Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 24.1926

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KONSTANTIN SOMOW, BILDNIS DER FRAU
CLEOPATRA GIVOTOUSDI

Zum Thema der Abwanderung deutschen Kunst-
be sitz es: Der kleine Crivelli der Sammlung Oskar Huld-
schinsky ist, wie man hört, für den enormen Preis von
225 000 Mark in den amerikanischen Kunsthandel übergegangen.

Eine große Ausstellung von Werken Paul Cezannes
wird von der Galerie Bernheim-Jeune für die Monate
Mai und Juni 1926 vorbereitet.

*

Vlaminck hat einen Automobilunfall gehabt. Es
folgt eine Zeugenvernehmung. „Ihr Beruf?" — „Kunst-
maler." — „So, Kunstmaler? Ja, aber wovon leben Sie?"
*

Ein Bild des Douanier Rousseau ist in den Louvre
aufgenommen worden.

*

Konstantin Somow. Wir bilden zwei der letzten
Arbeiten des russischen Malers Somow ab, zwei Bild-
nisse, in denen der Künstler zeigt, daß er noch im
Besitz seiner westeuropäischen Malkultur ist und daß
seine verliebte Porträtkunst nach wie vor am liebsten
die Slavin verherrlicht. Der Künstler ist „von der
Räterepublik beurlaubt" und arbeitet in New York,
dann wieder in Paris, und so oft er kann auf dem
Lande in Frankreich. Den Lesern dieser Blätter ist
Somow wohlbekannt. Er hat die vom zweiten bis
zum fünften Jahrgang benutzte Deckelzeichnung für
„Kunst und Künstler" gemacht, und ist in manchem
Aufsatz vor dem Krieg nach Gebühr gewürdigt wor-
den. Innerhalb der noch schwankenden nationalen
russischen Kunst nimmt er einen der ersten Plätze ein.
*

Die drei neuen Raffaels, von denen jetzt in
den Zeitungen viel die Rede war, sind nicht jetzt
zum ersten Male auf Raft'ael getauft. In der „Revue
de d'Art Ancien et Moderne" veröffentlichte Durand-
Greville, 1905, Band I, Seite 377 einen Aufsatz „Trois
portraits inconnus de la jeunesse de Raphael" und
schlug für die beiden Bildnisse im Pitti, den Herzog
Guidobaldo von Urbino und den Francesco Maria della
Rovere, sowie für die Elisabeth Gonzaga von Urbino in
den Uffizien den Namen Raffael vor.

UNSTAUS STELLUNGEN

KOKOSCHKAS
LANDSCHAFTEN

Ausstellung
bei Paul Cassirer

Von den Malern seiner Generation hat Kokoschka allein
bisher den toten Punkt überwunden. Er ist nicht dem
seltsamen Stocken oder Nachlassen der produktiven Kräfte
unterworfen wie alle die andern um 1880 Geborenen, der
Wandlungslüsterne hat sich weiter gewandelt. Noch mehr:
er allein ist aus dem Kreis des Provinziellen, den die Ge-
nossen nie verlassen können, herausgetreten und in einem
freien Sinne europäisch geworden. Auch insofern, als er

sich neuerdings entschlossen der französischen Tradition hin-
gegeben hat, und als er dadurch in den Stand gesetzt worden
ist, eine gewisse europäische Wirkung auszuüben. Nicht leicht
ist es zu sagen, ob dieses Ergebnis die Folge eines stärkeren
Talents ist, oder ob die größere Klugheit und Leichtigkeit
entscheidend sind. Tatsache ist, daß Kokoschkas Malerei
in den neuen Landschaften, in ihrer flüssigeren Handschrift
mehr noch fasziniert als früher in ihrer teppichartigen, rein
dekorativen Gebundenheit. Sie richtig zu werten ist nicht leicht.
Man wird sowohl an Manet wie an Ulrich Hübner erinnert —
ein wenig auch an Slevogt und Utrillo —, wird angezogen
von dem barocken Schwung und abgestoßen von der Respekt-
losigkeit vor der Natur, man erstaunt vor der unerhörten
deutschböhmischen Geschicklichkeit der Zeichnung und des

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