Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 24.1926

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L. SPITZWEG, IM GARTEN

AUSGESTELLT BEI M. GOLDSCHMIDT & CO., BERLIN

MANNHEIM

Der Monat Mai brachte der Stadt Mannheim die Eröffnung
des Schloßmuseums. Für dieses war im Erd- und Haupt-
geschoß des Corps de logis und im linken Flügel des aus-
gedehnten Baues eine Folge von Räumen bereitgestellt wor-
den, worunter auch die Repräsentations- und Gesellschaftssäle.

Der Gesamteindruck ist der eines viel verheißenden Anfangs.
Der Grundstock des Museums besteht aus den Fayence- und
Porzellansammlungen Carl Baer und Hermannsdörfer und
der Gläsersammlung Waldeck, der Kleinporträtsammlung
Baer, den bedeutenden Beständen des Antiquariums und des
Altertumsvereines. Was trotz der hohen und bisweilen außer-
ordentlichen Qualität vieler Einzelstücke noch fehlt, ist eine
gewisse Ausgeglichenheit des Ganzen: in den Beständen wie
in der Aufstellung. Doch wird sich das mit der Zeit wohl geben.

Die gleichzeitige Neuordnung der Schloßgalerie, welche
sich aus den vom Großherzog Karl Friedrich angekauften
Sammlungen Lucchesi und von Klein zusammensetzt, wurde
unter geschickter Sichtung des Vorhandenen von der Städ-
tischen Kunsthalle durchgeführt. Der Schwerpunkt liegt
hier in der Graphik — was für Mannheim, das hervorragende
Vertreter dieses Kunstzweiges sein eigen nannte, immerhin
seine besondere Note mit sich bringt.

L. Moser (Karlsruhe).

HAMBURG
Galerie Commeter: Deutsche Maler des neunzehnten Jahr-
hunderts. Ein Jahrhundert ist eine lange Zeit und die Maler,
deren HauptschafFenszeit in die ersten Drittel dieser Periode
fällt, sind keine Zeitgenossen der Künstler, die heute leben,

oder noch zu uns gehören. Diese Ausstellung bedeutet
auch wohl kein Programm, sondern ist eine allerdings sehr
gute Schau des Vorhandenen. Es hängen bei Commeter
interessante und schöne Bilder unserer besten Meister; quali-
tätsvolle Malereien der bürgerlichen, soliden Talente des
Jahrhunderts. Aber auch vieles, das wirklich zum „vorigen
Jahrhundert" gehört und gar nicht mehr interessiert. Von
Scholderer sieht man ein Stilleben; sanft gemalte Früchte.
Von Spitzweg ist eine kleine entzückende Landschaft da;
von Toni v. Stadler beim ersten Blick unscheinbare, aber ganz
empfindsame Gebirgslandschaften. Von Hans Thoma sind zwei
sehr gute Bilder, frühe Schwarzwald-Landschaften vorhanden,
Friedrich Volz' kleine Landschaft mit Kühen gehört mit zu
dem feinsten der Ausstellung. Das Pastell Lesser Urys aus
dem Jahre 1882, eine bäuerliche Frau mit Kind, beide mit
blauer Schürze, vor einer schlichten Landschaft, ist ein-
fach, schön, ohne die Manieriertheit, die dies große Talent
oft deklassiert. Christian Rolfs graue Brücke daneben ist
in ihrem Grau eindrucksvoller und farbiger als seine letzten
bunten Malereien. Von Liebermann gibt es Jugendarbeiten
und Bilder aus der schon impressionistischen Zeit. Trotz der
Verschiedenheit fühlt man Entwicklung, nicht sprunghafte
Veränderung. Leibi ist mit einem schönen Interieur vertre-
ten; Schuch mit richtig „malerischen" Stilleben. Hans von
Marees wirkt wieder als fremder Gast. Ein kleiner Kinder-
kopf auf blauem Grund hat etwas durchaus Lateinisches in
der Sinnlichkeit. Man könnte über viele Bilder noch etwas
sagen, aber das gibt dem Leser nichts, der die Ausstellung
doch nicht sehen kann. L. F.

HANNOVER
Vom Kunstleben in Hannover ist neuerdings Gutes zu
sagen. Nachdem die Bestrebungen um eine Radikalisierung
der Kunst, die kurz nach dem Krieg einsetzten, fast erfolg-
los geblieben sind und erfolglos bleiben mußten, weil es
in Hannover selbst an einem genügend großen Kreis be-
gabter Künstler fehlt, hat neuerdings die systematisch be-
triebene Arbeit des Kunstvereins unter der Leitung F. K. Lipperts
schönen Erfolg gehabt. Es ist hier schon mehrere Male
über Ausstellungen des Kunstvereins berichtet worden, die
über die Grenzen Hannovers hinaus Bedeutung gehabt haben.
Zuletzt noch im vorigen Heft. Jetzt kann von einer Schwarz-
weiß-Ausstellung berichtet werden, die im Juni in den Räu-
men des städtischen „Künstlerhauses" stattfand, und die in
ihrer Art ausgezeichnet gemacht war. Was um so mehr sagen
will, als Ausstellungen von Aquarellen, Zeichnungen und gra-
phischen Blättern nicht eben leicht zu gliedern sind. Gut
gewählte Blätter von Liebermann, Slevogt und Orlik füllten
einen ganzen Saal. Daneben gab es Wände mit Arbeiten
von Kolbe, Barlach, Otto Müller, E. R. Weiß und August
Gaul. Den graphischen Arbeiten von Käte Kollwitz war
ein besonderer Raum angewiesen, ebenso den Zeichnungen
von Zille. Nebenan fielen Aquarell-Landschaften von Dörries,
dem Träger des Staatspreises im Jahre 1925, auf, etwas ängst-
lich und an Henri Rousseau erinnernd, aber sauber in der
Empfindung und Gestaltung. Im selben Raum wurden vor-
treffliche Tierstudien von F. K. Lippert gezeigt, Zeichnungen
von J. v. König und koloristisch eindrucksvolle Entwürfe von
Carl Wiederheld. Weiterhin waren Blätter zu sehen von

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