Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 24.1926

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ADOLF MENZEL, ESELREITER. BLEISTIFTZEICHNUNG VON EINER REISE

AUS DER AUSSTELLUNG IM VERLAG BRUNO CASS1RER, BERLIN

UNSTAUS STELLUNGEN

BERLIN

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Unter den Ausstellungen der letz-
ten Monate bleibt noch die einund-
füiiizigste Veranstaltung der Berliner
Sezession zu erwähnen, die Aquarelle,
Pastelle und Plastiken enthielt und im Ganzen lebendiger
als sonst wirkte.

Bilder, Zeichnungen und graphische Blätter zeigte Max
Oppenheimer (Mopp) sodann bei Paul Cassirer. Die Ausstellung
trat ziemlich anspruchsvoll auf, hielt ernsten Ansprüchen gegen-
über aber nicht stand. Was Oppenheimer in hohem Maße hat,
ist das Talent, seine Fähigkeiten geschickt zu organisieren und
zu inszenieren. Geschickt ist schon die Stoffwahl: die Welt
des Arztes, des Operationssaals und vor allem die Welt der
Musik (das Rose-<iuartett, das Heß-Quartett, Busoni, das
Klingler-Ciuartett, ein Trio, Carl Flesch, das große Wand-
gemälde eines Orchesters im Fortissimo). Damit interessiert
er die Musiker und die vielen Musikfreunde. Oppenheimer
sieht die Erscheinung nicht eben persönlich; er ist sich dessen
wohl bewußt und sucht die Form durch einen stark manie-
ristischen Vortrag zu würzen. Eine Mischung von altmeister-
lichen und modischen Mitteln. Die Bilder schillern zwei-
deutig, sie sind dünn im Gerüst und trocken in der Emp-
findung, sie wirken raumlos und haben etwas Kunstgewerb-

liches im Sinne Wiens. Das beste in dieser Produktion ist
der Witz und der Fleiß. Sie unterliegt im übrigen der Selbst-
überredung so naiv, daß sie Laien sehr wohl zeitweise Zu
überreden vermag.

In den Graphikräumen des Verlages Bruno Cassirer war
im März und April eine schöne Ausstellung von Jugend-
zeichnungen und Gelegenheitsarbeiten bekannter deutscher
Maler und Zeichner zu sehen. Über Jugendarbeiten berühm-
ter Künstler ließe sich vieles und Aufschlußreiches sagen.
Vielleicht versuchen wir es einmal in einer größeren Arbeit.
In Kürze läßt sich nur sagen, daß sich beizeiten krümmt, was
ein Häkchen werden will. Besonders zeigt sich die Begabung
früh und eigentlich schon in ihrer charakteristischen Anlage
bei den naiv schaffenden Künstlern. Der denkende Künstler
— Cornelius, Marees u. a. sind Beispiele dafür — entwickelt
sich gemeinhin später und weniger instinktsicher; er denkt
sich gewissermaßen hinauf. In der Ausstellung waren Jugend-
arbeiten von Menzel, Liebermann und Slevogt zu sehen, die be-
reits im Keim die Eigenart der unter sich so verschiedenen Ta-
lente zeigen; frühe Zeichnungen von Corinth erscheinen da-
gegen nicht so persönlich. Den breitesten Raum nahmen die
Gelegenheitsarbeiten ein. Das Wort war in einem doppelten
Sinne verstanden worden. Es waren Blätter von Menzel, Hose-
mann, Liebermann, StefFeck, Slevogt, Corinth, Großmann, Meid,
Kubin u. a. ausgestellt, die neben der Produktion, die „gelegent-

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