Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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s5. Zahrgang.
Beiträge

sind an ssrof. Dr. L. von
Lützow (wien, There-
sianumgasse 25) oder an
die verlagssiandlung in
^eipzig, Gartenstr. 6,
zu richten.

Ianuar

Nr.

Inserate

a 25 L)f. für die drei
Mal gespaltene jDetit«

s880.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.


)"halt: Die Ronkurrenzentwürfe zu einer viktoriastatue für das Berliner Zeugbaus. (Schlutz.) — Karl Stemhauser Anton Teichlein -j-;
Rarl Gevling -i" Anselm Zeuerbacli -i-. — Vesterreicbischer Runstverein; Die Gesellschaft ^.rü et ^.micitiae in Amsterdam.
Lourbet's Bachla'tz; professor v. Angeli in Wien; plastische Arbeiten für den neuen Wiener parlamentsbau. — Die versteigerung
von Drugulin's Ru'nstnachlaß. — Neuigkeilen des Buch- nnd Aunstbandels. — Inserate.

Aonkurrcnzcntwürfc zu cincr Viktoriastatue
für das Bcrliner Zeughaus.

(Schluß.)

Mehr durch das Gcsammtresultat der Konkurrenz
als durch die Absicht einer Einzelbesprechung veran-
iȧt, verzichtet der vvrliegende Bericht daraus, die
^ntwürfe, die einer Lösung der gestellten Ausgabe
n>» nächsten kamcn, vder diejenigen, die durch die
^anien ihrcr zwar ungenannt gebliebenen, in den mei-
^en Fällcn jedoch trotzdem leicht erkcnubareu Urheber
Zu intcressiren vermochten, vollzahlig anfzusühren. Da-
3egen dürfte es uicht überslüssig sein, zum Schluß
^enigstms die uicht ebcu zahlrcichen Arbciten namhaft
?n machen, die, obschon sie für die gegebene Bestimmung
Statne zum Theil viclleicht am wenigsten annehm-
^'nr gewesen wärcn, doch bci einer gewissen künstlerischen
^spektabilität durch dicsen oder jenen originellen Zug
Erfindung bemerkenswerth hervortraten.

Ein erster Prcis ist bekanntlich vou dcr Jury
"i'erhaupt nicht, ein zweiter anSchaper, ein dritter
^> Karl Begas ertheilt und außerdem die Skizze
^nn Ran zu gelegcntlicher anderer Verwcndung empfoh-
^n worden, und diese drei Arbciten diirsten denn auch
w erster Linie Beachtung sordcrn, — am meisten die-
ldnigx Schaper, die wohl sämmtliche übrigen
^ntwürfc wenigstens durch die in jeder Hinstcht ver-
^andige Erwägung der anS der Natur dcr Aufgabe
crgebenden Bedingungen übertrifst. Jn richtiger
^crücksichtigung des architcktonischcn Charakters des
^"ghauses, der auch bci der Neugestaltung der Jnnen-
^iuinc nicbt außer Acht bleibcn durste, lehnt sich Er-

findung und Aufbau der Figur an das Gepräge des
Barockstils an, dessen volle Wucht und Ueppigkcit in
ihr allerdings einigermaßen modcrirt erscheinen. Jin
Hinblick darauf, daß die Reihe der in der Halle anf-
zustcllendeu Standbilder der Hohenzollcrn'schcn Regen-
teu inmitten ihrer Anordnung cine energische Unter-
brechung der sonst ausschließlich vorherrschcnden verti-
kalen Linien wünschenswerth macht, ist der Gestalt ferner
einc sitzende Haltung und eine breitere Fülle dcs Umrisses
gegeben, die sie zugleich gcgen die Gefahr schützt, durch
jene Statuen in ihrer cigenen Wirkung erdrückt zu
werden, und schließlich ist dic ganze Komposition nicht
blos technisch in Marmor ausfiihrbar, sonderu im Ganzen
wie im Einzelnen von vornherein im Stil echter Mar-
morskulptur gedacht. Als Sitz dient dcr Figur, ncben
der sich der preußische Adler tresflich in die Gesammt-
silhonette einfügt, in allegorischer Hindentung auf dic
au dem geschweiften Sockel angebrachtc Devise „Vom
Fels zum Meer" cin von Wogcu umbrandeter Felscu
Mchr der römischen Bellona als der griechischeu Nike
gleichend, hebt sie in der vorgestreckt erhobenen Nechten
triumphirend einen Lorbeerzweig empor, während das
bekränzte Haupt kiihn und freudig dreiuschaut und die
Linke mit der Palmc zugleich das rückwärts aufge-
stemmte Schwert umfaßt. Lebendige und reiche Bc-
wegung verbindet sich in dicser Aulage in glücklicher
Weise mit der erforderlichen plastischen Ruhe, und das
Gleiche gilt von dcr in ihren reichen Faltenmassen mit
dem knapp anliegcnden relicfirten Panzer effektvoll
kontrastirenden Gewandung, welche die Arme nnd dcn
Unterschenkel des im Knic gebogenen, niit der Sandale
beschuhtcn rechten Beins srci heraustrcten läßt. Ohne
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