Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 24.1926

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BRUNO PAUL, DAS „PLATTENHAUS" DER DEUTSCHEN WERKSTÄTTEN, HEL1EFAU

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DIE VIERTE JAHRESSCHAU DEUTSCHER ARBEIT IN DRESDEN

T"^vrcsden hat nach wie vor den Ehrgeiz, große Ausstellungen
zu machen. Für 1926 ist eine internationale Kunst-
ausstellung geplant. In diesem Jahr war aus einem an-
fänglich bescheidenen Plan eine umfangreiche Ausstellung
,,Wohnung und Siedelung" entstanden. Sie war freilich nicht
zum besten geraten; sie mutete mehr provinziell sächsisch
als reichsdeutsch an, und befriedigte eigentlich nur im
historischen und technischen Teil. Von dem Besten, dem
einzig Guten fast, das die Abteilung „Wohnung" enthält,
von Tessenows Möbeln ist an anderer Stelle dieses Heftes
die Rede. In der Abteilung „Siedelung" befriedigten nur
zwei Häuser.

Beide Häuser waren Arbeiten der charaktervoll arbeiten-
den „Deutschen Werkstätten" in Hellerau. Das erste Haus
ist ein sogenanntes „De-We-Holzhaus". Adalbert Niemeyer,
München, hat es erbaut und die ihm gestellte Aufgabe klug
und mit Geschmack durchgeführt. Mit dem nur gebeizten,

nirgends gestrichenen Holz ist ja des Guten etwas viel
getan, das Haus wirkt etwas zu programmatisch und roman-
tisch, es erscheint ein wenig sächisch ideologisch und wie
eine Verkörperung des Spruchs „Klein aber mein". Da-
neben ist jedoch die voizügliche Handwerksarbeit ebenso
zü rühmen wie die besonnene Behandlung der Form. Der
Preis — der in diesem Fall wichtig ist — mag mit Bezug
auf die gute Arbeit angemessen sein, doch ist er nicht
niedrig, wenn man Bauplatz, Gartenanlage, Zaun und andere
Nebenkosten mitrechnet.

Das zweite Haus, das Erwähnung verdient, ist das so-
genannte „Plattenhaus" von Bruno Paul. Die Deutschen
Werkstätten selbst sagen davon:

„Es ist der Versuch, das letzte und größte Handwerk,
das des Baumeisters, zu mechanisieren, das Haus fabrik-
mäßig herzustellen. Für diese Häuser gibt es nur drei
Gruppen von Arbeitern: Fußbodenplattenarbeiter, Decken-

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