Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 24.1926

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Liebermann-Verkäufe. Von bedeutenderen Bildern
Liebermanns sind in letzter Zeit folgende Werke in öffent-
liche Sammlungen gelangt: Oude Vink 1905 und das Selbst-
bildnis in Hut und Mantel von 1925 gelangte in das Züricher
Kunsthaus, die Geschwister 1876 erwarb die Stadt Berlin,
das Selbstbildnis im Atelier 1925 die Nationalgaleiie, die
badenden Jungen 1900 die Kunsthalle in Düsseldorf, die Oude
Vink 1911 ging in Berliner Privatbesitz über.

BERICHTE AUS DEN PREUSSISCHEN
KUNSTSAMMLUNGEN

Museum für Völkerkunde — Nord- und Mittelamerika.
Kauf: Zigarrentasche aus Birkenrinde mit Elenhaarstickerei
(Huronen oder Irokesen).

Leihgabe: Figur einer Gottheit aus Sandstein von künst-
lerischer Bedeutung, (siel)

UNSTAUS STELLUNGEN

S CHWEIZE K
AUSSTELLUNGEN
In den Monaten August und Sep-
tember fand im Kunsthaus in Zürich
eine internationale Ausstellung von
Werken neuerer Kunst statt, die eine ungefähre Orientierung
über den gegenwärtigen Stand der europäischen Malerei gab.
Die Grenzen der persönlichen künstlerischen Einstellung
erschienen im allgemeinen weniger stark eingehalten als
vor dem Kriege, während gleichwohl die Rasseneigen-
schaften bei schärferer und strengerer Betonung überzeugter
Eigenart erkennbar blieben. Nicht ganz erfreulich war
die Ubersicht der deutschen Abteilung, in der Corinth
mühsam versuchte, zwischen Liebermanns Meisterlichkeit
und den Ansprüchen der jüngeren Künstler die vermittelnde
Brücke zu bilden. Nach der ausgezeichneten Liebermann-
Ausstellung vor zwei Jahren war die Beschaffung von neuen
Werken schwierig gewesen, und doch bedeutete die Wand
mit Liebermanns Bildern (aus verschiedenen Perioden seines
Schaffens) eine klassische Repräsentation. Corinth und Sle-
vogt erschienen dafür nicht ganz in der Form, die ihrem
Rang entspricht: Corinth zerfahren und übertrieben nur mit

ADOLF MENZEL, MORGENANDACHT IN EINER SALZBURGER KIRCHE

AUSGESTELLT BEI VICTOR RHEINS, BERLIN

Bildern aus den beiden letzten Jahren, Slevogt (der in Zürich
einmal gleich Liebcrmann und Corinth mit einer eigenen
Ausstellung auftreten müßte) bescheiden zurückhaltend und
allein mit zwei Stilleben von sprühender Farbengewalt
seines Reichtums bewußt. Beckmann, Großmann und Nolde
waren vor Kokoschka, Hofer und Schmidt-Rottluff durch
das innerliche Gleichmaß der ausgestellten Bilder von Be-
deutung. Der „Schützengraben" von Otto Dix teilte sich
mit den Arbeiten von Grosz und des Dänen Per Krogh in
die Ehre, die Sensation der Ausstellung zu bilden. Flau
und sogar langweilig mußte der Saal mit den Gemälden
von Münch jedem sein, der die Ausstellungen in Basel und
Berlin in den letzten Jahren gesehen hatte.

Die große französische Abteilung gab dafür einen fast
überraschenden Beweis für den starken und sicheren Fort-
schritt einer schon vor dem Kriege deutlichen Entwicklung.
Niemals wird, das sah man hier, der Franzose die Vor-
züge einer geschmackvoll fortgebildeten Tradition zu Gunsten
eines nach übertreibenden Sensationen neigenden, gewalt-
tätigen Egoismus aufgeben, den manche der jüngeren deutschen
Künstler als ausschließliches Zeichen der Persönlichkeit an-
sprechen, niemals wird er Naivität künstlich vortäuschen, immer
frei, unbedingt und sachlich bleiben. Ob Utrillo, der gelegentlich
wie ein elementar aufgelöster früher Monet an-
mutete, ob Picasso oder Derain, van Dongen
oderMatisse: malerisch oder zeichnerisch ge-
pflegte Kultur ist ihres künstlerischen Wesens
edelste Eigenschaft, bei welchem größeren
Ahnherrn, Ingres, Cezanne, Renoir, auch ihr
Ursprung zu suchen ist. Eine strenge Richtung
auf klares Objektivieren haben die jungen Ita-
liener genommen. Unter ihnen tritt Ubaldo
Oppi als ausgeprägte Begabung besonders vor.
Plastiken von Albiker und Barlach, de Fiori,
Maillol und Kolbe hielten sich würdig im ein-
heitlichen Rahmen dieser genußreichen Aus-
stellung.

Auch in Basel fand im Herbst eine jener
kleinen Ausstellungen aus Privatbesitz statt,
die seit Jahren unbekannte Kostbarkeiten zei-
gen. Sehr schöne Bilder der großen französi-
schen Impressionisten waren diesmal von
einer Auswahl von Zeichnungen und Aqua-
rellen begleitet. Von Böcklin hatte man den
farbenbunten „Polyphem und das Schiff des
Odysseus" aus der Sammlung von der Mühl!
zu sehen Gelegenheit, Werke von Hodler
und namentlich eine Anzahl von Studien und
Bildnissen Fritz Schiders. U. B.

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