Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Vom Christmarkt.

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zu nennen, mag dahin gestellt sein, cine intcressante
ist sie ans jeden Fall. Besonders stark, und diclleicht
uicht zum Vortheil des Ganzen, ist die Malerei des
18. Jahrhunderts in Kontribution genommen — aus
begreiflichen Gründcn, da das Zcitalter des XV. nnd
XVI. Louis die Blüthezeit deS malcrischcn Kupscrstiches
war. Dersclbe Umstand führte wohl auch zur Ent-
stehnng des anderen vbenerlvähnten Liesernngswcrkes,

Zierrat des Salons dienen, nicht bloS betrachtet und
durchblättert, sondern gelesen sein wollen, leitet uns
ein hübscher Quartband, dessen Jnhalt Chamisso's
Lieder-Cvklus „Frauen-Liebe nnd Leben" mit
Jllnstrationen von Paul Thumann bildet (Leip-
zig, Adolf Titze). Mit 9 Tuschzeichnungen begleitet
der Künstler das Fraucnschicksal vom Erwachen der
crsten Neignng bis zum Verlöschen der letzten Hoff-

Demetrius in Tula. Nus der Prachtausgabe von Schiller's Werkcn. Verlag von Ed. Hallberger.

welches die chedem so tief verachtcten Kunstgebildc deS
vorigen Jahrhnndcrts Zicvue passiren läßt. Da die ästhe-
^schen nnd moralischen Bcdcnklichkciten dcr mit der
Milch dex Cornelianischen Knnst gesäugten Roman-
^r allgemach sich vcrflüchtigt haben, werdcn die
sanberen Stiche cincs Bcanvarlct, Cochin, Drevet :e. in
^vhlseilcn Lichtdrnckcn gewiß zahlreichc und willige Ab-
uehnier findcn. Es sind bis jctzt 14 Licscrnngcu mit
lr 2 Blnttern erschicncn.

Znrück zu dcn Prachtwerken, die nicht blos als

nung. Bei Thumann ist an einen Fehlgriff in dcr
Komposition niemals zu dcnken; ivie Wenige wciß er
die Stinimnng cinzuhalten, die der Dichtung eigen-
thiimlich ist, wie Wenige versteht cr cs, das Wesent-
liche voin Unlvesentlichcn srei zn hatten nnd in schlichter
Schvne wirkcn zn lasscn. Der clcgische Zng dcr Muse
Cbamisso's kliugt auch iu dcu licbenswürdigen Kinder-
figürchen an, von denen je eins dic Zwischentitel zu
dcn einzelncn Liedcrn schmückt und die als Kopfstücke zu
dem 2. uud 3. Abschnittc dieses Berichts verwcndet sind.
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