Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 24.1926

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und Hineinmalen oder nichts; es kann auch heißen: nur
Reinigung und Neutralisierung der schadhaften Stellen.

Was „Zweck und Ziel des Museums" sei, ist nicht mit
zehn Worten zu sagen. Man mag diese Frage jedoch auf
sich beruhen lassen, wenn Einigkeit darüber herrscht, daß
das Museum möglichst viele Meisterwerke enthalten und sie

so pietätvoll wie möglich erhalten soll. Die Werke « erden
dann schon wirken wie sie wollen und können.

Hiermit schließen wir vorläufig die Diskussion. Wir
wollen es aber nicht tun, ohne nochmals auf das große
Verdienst nachdrücklich hinzuweisen, das in der durchaus
geglückten Reinigung der Bilder liegt.

CARLO CRIVELLI, MADONNA
61000 GULDEN

CORREGGIO, DIE VERLOBUNG DER HEILIGEN
KATHARINA. 80000 GULDEN

AUS DER SAMMLUNG CASTIGLIONI

RUBENS, MÄNNERBILDNIS
33 000 GULDEN

1UKTIONSNACH RICHTEN

DIE CASTIGLIONI-
VERSTEIGERUN G

VON

MAX J. FRIED LAEND ER

Bei gewissen Gelegenheiten vernimmt man gewisse Re-
densarten. Während jeder größeren Kunstauktion ertönt
sentimentale Klage. Die Leistung des Sammlers wird ge-
feiert und Trauer erheuchelt, daß sein „Werk" in alle Winde
zerstreut werde und zum größeren Teile der europäischen
Gemeinschaft verloren ginge. Nüchtern und genau betrachtet,
haben die Herren, die sich gar nicht trösten können über
den Verlust, gemeinhin von den Kunstwerken erst durch
den Auktionskatalog Kenntnis erhalten. Für die Allermeisten
ist es völlig gleichgültig, ob dieses oder jenes Bild in einem
Privathause zu Wien oder in New York hängt, sie bekommen
es in beiden Fällen nicht zu sehen, fühlen auch gar kein
Bedürfnis danach, es zu sehen. Dazu kommt, daß die Samm-
lungen zumeist keineswegs Gebäuden gleichen, deren Zer-
störung zu beklagen wäre, vielmehr nichts als Konglomerate
sind. Freilich gibt es Sammlungen, die, durch persönlichen
Geschmack oder wissenschaftliche Arbeit gefügt, bewunderns-
wert sind, z. B. Dr. Figdors Sammlung in Wien. Bei ihrer
Auflösung mag man trauern. Sicherlich gehörte Castiglionis
Kunstbesitz, der an vier Tagen (17.—20. November) in Amster-

dam versteigert worden ist, nicht zu den Gebäuden, sondern
zu den Haufen und wurde aufgelöst wie sie entstanden war,
zusammengeblasen und wieder verweht von dem Sturme, der
seit einigen Jahren über Europa rast. Der aus Triest stam-
mende, in Wien ansässige Camillo Castiglioni fühlte in den
wenigen Jahren seiner geschäftlichen Erfolge ein heftiges
Bedürfnis, seine finanzielle Macht sichtbar zu machen, zu-
gleich zu veredeln, seine Räume prunkvoll und üppig aus-
zustatten und ihnen durch Kunstwerke die Weihe der Tra-
dition und der Kultur zu verleihen. Er verfuhr dabei hastig,
als ein Pierpont Morgan der Inflation. In den Jahren 1918
bis 1923 hat er eine beträchtliche Menge alter Bilder, Bronzen,
italienische Möbel, Stoffe errafft und namentlich bei Auf-
lösung des Berliner Privatbesitzes (v. Kaufmann, Knaus, C.
v. Hollitscher) zugegriffen. Er erwarb das schöne Wiener
Palais, in dem Eugen Miller v. Aichholz gehaust hatte, und in
dem noch beachtenswerte Überbleibsel kluger und kenntnis-
reicher Sammlertätigkeit zu finden waren. Die Möbel, Bronzen,
Stoffe waren zumeist effektvoll und ansehnlich, aber mit
einigen Ausnahmen, die zumeist von Miller stammten, nicht
von besonderer Feinheit. Die äußerst geschickt vorbereitete
Versteigerung erbrachte ein überraschend günstiges Liqui-
datiünsergebnis. Ort und Zeit für die Auktion waren klug
bestimmt. Die Beteiligung war sehr stark und international.
Sehr viele deutsche Kunsthändler, zuschauend, urteilend,
aber kaum kaufend, einige Pariser Händler und — mit ent-

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