Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 24.1926

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nischer Aquarelle eingeräumt. Virtuose Arbeiten, doch liegt
alles zu sehr an der Oberfläche. Pechstein hat in den letzten
Jahren an Persönlichkeit eingebüßt, er nähert sich oft bedenk-
lich der rein dekorativen Malerei. K. Sch.

HAMBURG

Am 17. Januar 1926 wurde in der Kunsthalle eine große
Ausstellung schwedischer Kunst eröffnet, die einen Monat
in Hamburg bleibt, um für den März nach Lübeck und von
Mitte April bis Mitte Mai nach Berlin überzusiedeln.

Die repräsentative Ausstellung umfaßt Werke der maß-
gebenden schwedischen Künstler aus dem letzten halben
Jahrhundert, also etwa von Ernst Josephson bis Niels von
Dardel und Leander-Engström. Alle bekannten Namen außer
Josephson: Zorn, Nordström, der Prinz Eugen, Kreuger,
Jansson, Bergh, Oskar Björck, Larsson, Liljefors, von den
Jüngeren: Engström, Dardel, Grünewald, Skiöld, Jolin und
manche Zeichner und Bildhauer, unter denen nur Carl Miles
und Erikson genannt seien, sind vertreten.

Der Leiter der Ausstellung, an der in dankenswertester
Weise Privatpersonen und Museen durch Leihgaben beteiligt
sind, ist Professor Oskar Björck, der als Kommissar die An-
ordnung in Deutschland getroffen hat.

MUSEUM DER STADT ULM

Das Kupferstichkabinett des Museums der Stadt Ulm, in
dem in letzter Zeit die Neuerwerbungen moderner
Meister ausgestellt waren, zeigt eine Sammlung von Ra-
dierungen Karl Wilhelm Kolbes. Die Blätter stammen aus
dem Besitze des Generals Mohs*, dessen Großvater, ein
Freund und Schüler Kolbes, fast das gesamte graphische
Werk des Künstlers erbte.

C. W. Kolbe ist 1757 in Berlin geboren, von Daniel Cho-
dowiecki ward er in die Anfänge der Kunst unterwiesen;
im Alter von zwanzig Jahren siedelt er von Berlin nach
essau über, wo er dann als Zeichen- und Sprachlehrer lebt.

* Vergl. den Aufsatz von H. Mohs in den Monatsheften für Bücher-
freunde und Graphiksammler 1925, S. 257.

Schon in vorgerücktem Alter entschloß er sich 1790 noch
zum Besuch der alten Berliner Akademie, wo er mit Eifer
die klassischen Vorbilder des alten Manierismus nachzeich-
nete. In seiner Berliner Zeit widmete er sich vornehmlich
figürlichen Studien; sein sechsteiliges frühes Blatt mit den
Familienszenen atmet ganz den Geist seines Lehrers und
Verwandten Chodowiecki. 1795 kehrte er nach Dessau zu-
rück. In der Landschaft waren für ihn holländische Vor-
bilder des siebzehnten Jahrhunderts, vor allem Waterloo und
Paul Potter von bestimmendem Einfluß. Bedeutsam für seine
künstlerische Entwicklung waren auch die Jahre in Zürich
von 1805 —1807, wohin er einem Auftrag, Gessnersche Ge-
mälde zu radieren, folgt. In jener Zeit bewegt er sich ganz
in den Ideenkreisen der Idyllen des Züricher Malerdichters.
Auf seinen Blättern tauchen Seen, ferne Berge, Ruinen römi-
scher Paläste auf, einsame Täler mit Wiesengründen, auf
denen Nymphen und Grazien gelagert sind, flötenden Hirten
zuhörend.

Später machte er sich los von den lyrisch-sentimentalen
Idyllen und arkadischen Stimmungen; er wurde zur Wahr-
heit, zur Natur zurückgeführt. Nicht nur die Landschaft
zeigte allmählich einen veränderten Charakter, auch die Staf-
fage erlebte eine Wandlung; an Stelle mythologischer traten
bürgerliche Gestalten. Mit Eifer gab sich Kolbe als Radierer
der Schönheit der Dessauer Umgebung hin. Er war keiner
von denen, die unmittelbar nach der Natur arbeiteten, er
nahm vielmehr draußen die Eindrücke in sich auf, um sie
daheim in freier Weise auszugestalten. Vor allem wußte er
den Baumriesen in den parkartigen Waldungen in der Nähe
von Dessau malerische Reize abzugewinnen. Vereinzelte
Gestalten, Holzfäller, Bauern oder Wanderer beleben die
Landschaft; Kolbe ist zurückhaltend mit der Staffage, wohl
wendet er sie häufig an, weiß sie aber stets dem Ganzen
unterzuordnen.

Der Ausstellungsraum des Museums im Schwörhaus zeigte
Werke des verstorbenen Basler Bildhauers und Malers Carl
Burckhardt, die das Museum in Verbindung mit dem Ulmer
Kunstverein nach Ulm gebracht hat. S.

mmmmm UKTIONSN ACH RICHTEN

PARISER
VERSTEIGERUNGEN

Wenn man Zeit hat und ein paar
Wochen lang jeden Tag ins Hotel
Drouot geht, kann man immer noch
die schönsten Dinge billig kaufen und die deutschen Händler,
die uns versichern, ein später Utrillo, von etwa 1918, sei
nun einmal mit 7000 Mark „billig", werden langsam um-
lernen oder schnell billiger einkaufen müssen; die Pariser
Kunstmarktpreise kommen der Entwertung des französischen
Franken nur sehr langsam nach.

Natürlich sind auch in Paris die Kunstwerke allererster
Qualität genau so teuer wie überall sonst in der Welt. Da-
für sorgt die internationale Konkurrenz. Eine französische
Bettstickerei aus dem Ende des sechzehnten Jahrhunderts,

Seide und Wolle, ein Panneau mit mythologischen Kompo-
sitionen und vier Seitenteilen, ornamentiert mit Satyrn,
Faunen und Nymphen auf Landschaftshintergrund, geschätzt
auf 150000 fres., wurde am 28. November einem anonymen
Sammler, nach heftigem Kampf mit Brimo und Cornillon,
für 240000 fres., also ungefähr 40000 Mark, zugeschlagen.

Aber die internationale Konkurrenz interessiert sich zum
Beispiel für gute Mittelware nicht, und gute Mittelware ist
in Paris billiger als vor dem Kriege, während sie im deut-
schen Handel noch zu teuer ist.

Wir geben aus den verschiedensten Gebieten einige Preise,
um einen schnellen Überblick über die augenblickliche Markt-
lage zu ermöglichen.

Versteigerung moderner Franzosen. Am 21. De1-
zember kam eine Sammlung moderner Bilder zur Versteige-
rung, die auch Arbeiten der jüngeren Künstlergeneration ent-

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