Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 24.1926

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RUD. GROSSMANN, BILDNISZEICHNUNG TH. TH. HEINE

GEDANKEN ÜBER KARIKATUR, KOMIK UND

K AR I KATURI STE N

VON

RUDOLF GROSSMANN

Ooweit die Karikatur künstlerisch ist, hat sie
^ zur Voraussetzung eine menschliche Liebe und
Wärme. Ohne Liebe zu ihren Opfern hätten
Daumier oder Lautrec ihre Werke nicht geschaffen.
Trotzdem — wie paradox es auch scheint (und
man muß sich bei der Analyse des Komischen an
Umschlagserscheinungen gewöhnen) — scheint
dem Laien die Karikatur oft gefühllos zu sein und
auch das Lachen, das das Komische hervorruft, ist
nur möglich bei einem kühl distanzierten, unbe-

teiligten Zuschauer. Über jemand zu lachen, der
uns Mitleid oder Liebe einflößt, scheint unmöglich.

Hat man selbst Affekt in stärkster Form erlebt,
so wird man einmal an den Punkt gelangen, wo
man aus dem Trauerspiel, ohne seiner Suggestion
zu verfallen, wie aus einer Komödie nach Hause
gehen kann. Man vermag daher bei der Karikatur
oder Travestie (was auch das Wort schon sagt)
von einer Art Transposition, einem „äquivalent
d'une Sensation recue" zu sprechen.

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