Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 24.1926

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EMIL ORLIK, MAX SLEVOGT UNTERZEICHNET DIE LETZTEN PROBEDRUCKE DES „FAUST II". ZEICHNUNG

MAX SLEVOGT

BRUNO CASSIRER

KARL SCIIE1TLER

DER KÜNSTLER ALS JOURNALIST

GEORGE GROSZ

Tach wie vor erscheint Grosz als eine der stärk-
^- ^ sten Begabungen, wenn nicht als das stärkste
Zeichnertalent unter den jüngeren Deutschen. Und
auch als einer der charaktervollsten Menschen,
wenngleich es ihm noch nicht gelungen ist, den
künstlerischen mit dem zivilen Charakter ins gleiche
zu bringen. Grosz arbeitet offenbar energisch und
mit kritischer Intelligenz an sich selbst. Daß
man den Erfolg spürt, will um so mehr be-
deuten, als er einen eigensinnigen Willen zu über-
winden hat. Was vom Künstlerischen vor allem
überwunden werden muß, ist die sozialistische po-
litische Uberzeugung, ist die nicht nur zugegebene,
sondern stolz verkündete Absicht, mittels der sati-
rischen Zeichnung zu moralisieren, zu geißeln, zu

strafen und zu bessern. Grosz nennt sich selbst
einen zeichnenden Journalisten; er will mit seinen
Arbeiten nicht über den Tag hinauswirken — sagt
er. Er will es doch, insofern er Künstler ist. Es
ist das Eigentümliche der Kunst, daß sie immer
und überall das Dauernde meint, sie kann gar
nicht anders als über den Tag hinausblicken. Es
gibt freilich auch Zeichner für den Tag, zeichnende
Reporter; ihre Tätigkeit hat aber mit Kunst nichts
zu tun, sie sagen dem künstlerisch interessierten
Menschen nichts, man spricht nicht von ihnen.
Sofern Grosz will, daß man ihn als Künstler wertet,
sofern er sich selbst so nennt, will er auch das
Dauernde, sein Talent will es, allen Argumen-
tationen des Politikers zum Trotz. Zum Beispiel:

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