Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 24.1926

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MUSEUM FÜR VÖLKERKUNDE, BERLIN. AUS DER OZEANISCHEN ABTEILUNG

DAS UMGEBAUTE MUSEUM FÜR VOLKERKUNDE

VON

KARL SCHEFFLER

l^\as Berliner Museum für Völkerkunde ist viele
-"-^ Jahrzehnte lang ein Schmerzenskind derer
gewesen, die der Uberzeugung sind, daß Museen
nicht ausschließlich für die darin beschäftigten
Museumsbeamten da sind, sondern daß sie ge-
wissermaßen auch die Öffentlichkeit angehen. Alle
Berliner Museen sind eigentlich Schmerzenskinder;
das 188<5 von Ende und Böckmann erbaute Haus
in der Königgrätzer Straße aber war ein ganz
schwerer Fall. Das auf einem Eckgrundstück er-

richtete Gebäude bestand eigentlich nur aus Korri-
doren mit Eisenpfeilern und Wellblechdecken, aus
Flügelbauten, in denen sich Licht von beiden Seiten
unerträglich kreuzte und die mit großen Vitrinen
unübersichtlich verstellt waren. Der Besucher kam
rein von Sinnen angesichts der Uberfülle, der
wohlgeordneten Unordnung, der chaotischen Fülle,
die jeder lebendigen Anschauung Hohn sprach.
Das Museum gehörte ausschließlich dem Fach-
gelehrten. Ein bewunderungswürdiges Material,

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