Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 24.1926

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LENBACH MIT SEINER TOCHTER. NACH EINER PHOTOGRAPHIE

ERINNERUNGEN AN MALER

VON

HANS VON FABER DU FAUR

III: L e n b a c h

Tm Februar 1894 zeigte mir Lenbach einmal ein
interessantes, lebensgroßes Kniestück von Bis-
marck in Kürassieruniform, das besonders für einen
Maler herausgesucht sei und das ich bekommen
sollte. Ich wußte nicht recht, ob es Spaß oder Ernst
sein sollte, und war freudig überrascht, als das
Bild mir nach einigen Tagen überbracht wurde
mit einer launigen Karte: „Vielleicht haben Sie in
Ihrem Atelier ein Plätzchen für diese Skizze nach
der Natur, um sich gelegentlich daran nach Bedarf
etwas auf- oder abzuregen." Es war wohl Ende
der neunziger Jahre, wo er mir, als ich ihn beim
Malen eines großen Bismarckbildes traf, sagte:
„Das ist jetzt der sechsundsiebzigste, den ich male.
Der ist für das Städelsche Institut in Frankfurt."
Zu Beginn der neunziger Jahre tauchten in

München in verschiedenen Kunsthandlungen Bild-
nisse Lenbachs auf, meist Pastelle, die auffallend
billig verkauft wurden. AufWunsch meiner Mutter,
die drei ihr besonders billig (die Preise bewegten
sich in den Hunderten, statt, wie sonst bei Len-
bach, in den Tausenden) angebotene solche Pastelle
zu Geschenkzwecken kaufen wollte, besichtigte
ich, vor Abschluß des Kaufes, mit meinem Vater
die Bilder beim Kunsthändler. Wir hielten die Ar-
beiten für charakteristische, wenn auch nicht be-
sonders gute Lenbachs und die Preise für relativ
überraschend nieder. Anfangs März 1894 hörte
ich von Bekannten über einen schwunghaften Bil-
derdiebstahl, kombiniert mit Fälschung, dessen
Opfer Lenbach war. Ich wurde, in Abwesenheit
des Inhabers, in ein Komponieratelier der Aka-

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