Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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fö. Iahrgang.

Beiträge

siild an prof. Dr. C. von
^ützow (U)ien, Tbere-
ficniumgcisse 25) oder cin
die verlagshandlung in
^ipzig, Gartenstr. 6,
zu richten.

3h December

Nr. f2.
Inserate

a 25 jDf. für die drei
Mal gespaltene j)etit-
zeile werden von jeder
Buch- u.Aunsthandlung
angenommen.

,87Y.

Veiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.


^nhalt: Rorrespondenz: New-!)ork. - L. gacobi, Tiepow's Radirungen. — Tarl Hübner -j-; Anud Baade -j-. — Neues j)orträt Bismarck's.

— Runstgewerbliche 2(onkurrenz-Ausstellung in Berlin. -- Neuigkeiten des Buch- und Runsthandels. — Zeitschriften. — Berichtigung.

M die Morstände der Kunstvereine

hchtcn wir hiermit dio Bittc um baldige Linscndung der die verschiedcnen lokalcn Aunstausstellungen bctreffendcn
hNgaben, um den Aunstausstcllungskalon dcr tür 1880 so bald und so vollständig wie möglich znsämmenstellen
ou könncn. ' Die Rcdaction und Lrpedition der Zcitschrift fiir bildende Annst.

Aorrespondenz.

New-Aork, inl November 1879.

0. A. Die stille Jahrcszeit, durch cinen ungewöhn-
bch wnrmen, schönen Hcrbst verlnngert, hnt gegenwnrtig
^nn doch ihr Ende errcicht, nnd mit dem Ausschwung
Hnndel nnd Gewerbe fnngt es nuch nus dcm Ge-
^^te der Kunst mehr und mehr nn sich zu rcgen. Jn
Permnncnten Ausstellung der Werke ameriknnischer
^uler in der Kurtz'schen Gnlerie findet mnn eine
^chhnltige, intercssnnte Snmmlung, in der sowohl die
E^te, nkndemischc nls auch die mvdernc, nn curopnische
^chulen sich nnlehucnde Nichtung in mehreren ihrer
-ervvrrngcudsten Reprnsentnnten vertreten ist. Albert
^rstndt, der Mnler des fcrncnWcstens, ist durch cine
größere Lnndschnft reprnseutirf, cineu jeuer strnhlenden,
^^hglnnzenden Sonncuuntergnngc, wie sic dem Gebiete
kruseit der Fclsengebirge eigeu sind. Mit vollem
^ chuben an die Gewissenhastigkcit des Künstlers in
Wiedergnbe dicser Farbenglut nehmen wir das
bieler Hinsicht verdienstvolle Bild nuf, nber es ist
vst gemnchte Erfnhruug, dnß die Momente, in
suwn die Nntur gleichsnm verklnrt crscheint, und die
hem Wesen nnch nur von sehr kürzcr Dnuer sein
ouuen, sv sz^ „„g „„ch j„ por Wirklichkeit ergrcifen
'"^gen, „,,s j„ Dnrstellung gcwöhnlich weniger
^hwhen, nls wenn die Nntur uns in ihrem Alltags-
^ e entgegentritt, in ihrer hcitern und trüben Laune,
e Wir sie durch's Leben iu Freud und Schmerz ge-

kannt haben. — Eine Mondscheinlnndschnft und eine
nndere mit schwnrzen Sturmwvlken von Chnrlcs
Miller sind zwei schöne Werke, die nnziehendstcn unter
manchen guten Landschaften, welche sich zusnmmenge-
funden haben. Wm. Chnse und Walter Shirlnw, die
beide unter die begabtesten der jüngeren Künstler
zählen, haben Bilder nus dcm Thierleben nusgestellt;
Chnse einen prachtvollen Knkadu, der, nuf dem Nnnde
eines Metnllgefäßes sitzcnd, das mit nbgepflückten
Blüthen gefüllt ist, nach Art dieser Thiere sein Spiel
damit treibt. Neben dem Gefnß stcht eine dunkel-
grüne Bnse, worin lange, weißgelbliche, sedernrtige
Blumen stecken; dnhinter steht ein küpserncr Teller,
und cin dunkelrother Hintergrund bildet den Schluß.
Trotz der ausgesprochenen Absicht, Fnrbeneffekt und
Virtuosität zu entwickcln, gehört dns Bild doch nicht
in die Kntegorie dcr bloßcn Brnvourstücke, denn der
Mittelpunkt ist der Knkndu, iu dem dic Eigenthüm-
lichkciteu dieser liebenswiirdigen, sür den Vogelfreund
so reizenden Thiere mit nnsprcchendster Treue wieder-
gcgebeu sind. Wnlter Shirlaw hnt in einem kleinen
Bildchen einen Hund dnrgestellt, mit der Untcrschrift:
„VisoonsolrUs", und der Beschnuer empfängt auch
eiueu wehmüthigen Eiudruck, deuu dns arme Thier
ist nugekcttet und dcnkt nugenscheinlich sehnsüchtig nn
seinc zwci- und vierbeinigen Freunde und Genossen,
die er — glcichviel wie nnh odcr fern sie sein mögen —
nicht erreichen kann. Mnn gäbe etwns darum, ihn
frei machen zu können. Es ist ein echtes Genrebild
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