Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 24.1926

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Tribüne" Frank Munsey hat dem Museum fast sein gesamtes
Vermögen, das auf die enorme Summe von vierzig Millionen
Dollar beziffert wird, hinterlassen. Daß ein Museum mit
solchen Mitteln jede Konkurrenz auf dem Kunstmarkte aus
dem Felde zu schlagen vermag, liegt auf der Hand.

Georg Swarzenski beging am 11. Januar seinen fünf-
zigsten Geburtstag. Als ausgezeichneter Kenner mittelalter-
licher Miniaturen begründete schon der Fünfundzwanzig-
jährige seinen Ruf mit einer grundlegenden Arbeit über die
Regensburger Buchmalerei, der er später ein zweites Werk
über die Salzburger Buchmalerei folgen ließ. Als Museums-
direktor hat er in Frankfurt a. M. Vorbildliches geleistet mit
der Begründung der Skulpturensammlung, die er im Liebig-
hause aufstellte, wie mit dem Ausbau der Gemäldegalerie,
der er erst vor kurzem durch die in kluger Politik erreichte
Überlassung der wertvollen altdeutschen Gemälde aus dem
historischen Museum der Stadt ein neues Gesicht zu geben
vermochte. Auch die Galerie des neunzehnten Jahrhunderts
und der Lebenden hat durch Swarzenski wertvolle Bereiche-
rung erfahren. Seine tatkräftige Leitung hat den altbe-
rühmten Sammlungen Frankfurts neues Leben zugeführt, sie
hat das Interesse für Kunst rege gemacht und private Lieb-
haber zu erfolgreicher Sammeltätigkeit angeregt.

Gustav Pauli beging am 2. Februar seinen sechzigsten
Geburtstag. Als Kunsthistoriker hat er sich zuerst Achtung
verschafft durch die Schriften über Dürer und seinen Kreis.
Paulis Verzeichnisse der Kupferstiche und Holzschnitte der
beiden Beham sind vorbildlich. Als Galerieleiter hat er zu-
erst der Kunsthalle in Bremen ein neues Gesicht gegeben.
In den entscheidenden Jahren stand er immer — als ele-
ganter Florettfechter — mitten im Kunstkampf und konnte
stets Erfolge davontragen, weil er das Rechte wollte und es
in vornehmer Weise tat. In Hamburg hat er Lichtwarks
Erbe angetreten. Die Nachfolge ist ihm nicht leicht ge-
worden, da er ein schnell aufgespeichertes Material zu ordnen,
zu sichten und zu ergänzen hatte, da ihm ein noch nicht
vollendeter Museumsneubau mit manchen Fehlern und Unzu-
länglichkeiten zufiel und da der Krieg die eben begonnene
Arbeit dann sehr erschwerte. Pauli steht noch mitten in der
Arbeit, der Hamburger Kunsthalle eine wenn nicht endgültige,
so doch in ihren Grundzügen und Grenzen feste Form zu
geben. Dieser Zeitschrift ist er, seit ihrer Gründung, ein
treuer Mitarbeiter gewesen.

Erwin Panofsky, der seit einer Reihe von Jahren als
Privatdozent der Kunstgeschichte an der Hamburger Uni-

versität wirkte, ist seit kurzem dort Zum ordentlichen Pro-
fessor ernannt worden. Man darf die Universität zu der
Wahl beglückwünschen, denn Panofsky ist einer der geschei-
testen Köpfe unter der jüngeren Generation der Kunsthisto-
riker. Er hat sich mit Dürer und Michelangelo und mit
mittelalterlicher Plastik beschäftigt. Weit ausgreifend und
fern von engem Spezialistentum umfassen seine Arbeiten
das gesamte Gebiet der neueren Kunstgeschichte, Baukunst
sowohl wie Plastik und Malerei, vor allem aber die Theorie
der Künste, der seine erste Arbeit über Dürer ebenso ge-
widmet war wie seine jüngste philosophische Auseinander-
setzung über die „Idee".

Georges Mosson beging am i. Februar seinen fünf-
undsiebzigsten Geburtstag; sein Name wurde in der Blüte-
zeit der Berliner Sezession mit Ehren genannt, und er ist
auch heut unvergessen, da die mit schöner Frische gemalten
Blumenstücke von der unverminderten Kraft des Künstlers
zeugen. Eben jetzt sind alte und neue Arbeiten von ihm
im Salon J. Casper geschmackvoll ausgestellt.

Fritz Rumpf, der in Potsdam lebende, aus Frankfurt a.M.
stammende und dort im Städelschen Institut erzogene Maler,
ist siebzig Jahre alt geworden. Er hat sich nicht nur als
Künstler einen geachteten Namen gemacht, sondern hat sich
auch um Erhaltung und Mehrung des Potsdamer Kultur-
besitzes verdient gemacht.

Felix Vallotton ist im Alter von einundsechzig Jahren
gestorben. Als einer der Wiederbegründer des neuen Holz-
schnittes wurde er in den neunziger Jahren des vorigen Jahr-
hunderts zuerst bekannt. Seine silhouettenhaft stark ver-
einfachten Zeichnungen haben Eindruck und Schule gemacht.
Seine mit trockener Sachlichkeir gemalten Bilder fanden dem-
gegenüber nur einen kleinen Kreis von Freunden und Be-
wunderern. Erst in den letzten Jahren glaubten die Jungen,
in ihm einen ihrer Führer gefunden zu haben.

Adolphe Willette ist neunundsechzigjährig in Paris
gestorben. Er hat seinen Ruhm durch die farbigen Plakate
begründet, die er in den neunziger Jahren für die Vergnü-
gungsstätten des Montmartre zeichnete. Er hat damit der
Lithographie neue Wege gewiesen und Toulouse-Lautrec die
Bahn zum Erfolge geöffnet. Willette selbst hat seine ersten
Leistungen in späteren Jahren nicht mehr übertroffen, weder
mit den sentimentalen Colombinen, die er unablässig zeich-
nete, noch mit den gehässigen Kriegspamphleten, die seinen
Namen noch einmal populär gemacht haben.

UNSTAUSSTELLUNGEN

ULM

Im Ulmer Museum har sich seit
Julius Baums Direktoratsübernahme
eine zuvor ungewohnte Rührigkeit ent-
faltet. Der Ankauf einer holzgeschnitz-
ten Madonna von Hans Multscher,
der Mittelfigur des berühmten Sterzinger Altars nahe ver-
wandt, war ein vielverheißender Beginn. Der Hauptehrgeiz
des neuen Direktors hat sich aber einer Galerie der Leben-

den zugewandt, deren mutiges Programm eine Darstellung
der künstlerischen Entwicklung von Tiepolo, Turner und
Constable über die großen Klassiker und Romantiker bis zu
den Impressionisten verheißt. Vorläufig ist von diesen weit-
gespannten Zielen allerdings noch nicht viel verwirklicht.
Ein Entwurf für ein Altargemälde des Januarius Zick, der
— wie übrigens auch Maulpertsch — aus Schwaben gebürtig
ist, repräsentiert das achtzehnte Jahrhundert. Eine Farben-
skizze zu Delacroix' Dantebarke schließt sich in räumlich wie

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