Bries
berichtet. So zerflattext auch dicser Versuch
des Herrn Erzberger. die Schuld auf einen an-
deren abzuschieben.

Der Sachverhalt ist demnach der folgende:

1. Dex Eeheimbericht des Grasen Czernin ist im
Iuli 1917 in London und Paris bekannt gewor-
dcn und tzat dort icde Auswirkung von Fivie-
densn igungrn unmöglich gemacht. Die
deutsche Friedensresolution hot d'cse Wirkung
vertiest.

2. Graf Czernin und Graf Wedel bebauvtcn, dasi
die Entente durch die Jndiskretion des beutigen
Neichsministers Erzberger von dem verhangnis-
vollen Eehekmb richt des Grafcn Czern'n Kennt-
nis erhalten bat. Der unbestrittene Urbeber der
Friedensvosolution ist Herr Erzberger.

Iu den Debatten der Nationalversamm-
lung stand im Mittelpunkt die Frage: Wer
hat 1917 den Frteden verhindert? Der oder
die Schuldigen gehören nach Meinung der
Mehrheit vor d,en Staatsgerichtshof. Der
erste, der zu laden wäre, ist Herr Erzberger.
Wie kein anderer Politiker ist er dringend
verdächtig, durch sein Nerhalten im Sommer
1917 friedenshindernd gewirkt zu haben.

Vis das Verfahren vor dem Staatsgerichts-
hof stattfinden kann, können Monate verge-
hen, da dieser Eerichtshof noch nicht einmal
gesetzlich geschaffen ist. Soll Herr Erzberger
bis dahtn weiter in der Regierung wirken
und nach Belieben den Ankläger spielen, wo
er längst Angeklagter geworden ist? Kann
ihn eine Negierung länger tragen, nachdem
seine anklagenden Vchauptungen von fast al-
len beteiligten Persönlichkeiten als unwahr
sowie von der Kurie und anderen Regierun-
gen als falsch gekennzeichnet worden sind?
Kann Herr Erzberger länger Minister sein,
ohne sich gegen die schweren Anklagen und Be-
leidigungen, die in der Oeffentlichkeit gegen
ihn geschleudert sind, gerichtlich zur^Wehr zu
setzen? Die Mehrheit der Nationalversamm-
lung hat sich insofern mitschuldig gemacht, als
sie voreilig beschloß. die Rede Erzbergers, über
deren irreführenden Charakter heute kein ob-
jektio Denkender mehr im Zweifel sein kann,
auf Neichskosten drucken und verbreiten zu
lassen. Dieser Beschluß darf die Mehrheit aver
nicht hindern, klare Verhältnisse zu schaffen,
wenn sie sich nicht den schweren Vorwurf öf-
fentlich zur Last legen lassen will, daß sie die
Politik der jungen Republik auf recht schlüps-
rigen Vahnen dahingleiten läßt. Hier tut
Sauberkeit not. Nicht aus Parteiin-
teresse spreche ich das aus — der Opposition
kann das Wirken Erzbergers im Volke nur
Stimmen zuführen — sondern im vaterlän-
dischen Jnteresse. Bei aller Eegensätzlichkeit
sollte die Achtung unter den Parteien nicht
leiden.

. O.H.L. und U-Bootkrieg

Feststellungen Hindenburgs

Die soeben erschienene Nummer der Zeitschrift
„Das zwanzigste Iahrhundert" ist in der Lage. etnen
sehr o ichtigen Beitrag zur Frage des U-Boorkrie-
>-.es zu verdstentlichen. Es handelt sich um etnea
Brcef des Ec.ncralfeldmarschalls v. Hinden-
burg an den Krinzen Max. der folgenden
Wortlaut hat:

Vci llebernahme meiner jetzigen Steüung hat
der frühere Reichskanzler von Bethmann Hollweg
gelegentlich e ner Aussprache zu Schloß Pletz am
30. 8. 16 den Entschluß um verschärften U-Boot-
krieg von meiner Erklärung abhängig gemacht,
daß ich nach der militärischen Lage den Augenblick
für gekommen ansehe. Die damalige militärische
Lage — Rumän.en hatte soeben den Krieg er-
klärt, schwere Kämpfe wogten ckn der West- und
Ostfront — ließ diese Erklärung mit Rücksicht auf
die Neutralen nicht zu. Ende Dezember 1916 war
Rumänien besiegt. Die Lage biieb aber außer-
ordentlich crnst. Wir sahen uns sür 1917 schweren
Angriffen im Osten und Westen ausgesetzt, denen
Stand zu halten umso schwieriger erscheinen mußte.
als das Hindenburgprogramm erst eingeleitet war.
Wir mußten befürchten, daß wir auch dem Men-
schen- und namentlich Materialeinsatz erliegen
würdcn. Von der russischen Revolution lagen noch
keine Anzeichen vor. Im Eegenteil plante Ruß-
land große Neuformationen. Im Westen war eine
gewaltige Materialüberlegenheit, die den Kämp-
fern der Sommeschlacht nur zu gut bekannt war.
So mußten wir trotz aller Bedenken zu
dem Mittel greifen, das die fetndliche mate-
rielle U e b e r l e g e n h e i t eindämmen
konnte. nämlich zum rücksichtslosen U-
B o o t k r i e g. Deshalb wurde am 20. 12. 16 dem
Auswärtigen Amt gedrahtet, daß nunmehr dsr U-
Bootkrieg nnt aller Schärfe einsetzen müsse. Der'
Reichskanzler erklärte sich am 24. 12. 16 zu einlei-
tenden Besprechungen über den U-Bootkrieg be-
reij. sobald unsere politische Akt'.on durch die eoen-

tuelle Antwort der Entente zu elnem gewisien Ab<
schluß gelangt set. Jn Wiederholung frühere»
Ausführungen legte der Herr Reichskanzler dabes
seine Stellung in folgendem Wortlaut fest, da8
„der uneingeschränkte U-Vootkrieg. da er sich nicht
nur gegen die Feinde kehre, sondern auch geaer
neutrale Schiffe richte, unmittelbar in unser Ver-
hältnts zu den neutralen Staaten eingreife, daher
einen Akt der auswärtigen Politik dar-
stelle, für den ich d.e alleinige und nicht
übertragbare Verantwortung zu tra-
gen habe." — Am 26. 12. 17 habe ich dem Herrn
Reichskanzler gedrahtet:

. „Jn mißverständlicher Auffasiung Ew. Exzellenz
Worte vor der Reichstagskommission Mitte De-
zember macht der grötzte Teil des deutschen Volkes
die O. H. L. allein für die Entscheidung
über die Frage verantwortlich. ob der verschärfte
U-Vootkrieg gefllhrt werden soll oder nicht. Dtes
trifft nicht zu. Solange Ew. Exzellenz und
die O. H. L. einer Auffäsiung waren, konnte ich
darüber hinweg gehen. Da jetzt aber die Ansich-
ten scharf auseinanderzugehen scheinen, muß ich zux
Wahrung der Stellung der O. H. L. aussprechen,
daß Ew. Exzellenz zwar ausschließlich die Verant-
wortung beanspruchen, daß ich aber selbstverständ-
lich auch weiter mit aller Kraft und in vollem
Verantwortlichkeitsgefühl für den siegreichen Aus-
gang dafür eintrete, daß militärisch das geschieht,
was ich für richtig halte."

Daß mit dem rückstchtslosen U-Bootkrieg eine
Friedensvermittlung des Präsidenten
Wilson durchkreuzt würde, hat der Herr
Neichskanzler mit ketnem Wort be-
rührt. Ebenso wenig ist bei den Verhandlun-
gen, die zwischen dem Auswärtlgen Amt und der
O. H. L. über den U-Bootkrieg gepslogen worden
stnd, jemals von einer diplomatischen Aktion in
Amerika zugunsten des Friedens etwas erwähnt
worden. Die Beratungen haben stets nur dis
Fräge berührt. ob und wann der Zeitpunkt zum
Beginn des U-Vootkrieges mit Rücksicht auf die
militärische Lage gekommen sein würde. Von der
Friedensakt ion des Präsidenten Wilson habe
ich durch folgende Schriftstücke Kenntnis erhalten:

Ein vom Auswärtigen Aurt am 22. Zanuar 17
mitgeteiltes Fernschreiben des Botschafters Bern-
storff vom 16. 1. 17. in dem es heißt: Wenn mili-
tärische Eründe nicht unbedlngt ausschlaggebend
sind, wäre Aufschub des rücksichtslosen U-Boot-
krteges dringend erwünscht. Wilson glaub«
den Frieden erreichen zu können auf Erund der
von uns vorgeschlagenen Eleichberechtigung aller
Nationen. Der StaatssekretSr des Auswärtigen
Amtes fügte hinzu, daß er benn Ehf des Admiral-
stabes befürwortet habe, durch Ecnsetzung bestimm-
ter vom Botschafter vorgcschlagener Schonfristen
dazu beizutragen, daß die Gefahr des Bruches mit
Amerika vermieden werde. Für die Rückaängtg-
machung des Befehls zum rücksichtslosen U-Boot-
krieg wäre der Augenblick auch zu spät gewesen,
da die U-Boote zum größten Teil bereits ausge-
laufen sein mußten. Heute wte damals ergibt sichl
für mich aus den Akten und meiner Erinnerung
die Ueberzeugung. daß die Netchsleitung auf
die Friedensvermittlung Wilsons^
die sie hierdurch verzögert hatte. keinen Wert
mebr legte.

Jch fasse mich dahin zusammeni Der Vorwurf.
dcn Reichskanzler zu slner zwiespältigen Dolitik
gegenllber den Vereinlgten Staaten gedrängt zu
haben. trifft mich und den Eeneral Ludendorff
unbedingt nicht. Bedenken. datz durch den U-
Bvotkrieq die diplomatischen Aktionen des Präsi-
denten Wilson gestört werden könnten. sind in den
Verhandlungen über den Entschluß zum U-Boot-
krieg vom Rcichskanzler oder vom Auswärtigen
Amt niemals zur Sprache gebracht
worden.

* Verstaatlichung des Eisenerzbesitzes. Dem
Reichstaig ist oin Gesetzentwuvf betr. UobernaHnle
dos Pei ne-Salzgitter. des srößten Deutsch-
land vevbliobenen Eisenev.zbositzes, durch das Reich
zusegangen. Die Mlösung der Aktien erfordert
etwa 67^. Millionen Mavk — 460 Prozent des
Nennwertes der Aktien.

Jn dem groszcn Vcrband,

H Welcher sich Staat nenut, A

lv Zu achten ist jeglicher Stand, m

Der seine Pflicht crkennt. Nückert

Oie blaue Zpur

Noman von Iulius Regig
Aus dem Schwedischen llbersetzt oon E. v. Kräatz
CopxriLkt 1917 b/ Oretblein LLo. O. m. b. N. ^elprlx
(37. Fortfetzung)

-Nein". setzte der Detektiv mit zucrnlmengebts-
senon Zahnen den Bericht fort, .überlistet noch
nicht! Ich machte dem Konsul. der mich vollar
hahn betrachtete, eine Vcrböugung und stürzte
blnaus. Die Dame haite ein Auto genommen. Das
Äuto hatte auf dom Karlsplatz gshalten, und es
war ein Kindevspiel, den Chauffeur aufzutrelben.
,Er hatte sie uach 'dem Englischen Hof auf dem
Stureplan gefahren, und dahin fustr ich dann auch."

..Wohni sie denn da?" fragte Beuler eifrig, als
der Detektiv einen AugenbNck schwieg.

»Nein, durchaus nickst. Der Portler hatte sie
-jedoch bemerkt, denn er fand es sondovbar. >dak sie
nicht ins Hotel hereinkam. da fie doch vor dem Ein-
sang ausgesticgen war. Nach einer Weile giug sie
nlach der Haltestelle hiuüber und stieg tn einen
Stvaßeirbaliiuvagen. Ich berechnete mir, um welche
Zeit das gowesen war, uud ka>m zu dem Ergobnis,
baß ich die Wachl zwrschen zwet bis drei Linien
hatte. Sie müssen bodenken, daß ihre ungewöhu-
liche Schöuheit u.'.d Eleganz überall Aufsohen er-
regen. Es kostete mich eine Sluube. bis ich den
Kouduktour gsfunden hattc, der sjch ..der hübischen
«iinkcln" Dame geuau crinnerte. Er wwr ganz
bogcistert und beschrieb sie.a-ufs eiugchcndste. Sie
'war am srsten Haltaplatz auf dom Kar,uwLr, aus-
Sestiegen. Da stand ich uun! Aber wte immer, lei-
tete mich mein Instinkt ganz richtig. Ich entdeckte
eine Autohaltcstelle ganz in dcr Nliihe. uud nveiur
Nachforschungen eraabcn, dasi sie dirvkt von der
btraßenbahn aus ein Auio gcnommen chatte. Dte-
vt» Äuto hatte sie irach Södcrmalm. yder richtiaer

gesagt nach der Eötgata 14 gsbracht, und da, ineius
Herren, üahm dis Fährte ihr Ende, oder es kam
mir wenigstens so vor."

Eallenberg schwieg, aind seine Augen bingen ge-
dankenvoll an drr steil >aufstei.genden Nauchspirale
seiner Ziaarre. Dann nahm er den Fadsu seiner
Erzählung wieder auf.

Das war etn geschicktes Manöver. aber ss miß-
glückte. Die Fährte war zu frisch!"

..Sie haben Jhre Sache Mt ge-iuacht". scrsto
Wallion beisällig elnlenkeich. „Uebriigens war es
uuvorsichtig von ihr, gerade vor dem Ho.teleinga.ng
cmszusteigen. Das mußte dte Aulstner-ksamkett dcs
Personals ia erregen. Aber sie wird dem Chaus-
feur wohl die erste. beste Adresse genannt häben."

„Ia, und dazu ksmmt, daß ihre Schönhelt all«
Blicke auf sich zieht."

«Ohne Zweifel", stimmte Wallio.l bei. „Nun
Älso: wir waren in der Götgata. „Sie erkundeten
bann das Haus Nr. 14 . . ."

„Und faud. daß es eins joner neuzeitlichen Häu-
ser ist, in denen inan vollkmumen ungekannt wohnt.
Ein gauzer MeNschensirom gsht do.rt in Lädeu, Bar-
bierstuben und Agenture.r aus nnd ein. und keiner
tümmert si'ch um den and rn. In dicfem Ecbände
hat der Konlsul eine Wohnung für seine kürzlich
cvus dom Auslanb heimgvtohrte „Verwandte" ge-
niietet. Und diese Verwandte ist dte dunkelssklei-
dete Dame."

Mallion. dor hastig auf und a-b aegangen war,
blieib stehen.

..Eallenberg!" ries er aus. „Ste sind Ihr Ee-
wicht in Eold wert!'

„Wlrten Ste". entgegenete der Detelttv. „Noch
weiß ich ja nicht ihren Namen. Dcn orsuhr ich erst
durch den Einibruch."

Mallio,n runzelte die Stirn.

„Einbruch? " mucmelte er inißiüutig.

„Pkmnp. aber notwendig". laate Gallenberg.

«Sie sind bei ihm ein>lobrochen?"

„Nein, sapperinent! Bei ihrem Brudor. Ich
bliob ihr „nnblässig auf den Fersen. ,a!ber sie unter-
nehm nichts Verdächtiges. Ich war in Verzweif-
lung! Schließlich bekam sie etnes Taaes Des>uck>.
Es war der kleine gelbe ALann mit de>m schwarzen
Sch"/irrbart. Abends wußte tch genau über seine
Wohnung draußen in Rasunda Bo'cheid. aber nicht
über ihn selbst. Am Freitiag Morgcn fnbr er nach
der Stadt. Ich ließ ihn lcvussen. Um 4 Uhr nach-

mittags stattete ich mit Hilfe eines gowissen Werk-
zeuas einen Ve'uch in seiner Wohnuirg ab und
wußte binnen einer Viertelstnnde, däß or Haupt-
mann in Präsident Strozzis Armee ist, daß die
dnnkelgeklekdete Dmne seine Schwoster ist, und daß
die Eeschwister Antonic» und Inoz Robeira heißen.'

30.

Mcvurice Wallion -griff nach einer Feder.

„Das sind unerhört wichtige Anfschlüsie, be-
merkte -er, eifrig schreibend. „Wir wollen einmal
ein Verzeichnis unserer Feinde aufstellon."

Er las vo»n Papier ab:

„Nr. 1. Inez Nobeira. die „dunkelüeikleidete
Dame".

Nr. 2. Antonio Rcibeiva, ihr Brnder. Haupt

kelbraune Augen.

Nr. 3. Konsul Dhander. Personatbeschreibung
unnötia.

Nr. 4. Evanston, Angestellter beim Konsul.
Mittelgroß, aur gebaut, uthletilch. Grobes, bart-
lckses Eosicht, braune Auaen.

Nr. 6. Gonzales, Angestellter beim Kansul.
-Motorvadler. Ziemltch groß, ^chlank. weichlich ge-
baut, sonnenverbrannt, glatt rasiert. braune
Augen."

Max Eallenberg nickte und zog seinerseits ein
Papier hervor.

Zur Evgänzung ist hier ein Vcrzeichnig ihrer
Adressen", warf er ein.

Mallion nickte und steckte beide Paviere zu sich.

„Sie halben aber noch nicht erzählt, mie Sie zu
dein Kopfverband aekoinmen sind", beinerkte er, „u.
ebensowentg. warum gestern ein gewisser rotbärti-
ger Mann auf der Niilmta erschien. Auch weshalb
etn gewisier Detektiv selnon Napport bis heute
aufichob, wisien wir noch nicht."

Max Eallenbcrg streckte die Hand nach dem aus
dom Tisch liegcnden „Daasourir" aiis und deutete
auf die Ueber'chrift „Jolhn Andersson verschwnn-
den".

„Das ist der Erund", saate er. ..Ich hatte nie
Zeit, zu Ihnen zu kounnen. Die erstaunliche Flucht
ves Vedienten setzte den Kreises wioder in Vewe-
ming. Als ick, nach mcinem Besuch in Nobeiras
Wohnung zur Stadt fuhr. bäkain ich das Costa-

ziiela-Telegramm zu sechen rmd htelt es für irötis,
die Verbindung nnt der gaheimnisvollen Liga aus-
rechtzuerhalten. Ich tauchte daiher als rotbärtiger.
halb betrunkener Seeiuann beim Kousulat auf und
kain gerade zur rechten Zeit, mn Gonzases auif sei-
nem Motorrad davonfahren zu soben. Es laa offen-
bart etwas in der Luft, uiüd olötzltch kam ein brau-
nes Auto cmge^aust und htelt vor dem Konsulat.
Der Konsul erschien und sprach mit denr Chauffour.
D-a lgoschab etwas Unerwartetes. Aus denr oegen-
überlioaenoen Kafsee kamen zwei Männer heraus.
Stellen Sie sich nrein Ecstaunen vor. ,als ich sah,
baß einer von ihnen Cvmrston warr Der arrdre
schien berarrscht. und als er den Hu: verlor. er-
kannte ich den Kollegen Becknran. Beide bostiegen
eine AutoLroschke unb fwhren for:. während ich
verwirrt >und überrunrpelt dastanv. Da stieg der
Kon'ul seinerseits in das branne Auko. Ich Mrzte
in einen Zigarrenladen hinein und schickte Ibnen
in allcr EUe die telephonische Botschcfft wegen Veck-
man, stürzte dann wioder heraus amd sah aerade
noch, wie das boaune Auto sich durch das Waaen-
gcivimmel hindurchwand. Wie verrückt ranntc ich
hintevhcr und fah es übsr dcn Ridderhnsmarkt
nach do,n Gustav-2Ldolf-Markt zu verschwiuden.
Ncü'.ch verwandelte ich urich in ornem Torweg in
mcin geWöhnliches Ich, irahm -auf dem Nidderhus-
n^arkt ein Auto unb jagte rhm uach. Auf der
Norrbrllcke nrußte das broun-e Anto wegen oiner
Verk.ihrsstörung einen Auaenbllck halten. A.'s die
Fcchrt wiedcr sreiaciaebLN wurde. machte es nitr
keine Mühe. in seinem Kicliria„cr zu bleiben. Es
''chlug don Weg nach dem Strcrndhotel ein, und der
Konsttt stieg aus. Die Hupe ließ ein langgegoguies
Sigual -ertöncn und alcich bavLUf kain Inez Ro-
beira und ihr Brwder hevausgeliairsen. wovauf das
Auto in schwindelnder Fahrt davon'.'auste. und ich
in melner Droschke binterher. Die Icvgd aing ilber
dcn Norrinalmsiimrkt,. dle Hamcsata hinauf und
in die RegierungsiMta binein. Dort hielt das Auto
in !der Näbc cines K-LffeeE.tto„".rten. suhr ruck-
ling^ in eine Stras;e hinein und blieb stehcn. ^»cy
s'ah mich gsnötiat. ain ersten besten Torwea amsau-
stoigen und ineino Äittodroschke ?>u entlaisen. Erst
fetzt entdeckte ich inir gevado gegeivüber cmen Men-
schen. der sich mit einem Motorvad m ^cpasstn
iiiachte: Das war Gonzales. Iin selben Augenblick
hob er ben Kopf emPc,r. beaeanote auer über bem
Fahrdamm hinüber dem Bltck dcr Nobeirq und
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