Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Vom Chrisimarkt.

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machen. Schwärzer, als es hier in deS Wortes natür-
lichster Bedeutung geschehen, konuteu die Schreckens-
männer und ihre Spießgesellcn tvohl nicht geschildert
werden; in den trüben Nacht- und Kerkerscencn ver-
schwinden die Ilmrisse meistens in der allgemeinen
Finsterniß. Nur hier und da tritt cinmal eine sreund-
iiche Oase, ein Stück Natur mit faßbaren Formen auf
und erinncrt daran, daß dic Kunst dazu da ist, den
Stoff zn adeln nnd Vvn dem Wirklichen das Gemeine
ubzustreifcn. Den Jnhalt des Buches würden wir
unangetastet lassen, wcnn es sich siir dcn Kunstfrcund

! und Künstler des Mittelalters und der Neu-
zeit" (Verlag vvn E. A. Seemann) ist um cinen
fünften Band reicher geworden, der zngleich den dritten
und Schlußband der italienischen Abtheilung des ganzen
Unternehmens bildet. Nur bedingungsweise gehört in
diesen Kreis die Denkschrift des Bau-Comitös
der Votivkirche in Wien, heransgegeben von
M. Thausing (Verlag Vvn R. v. Waldhcim), ein
Buch, das aber vielleicht einmal in spätern Zeiten zu
den Ouellenschristen der Kunstgeschichte zählen dnrfte.
Richtiger wäre es gewesen, ihm nnter dcn Prachtwerken

Naibler-See. Aus „Unser Vaterland". Derlag von Gebr. Kröner.

uicht verlohnte, die Schildernng des Conventsaalcs nack-
^ulesen, dessen äußere Erscheinung Victor Hugo als „die
^orrekthcit im rcvolntionären Jngrimme" charakterisirt,
"bcssen grade Linicn und messerscharfe rechte Winkel
^ie dnnkle Empfindung hervorricsen, als sei hier dic
PhantasieeinesBoucherdnrchDavid guillotinirtw'orden."

Diese Abschweifung ans das Gcbiet dcr Kunst-
stoschichtc bietct nns willkommene Gclegenheit, im Vor-
beigehen nvch anf einige, diesem Literaturzweig an-
Üchvrende illustrirte Erscheinungen hinznweisen. W.
"'ibke hat seine Geschichte der italicnischen
Malerei (Vcrlag von Ebner L Scubert) mit einem
»weiten, überaus reich illustrirten Bande abgeschloffen,
vbensoistendlichder von O. EisenmannunterLübke s
Diitwirtüng bcarbeitete letzteHalbband von Schnaase's
^eschichte der bildenden Künste zur Ausgabe
st^langt. Das vvu R. Dohme gelcitete Werk „Kuust

den ihm gebührenden ersten Platz anzuweisen, denn
Holzschnitte, Farbeudruck nnd stiadirnng haben dabci
zu einer Ausstattung zusammcngcwirkt, der man das
Prädikat stilvoll ohne allen Nückhalt zuerkcnnen muß.
EingehendcreWürdigung bleibt diesenWcrken cbensovor-
behalten, wie einem noch vor Thorschlnß in unserc Hand
kommenden Nachzügler, dem ivir an dieser Stelle cincn
sreundlichen Willkomm nicht versagen kvnnen; es ist
das Sta mmbnch der Nationalgalerie, hcraus-
gegebcn von Dr. Max Jordan (Bcrlin, Nud.
Schuster), ein aus der Jnitiative des Hcrausgcbers,
deS Direktors der genanntcn Berlincr Anstalt, hervvr-
gegangenes, als regelmäßigcs Jahrbuch gedachteS Untcr-
nehmen. Daffelbc soll Bericht gcbcn über Wcsen nnd
Bedcutung der Kttnstler, deren Schöpfungcn in dem
preußischen Künsttempel Eingang fandcn. Als Begleiter
dieses textlicheu Iuhalts dicnt jedes Mal das in Kupser
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