Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 24.1926

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offensichtlich, sie liegt zu wenig im Auge. Darum ist auch
der Pinselstrich ohne Phantasie; manche Fläche ist nur hand-
werksmäßig hingestrichen. Und kleine Naturstudien, die von
fern an Pissarro denken lassen, beweisen, daß das rein dar-
stellende Talent nicht groß war. Das beste dieser Kunst ist ihr
naiver Esprit. Wie der Ausschnitt der „Zollstation" genom-
men ist, wie der „Spaziergang" gesehen ist, wie die beiden

Bildnisse mit der Lampe durch das Kleinbürgerliche hin End-
gültigkeit suchen, das läßt an das Beste in der französi-
schen Kunst wenigstens denken. Damit soll man es aber
auch genug sein lassen. Wer den „Zöllner" über seine Um-
gebung erhöht, der schadet ihm, weil automatisch dadurch
Widerspruch ausgelöst wird.

K. Sch.

HENRI ROUSSEAU, DIE AFFEN

AUSGESTELLT IN DLR <;ALERIE FLECHTHEIM. BERLIN. MIT ERLAUBNIS DER SOC1ETE ÜU UROIT D'AUTEUR AUX ARTISTES

UNSTAUS STELLUNCx EN

BERLIN

Hugo Perls veranstaltete eine hüb-
sche Ausstellung deutscher Malerei, für
die der Titel „1850—1925, fünfund-
siebzig Jahre klassischer deutscher Ma-
lerei" aber viel zu anspruchsvoll gewählt war. Auch zufällig
Vorhandenes kann der Grundstock für eine vortreffliche Aus-
stellung sein; eine programmatische Ausstellung jedoch muß
auch nach einem Programm zusammengestellt werden. Zu den
wertvollsten Bildern der Veranstaltung gehörten die 1888 ge-
malte „Gedächtnisfeier in Bad Kösen" und die „Reiter am
Strand" (1903) von Max Liebermann, einige Frühbilder von
Feuerbach aus den fünfziger und sechziger Jahren, ein merk-

würdig goyahaftes Bildnis der Frau Koppel aus dem Jahre 1873
von Marees, zwei der selten auftauchenden Stilleben von Schol-
derer und drei spontan gemalte Stilleben Max Slevogts aus
dem Vorjahr.

Im Kunstsalon Hartberg zeigte Wolf Röhricht neue
Bilder und Aquarelle. Seine Malerei erscheint ernster und
substanzieller geworden; sein Talent ist kultiviert und ver-
anschaulicht es gut, wie weit die ungeduldige, summa-
rische, immer etwas forcierte Malweise seiner Genera-
tion der Gefälligkeit fähig ist. Diese Malerei will aus-
drucksvoll sein, sie ist im Vortrag aber zugleich auch elegant.
Um das Ganze nicht zu verfehlen, opfert sie das Detail.
Sie tut es so sehr, daß der Betrachter unwillkürlich zu
denken beginnt, ob es nicht dort einen neuen Beginn

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