Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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sö. Iahrgang.
Beiträge

sind an prof. Dr. L. von
Lützow (wien, There-
sianumgasse 25) oder an
die verlagshandlung in
^eipzjg, Gartenstr. 6,
zu richten.

20. Novcinbcr

Nr. 6.
Insercite

tl 25 ssf. für die drei
Mal gespaltene j)etit-
zeile werden von jeder

s87Y.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Erscheint von September bis guli jede woche am Donnerstag, von guli bis Leptember alle Tage, für die Abonnenten der ,,Zeitschrift für
bildende Äunst" gratis; für sich allein bezogen kostet der Zabrgang 9 Mark sowobl irn Luchhandel als auch bei den deutschen

uncl t.koir ^orlcs. — Aunstgewerbenmseum in Berlin. — Die Z?rachträun,e des Mittelschlosses Marienburg, Die romanische Abteikirche
zu Anechtsteden; Die Restaüration der Berliner Bikolai- Airche. — Berichte vom Aunstmarkt: Auktion Drugnlin; Auklion der
Aupferstich-t?ammlung vail Aaatboven. - Auktions-Aataloge. — Inserate.

Griechische Kunst in Alcinasicn.

Berlin, Anfang November 1879.
Dic Dimcs vom 28- Oktobcr cnthalten einen
bingcren aus Smyrna datirtcn Artikcl, in wclchem
o>n braver Brite seincr Ncgiernng die Okknyation
^leinasiens dringend an's Hcrz legt, theils aus vielen
nnderen Grnndcn theilS im Jntereffe des dorl zu
bcibendcn Spvrts (!) und der dort zu eriverbenden
^unstschtitze. Bcrcits habc die „dcutsche" (soll wohl
^ißen prenßische) Rcgiernng an 200 Statucn und
dieliefs (ans dem altcn Pcrgamos) angekanft nnd
Anffindnng weiterer Schätze stehe in Aussicht.

2n nicht zn ferncr Zeit werden wir von hier
uus bcrichten lönnen, was an diesen Mittheilungen
Uchtig i„id Ivelche Bcdcntuug dcn crwähntcn Fundcn
u»d Ankänfcn bciznmcssen ist. Thatsache bleibt, daß
wir die Knnst dcr Hellenen dnrchaus nvch nicht zur
lÄcuüge kennen und daß jedes nene Denkmal, welches
uusere Kcnntniß ergänzt und korrigirt, mit der leb-
^uftesten Freude zu begrüßcn ist. Und in diesem Falle
tucrden wir allerdings in den Stand gesetzt werden,
uberaus wichtiges Kapitel der griechischen Knnst-
stcschichtc vvn Neiiem schreibcn nnd illustriren zu
kvnnen.

Hatte doch diese frendige uns bereitete Ueber-
)uschung untcr andercn auch den wünschenSwerthen
^ Üolg, die Blicke der Negiernngcn inimer mehr auf
»s sür die Schatzgräberei verheißnngsvollste Land zu
vnken. Schon vor nnn zwanzig Jahren bezeichnete
( - Semper Klcinasien äußerst treffcnd als den „Keffel,
»c welchem der (in Aegyptcn, Assyricn :c.) komponirtc

Stvff vornehmlich gemischt wnrd, worans spätcr die
edle hellenische Knnstsorm gegossen werden sollte."
Dann hat ffch auf demsclben Schanplatz im zweiten
nnd dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnnng die
schöpferische Gcstaltungskraft dcr hellenischen Plastik
ausgelebt. Nnn wisscn wir von den beiden angedeuteten
Epochen bekanntlich bis jetzt wenig genug! Und einc
mvglichst vollstandige Rckonstruktion der hellenischen
Kunstentwickeliing Ivird denn doch eines der Hauptziele
aller Kunstforschung sein.

Soll man es nur dcm Zufall, der Willkür über-
lasscn, ob wir je in den Besitz dicser für die Ent-
wickelnng der Menschheit so wichtigen Kenntnisse kom-
men werden? Wcnn die Negiernngen der enropäischen
Kulturstaatcn hier nicht eintreten könncn oder wollen,
so darf man sragen, gicbt es denn nnr einen Schlie-
mann, nur cinen Sina unter den Hunderten von
Millionären zwischen Weichsel und Atlantischem Meer,
deren gern znr Schan getragencr Kunstenthusiasmus
sich bis zu dem Siedepnnkte steigern läßt, daß er sür
solche Jnteressen ein materielles Opser brächte, — ein
Opser, das sich unter Umständen recht leicht in cine
glückliche Kapitalanlage verwandeln könnte. Die Ans-
grabungen Schlicmann's in Jlion, die Funde Humann's
in Pergamos sind so deutlichc Fingerzeige, daß ich
kcin Wort mehr hinzuzusügen habe. Uebcr die letzteren
atso gelegentlich ein Mehreres! U. b'.

Aorrespoiidenz.

London, im Oktober 1879.

Durch langjährige Traditionen ist das englische
Pubtiknm gewöhnt, die Bcfriedignng sciner Kunst-
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