Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Aus dem Florentiner Kunstlebsn,

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nicht gerade gemildert. Zu einer Vollendung der äußeren
Kuppeldekoratwn der reichen Arkadengalerie von Baccio
d'Agiiolo wird man wohl nie gelangen. Die arme
Kuppel kommt ja immer am schlechtcsten weg. Jm Jnnern
sind dic Malereien der Zuccheri um alle Wirkung ge-
bracht, außen hat man ihr die Verkleidung vorenthalten,
weil Michelangelo diesclbe für cincn Grillenkäsig erklärte;
und als ihr gar im August vorigen Jahres der Blitz
eine Rippe brach, setzt man diese nicht einmal wieder ein.
blebrigens dürften auch dic den Zeitungen nach damals
vou derDombauhütte zur Restauration der krankcn Rippe
geforderten 20,000 Lirc dcnn doch ctwas zu hoch ge-
Aviffen scin, wcnn man nicht damil ctwa blos das Mit-
gefühl dcr Rcgierung wccken wollte.

Der Bau der Shnagoge gcht nunmehr auch im
Jnncrn soweit seincr Vollcndung entgegen, daß man
basselbe demnächst iu seincr vollen Wirkung wird wür-
bigen könncn. Schon als das Werk des inncren Schmuckes
nvch vollstänvig enlbchrte, licß sich der mächtige Total-
undruck vorausschen, den es mit der hohen, centralen
^uppcl uud den großen Mauerbögcn auf den Beschauer
ausüben muß, sobald die reiche Ornamentik und eine
feine, gewähltc Farbenverthcilung hinzutreten. Das
Äeußere ist bis auf Kleinigkeiten beendigt; es ist im
"laurisch-byzantinischcn Stil gehalten und macht bci
"etter und saubercr Ausführung cinen schlichten, durch-
aus würdigen Eindruck, den man von drci Straßcn-
seilen frei genießen kann. Die Hauplfayade gehl nach
ber Via Farini, dic Chor-, rcsp. Altarpartie nach dcr
^ia S. Ambrogio, dic dritte Seite nach der in eine grüne
Änlage verwandelten Piazza d'Azcglio; nur von dcr
"ierlen Seite verdecken Häuscrgruppcn den Blick auf
bll" ganz frciliegenden Bau. Um eiucn großen, mit
hvher Kuppel bedecklen Mittelraum licgen niedrige Sei-
^'ngänge, darübcr dic Emporcn für die Frauen, nach
vorn der Orgelchor und die Sängerlribüne; in der Längen-
"s'v schließt hinlen die große Nische für das Sanclua-
^luiu ab; dort haben in den Ecken die für dcn Knltus
"vchigcn Nebenräumlichkeiten, nach vorn die Trcppcn zu
b"i Emporcn Platz gefunden. Auch Aufzügc sind zu grö-
horer Bequemlichkeit angebracht. Im Aeußern ist übcrall
»ach cincm wahren Ausdruck der Grundanlage geslrebi
^voiden und der Bogcn als vermiltelndes Element überall
burchgcsührt; die Wölbungen bleibcn auch äußerlich in
Dachfläche sichtbar und haben in der Stirnmauer
^uvch Halbkreisgicbel entsprechenden Abschluß gefunden.
^enster und Thüröffnungen wcisen den maurischen Huf-
^senspitzlwgen, die schmalcren Schlitze den Rundbogcn
^"s; die Hauptfenstcr sind zu zwei oder drei gckuppelt,
zierlichen Zwischensäulchen. Zn der Hauptfront
spvingen zur Seite der Stirn zwei Thürme vor, mit schlan-
^u achrseitigen Minarets und Zwiebelkuppeln; zwischen
'huen vermittelt cine dreitheilige Borhalle, die den

Männern zum Eingang dient; die Frauen haben seit-
wärts ihre Thüren. Hinter der in zwei Etagen geglieder-
len Giebelmauer, aus dem Centrum, stcigt der Tambour
der Hauptkuppel auf, dessen 14 Schlitzfenster dem Jnnern
ausreichenbe Helle zuführen; darüber wölbt sich die
Kuppel; sie ist mit Kupfer gedeckt, wie die Zwiebeln
der THLrme. Die der Gewölbeform entsprechenden Dächer
haben eine Deckung durch Pfannen erhalten. An den
Langseiten treten die Gewölbeschilder gleichfalls als Halb-
kreisgiebel auf mit dreitheiliger, breiter Fensterpartie;
hintcn setzt sich vor den Giebcl dic Halbkuppel des
Sanctuariums, die mit ihrem Tambour frci über dic
niedriger gebliebenen Seitenfronten emporragt und sich
mit dem Ganzen zu einer malerisch wirksamcn Gruppe
vereinigt. Die Mauerflächen werdcn bei guter Verthci-
lung und Ausbildung der Oeffnungen in horizontalcr
Schichtung abwechselnd durch weiße und rothe Bau-
streifen in Marmor belebt, nach oben schließen konsolcn-
reiche Simse ab, mit stehenden Blatlfvrmen oder dergl.
besetzt. Das Material ist auch im Ton angenchm; der
blasse, rothe Marmor stammt von Assisi — zu den Säu-
len dcr Vorhalle und des Jnnern ist sehr tragsähiger Gra-
nit von Baveno am Lago maggiore genomnicn — sie blei-
ben unpolirt stehen, und nur ihre Kapitäle werdcn vcr-
goldet. Ansführung und Konstruklion erscheincn überalt
solid, wohlüberlegt und bieten manches Jnteressame.
Mit der Ausführung des Baues ist Architekl TreveS
von Turiu betraut.

An dicser Stellc mag es auch erlaubt sein, einen
flüchtigen Blick nach Fiesole zu werfen. Nur eine
kurze Stunde von Floren; enlfernt, malcrisch in dem
brciten Thalspalt der nördlich von Flvrcnz sich hinziehcn-
ven Höhen gelegen, hat es die Beachlung, die es sicher
verdient, noch nicht gefunden. Die herrliche land-
schaftliche Umgcbung, dic viclcn geschichtlichen Erinne-
rungcn, die an diesen Slältcn haften, die Kunstschätzc, dic
sich hier bergen — dieß alles muß ich heute bei Seile
lassen, und cs mag mir ein aiidermal gestattct sein, aus-
führlicher darauf zurückzukommen. Für jetzt nnr Folgendes:

Unterhalb der alten Akropolis von Fäsulae liegl
auf der bergangehcndcn Piazza dic Kathcdrale mit
dem hohen, schmächtigen Campanile. Sie wurde 1028
errichtet, als unter dem Bischof Jacopo Bavenv der
Sitz des Bisthums von der wegen ihrer weiten Ent-
fernung von der Stadl wenig frequcntirten Badia snkro
U roointo ckollo untiolimsiino inuru verlegt wurde.
(Llanni, Toin. IV. 8i^UU. oo. x. 49: Urut onim
Lpisoopmtim Ion§o u pruockioto Opxicko, utguo ckiUi-
onltuto itinsri8 por ckovoxi niontis lutus ruro u
Olsriois troignontubutiir.)

Das viel spätcrc, cinfache Aeußere, schon zur Zeit
des Bischofs S. Andrea Corsini restaurirt und mit dcssen
Wappen uud Znschrifttafel versehen, ist den Südwinden
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