Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 24.1926

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IIALEBID, HOYSALESHWARA-TEMPEL. GESAMTANSICHT

AUS MEINEM OST ASIAT ISCHEN REISE TAGEBUCH

VON

WILLIAM COHN

BELUR, KESAVA-TEMPEL. EINE DER
VIERZIG KONSOLENFIGUREN. TÄNZERIN

IV: Fahrten durch das Hochland von Dekhan

Halebid, den 17. Dezember 1924.

Ich sitze auf der Veranda des Rasthauses von Halebid. Tiefe Stille,
nur dann und wann unterbrochen von dem beängstigenden schril-
len Schreien der wilden Pfauen. Mondschein beleuchtet eine herr-
liche Landschaft. Dicht vor mir die düstere Silhouette der Tempel-
gruppe. Hinter ihr der silbern glänzende Spiegel eines großen Sees,
an dessen gegenüberliegenden Ufern sich dicht bewaldete Berge
hinziehen. Eben flackern auf einer Höhe Lichter, die sich un-
ruhig hin und her bewegen. Ferne dumpfe an- und abschwellende
Trommelwirbel ertönen: ein Wallfahrtstempel, in dem in der Nacht
Angehörige der Sekte der Lingayats einen Gottesdienst zelebrieren.
Viele Bewohner von Mysore gehören dieser Sekte an, deren Be-
kenner durch ein Metallbüchschen auffallen, das sie an einer Schnur
um den Hals tragen und das ein winziges steinernes Linga, das
Symbol des Gottes Shiva, enthält.

Das Rasthaus von Halebid, das wir von Belur in nur einstün-
diger Autofahrt erreichten, war von dem Deputy-Collector und sei-
ner Familie besetzt, demselben, den wir bereits aus Belur vertreiben
mußten. Er rüstete sich gerade zum Aufbruch. Drei schwere zwei-
rädrige Ochsenkarren standen bereit, je einer für das Gepäck, für den

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