Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 24.1926

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Legenden, Fremdartigkeit der religiösen Gedanken-
gänge stehen hindernd im Wege. Auch haben
nicht alle Stücke die ursprüngliche Farbenfrische,
sind nicht alle von gleich hervorragender Qualität.
Dazu hat die Zerstörungswut der osttürkischen
Bauern und Schätzesucher in jüngerer Zeit man-
chen Bildern unwiederbringlichen Schaden zuge-
fügt. Vielfach sind die Gesichter der Personen
von diesen abergläubischen Leuten, um die Geister
der Dargestellten zu bannen und sich vor Schaden
zu hüten, zerstört, mindestens die Augen ausge-
kratzt worden. Oft reizte auch das manchmal
dick aufgetragene Blattgold die Habgier von Plün-
derern. So ist zum Beispiel das prächtige, in
Gruppenkomposition und Massenwirkung monu-
mentale Gemälde aus der „Schatzhöhle", von dem
wir Abb. 7 einen kleinen Ausschnitt gaben, syste-
matisch seines Goldschmuckes beraubt. Auf den
ersten Blick könnte gerade dieses Bild, das bereits
an sich fragmentarisch erhalten ist, einen etwas
kahlen Eindruck machen. Die in mehreren Reihen

auf die riesige Wandfläche verteilten sitzenden und
stehenden Buddhas waren sämtlich mit einem Ge-
wände aus dickem Blattgolde bekleidet. Deutlich
sind die Konturen der Gewänder zu verfolgen,
das Blattgold ist abgeschabt, die nackte Wand tritt
uns entgegen. Stellt man sich die Gewänder in
ihrer ehemaligen gleißenden Schönheit vor, die
große Wand in allen ihren Teilen entsprechend
restauriert, so wird man nachempfinden, wie über-
wältigend für einen Gläubigen dieser Anblick ge-
wesen sein wird.

Uns wird dieser gläubige Schauer fehlen, es
bleibt uns, aber der Männer dankbar zu gedenken,
welche in jahrelanger mühevoller Arbeit diese
Reste einstiger Pracht retteten und durch fort-
gesetztes, energisches Eintreten auch die Möglich-
keit einer würdigen Aufstellung schufen.

Abb. 4 und 5 reproduziere ich mit gütiger Erlaubnis des
Verlages Dietrich Reimer nach dem in Vorbereitung befind-
lichen fünften Bande von v. Le Coqs großem Tafelwerk:
Die Buddhistische Spätantike in Mittelasien.

EINE TOTE HETÄRE, ZU FÜSSEN DES BUDDHA NIEDERGELEGT. AUS DER „SCHATZHÖHLE"

AliB. 7

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