Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 24.1926

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PRINZ EUGEN, PRAHME

DIE AUSSTELLUNG SCHWEDISCHER KUNST

VON
GUSTAV PAULI

Als einen Gegenbesuch nach der Ausstellung deutscher
Kunst in Stockholm begrüßen wir jetzt in Deutschland*
eine Reihe schwedischer Maler, alle jene, die im letzten
halben Jahrhundert der Kunst ihres Landes die Wege ge-
wiesen haben. Museen und Privatsammler haben sich von
ihrem Besitz getrennt und die Künstler haben aus eigenem
Vorrat reichlich dazu getan, um den Deutschen ein Bild der
Entwicklung zu zeigen, die von Ernst Josephson bis zu
Otte Sköld reicht — ein Bild, wie es so vollständig im Aus-
land überhaupt noch nicht gezeigt worden ist. Schon aus
diesem Grunde verdient die Ausstellung unsere Aufmerk-
samkeit und unseren Dank.

Vorab sei es gesagt, daß in solchem Falle nicht allein
das Einzelne zu würdigen sei, sondern zunächst das Ganze
in seinem organischen Zusammenhang als Ausdruck der
nationalen Begabung. Ein erster Rundgang Zeigt uns manche
vertraute Züge, aber eine stetigere und ruhigere Entwicklung

* Anmerkung der Re daktio n: Die Ausstellung war zuerst und
am vollständigsten in der Hamburger Kunsthalle zu sehen, dann in
Lübeck und wird jetzt in Berlin im Kronprinzenpalais gezeigt.

als wir sie bei uns erlebten. Es fehlen die revolutionären
Wüteriche, die radikalen Expressionisten, Kubisten, kurz,
alle die Schreckgespenster friedlicher Bürger. Mit Erstaunen
sehen wir, daß die Kurve der Entwicklung von der Genera-
tion der sechziger Jahre ohne jähe Unterbrechung oder Zick-
zackbewegung bis zu jener neuen Sachlichkeit gelangt, die
jetzt in Europa tonangebend geworden ist. Anfang und vor-
läufiges Ende der Entwicklung finden ihr Analogon in Deutsch-
land. Das aufregende Zwischenspiel fehlt — und mit ihm
scheint auch die verhängnisvolle gehässige Entzweiung
zwischen Künstlerschaft und Publikum zu fehlen.

Dies dürfte nicht oder doch nicht allein damit zu er-
klären sein, daß Schweden von den Schrecken des Krieges
und eines jähen Umsturzes verschont geblieben ist, daß es
liberal regiert wird und weniger unter haßerfüllter Parteiwut
zu leiden hat. Wir möchten es vielmehr ganz einfach auf
die größere Einheitlichkeit seines nordrassischenVolkstums zu-
rückführen. Die allermeisten dieser Künstler haben in Paris
studiert, manche leben noch dort. Auch spüren wir wohl einen
Nachhall von verschiedenen Franzosen — allein es fehlen

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