Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 24.1926

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TH. ALT, LEIBL UND SEINE FREUNDE

BAYRISCHE STAATSGALERIE

THEODOR ALT

VON

HERMANN UHDE-BERNAYS

T^inem Kinde gleichend, wunschlos — und doch
-*-J vielleicht glücklicher als alle, welche diese Zei-
len lesen, tritt am 13. Januar der letzte Veteran
aus den Reihen derer um Leibi in das neunte
Jahrzehnt seines Lebens. In Ansbach, wo er seit
langem in stiller Zurückgezogenheit wohnt, be-
geht Theodor Alt den achtzigsten Geburtstag. Es
ist ihm ergangen wie dem todwunden Nils Lyhne;
der hatte nicht vermocht, das Leben zu tragen
wie es war, er war im Kampf um das Größte
mit dabeigewesen und war seiner Fahne untreu
geworden .... Saiten in seiner Seele, die mit
freudigem Optimismus goldenen Zeiten entgegen-
geschwärmt, waren zerrissen, als er daran ging,
mit dem Erlös aus kleinen Aquarellen von Rothen-
burgs Winkeln und Gassen sein Dasein fortzu-
fristen, bis man sich seiner annahm. Wehmütig
klingt der Gruß, der dem Werk eines Meisters

deutscher Kunst, nicht seinem menschlichen Schat-
ten gilt.

Er war in der Tat völlig vergessen. Nur Ru-
dolph Hirth und ein schlichter Münchener Anti-
quitätenhändler wußten noch von ihm. Die Mün-
chener Kunstausstellung von 1903 enthielt, auf
Hirths Veranlassung, eine in München wenig be-
achtete Anzahl seiner größeren Gemälde. Aber
Hugo von Tschudi und Julius Meier-Gräfe er-
kannten sogleich die selbständige Eigenart dieses
Weggenossen Wilhelm Leibis. Tschudi erwarb das
allzu repräsentative Bild „im Atelier" für die Na-
tionalgalerie. Meier-Gräfe, der Alt eben im zwei-
ten Bande seiner Entwicklungsgeschichte mit war-
mer Anerkennung erwähnt, suchte, nicht ganz
erfolgreich, nach einer würdigen Vertretung Alts
für die Berliner Jahrhundertausstellung. Einzelne
Museen folgten Berlin, eine weitere Gruppe von

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