Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Vermischte Nachrichten, — Neuigkeitsn des Buch- und Kunsthandels, — Zeitschriften.

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Vermischte Nachrichten.

Die Sü-küste der Krim, Der Köln, Zeitg, schreibt man
aus Moskau: „Die Krim und vorzüglich die Südseite der
Halbinsel bietet, trotzdem, daß die archäologischen Denkmäler
der Vorzeit immer mehr von der Oberfläche verschwinden,
nne reiche Fundgrube im Jnnern der Erde, und es ist zu
bedauern, daß die russische Archäologische Gesellschaft so
wenig Sorgfalt daraus verwendet, um so reiches Material
für die Geschichte nicht nur der Krim, sondern auch der
russischen Vorzeit durch Nachgrabungen ans Licht zu ziehen,
Der Zahn der Zeit, Stürme, llnwetter und die Wellen des
Meeres zerstören nach und nach das Wenige, was noch aus
ber Zeit der genuesischen Herrschaft dasteht, obgleich es keine
üroße Mühe kosten würde, es vor der Vernichtung zu
bewahren, Für den Archäologen dürfte gerade das, was
stch ohne Zweifel noch aus vorhistorischer Zeit unter der
Dbersläche befindet, von größerem Jnteresse sein, als die
wenigen Denkmäler, welche sich in verwittertem und ver-
Mlenem Zustande theilweise erhalten haben, denn gerade
biesxZ würde Zeugniß ablegen von der Civilisation jener
uns vollkommen unbekannten Bevölkerung, welche in der
4lorzeit die Krim in dichten Gruppen bewohnte, Zu den
bedeutendsten Denkmälern aus dem Mittelalter gehören die
^uinen von Ssudak, das alte Ssugdaiga, Soldaga der
^lenueser, und Mongu», Die alte Festung Siugdaiga er-
bebt sich noch heute mit ihren verfallenen Mauern und
Aürmen auf der Höhe des Felsens über dem Meere,
Kuppeln, Pfeiler und Bogen der Thürme werden jedoch
üach und nach von den Wellen des Meeres weggespült,
4wn Mongun, einst einer eben so starken Festung wie Ssug-
baiga, sind nur noch die Mauern, einige Thürme und
Häuser von Schutt übrig geblieben, Vor zehn Jahren
lonnte inan in Mongun noch die Ruinen einer christlichen
Kirche, einer Synagoge, eines Metschets und Palastes sehen,
heute ist keine Spur mehr vorhanden, Mongun ist für den ^
Archäologen um so merkwürdiger, da der Felsen, an dessen '
»uß die Ruinen liegen, die unverkennbaren Spuren einer
^ivilisation von sehr verschiedenen Epochen trägt und die
Echädel, welche man in den Sarkophagen findet, verschie- ^
benen Völkerschaften angehören, Die Russen beweisen im
^illgemeinen eine geringe Pietät für solchs Denkmäler des
Alterthums, mögen sie Gegenstand rein wissenschaftlicher
Forschung sein oder selbst die nationale Vorzeit berühren;

>n der Knm überläßt man sie den Elementen, in Moskau
uberzieht man sie mit einem modernen Stuck, Unter anderen
lur die Archäologie interessanten Orten nennen wir vorerst
°as Vorgebirge Aiga, Vor einigen Jahren sah man hier
Uoch die Ueberreste weitläufiger Gebäude, das Meer jedoch,
>u welches die Erdzunge weit hineinreicht, setzt sein Zer-
lchrungswerk an den Felsen unaufhörlich fort und verschlinqt
bw Flissen und behauenen Steine, Weiter liegt die Laßni-
o»cht, deren Ufer einst dicht bevölkert waren, Das ganze
^aßnithal zeigt die Spuren alter, terrassenförmig angelegter
^arten. Höchst wahrscheinlich hat hier einst eine große
fa>adt gestanden, vielleicht das alte Elis, woraus die Tar-
are» Laßni gemacht, Sehr merkwürdig ist der Berg
Aüudag; derseibe ist von Gebäuden bedeckt, unter welchen
st Ueberreste einer Cyklopenmauer und das Fundament
Uies Baues über demAbhange — vielleicht eines der Tempel
^r, blutgierigen Göttin der Taurier — interessant sind. -
^wrschen Sebastopol und Bachtschisarai zieht sich 10 ürn,
b>t eine steile Felsenwand; einige der Felsen bilden eine
isUUze Höhlenstadt init Fenstern, Treppen, Gängen, Cisternen
,,uo Lokalen zuin Wemkeltern, Jn den Höhlen befinden
stch Sarkophage mit menschlichcn Gebeinen; die Schädel ge-

q. aron jedensails dem tiessten Alterthum der Menschheit an,
Uf eine vorhistorische Epoche sind ohne Zweifel die De»k-
>aier zurückzuführe», welche »nter dem Namen ,,Dolmenen"

,.'o „Mengiren" bekannt sind, Jn dem reizenden Baidar-
.^ulo sind solche Dolmenen fast bei jedem Dorfe in Gruppen
w s ^"1; diese sowohl als auch die Mengiren stammen höchst
chuhrscheinlich auS der Heidenzeit und sind zu verschiedenen
pochen errichtet worden, Außer diesen Denkmälern trifft

r, u» an vielen Orten, so ii» Tschametschithal, auf den Ab-
ä,»Ugen des Jail und auf der Höhe des Äujuk-Urag, in einem
dü/f^ gepflanzte Eichen, die Jahrhunderte alt sein mögen;

'o Eichen sind wahrscheinlich die Ileberreste alter Götter-

haine; der Boden unter denselben dürfte für die Unter-
suchung der Archäologen Wafsen und Werkzeuge aus der
Steinzeit ergsben. Die Untersuchung dsr Dolmenen könnte
einiges Licht darüber geben, was für Völker in grauer
Vorzeit diesen gebirgigen Theil der Krim in gedrängten
Massen bewohnt haben, Rur eine sorgfältige Ausgrabung
der Denkmäler kann den Schlüssel dazu geben, wer diese
srsten Ansiedler der Krim waren,"

Aus Trier wird der Köln, Zeitg. berichtet: Jn den
letzten Wochen sind in unserem Bezirke wieder wichtige
Funde an römischen Alterthümern gemacht worden.
Unmittelbar bei Trier nuf der linken Moselseite wurde eine
große Masse eiserner Geräthschaften, als Wagenreifen,
Schwerter und Ackergeräthe, gefunden, ferner ein Bronze-
relief, welches in getriebener Ärbeit einen Krieger darstellt,
der von einer neben ihm stehenden Viktoria bekränzt wird,
Nicht weit von dieser Stelle kamen bei Anlage eines Wein-
berges Säulentrommeln, korinthische Kapitäle und Architrave
a»s den seltensten Marmorsorten und von vorzüglicher Er-
haltung zum Vorschein, Wichtiger, die hohe Stufe der rö-
mischen Kultur in unserer Gegend aufs Neue bezeugend, ist
die Entdeckung einer römischen Glasfabrik aus der Hochmark
bei Cordel in der Eifel, Ausgrabungen, welche seit Beginn
des Frühjahrs Seitens des hiesigen Provinzialmuseums da-
selbst vorgenommen worden sind, haben zur Auffindung
einer großen Masse von Resten der Glashäfen, Glasschlacken
und Glassragmenten geführt, Unter den Glasfragmenten
nehmen namentlich einige mehrfarbige Stücke ssogenannte
Millefiores) besonderes Jnteresse für sich in Anspruch; denn
sie zeigen, daß die mehrfarbigen Glasgefäße »icht, wie man
bis jetzt annahm, aus Jtalien eingeführt wurden, sondern
einheimische Fabrikate sind,

Jm Atelicr des Bildhauers Professors Bolz i» Karls-
ruhe wird gegenwärtig die letzte Hand an das Kolossal-
Thonmodell des ruhenden Löwen für das Siegesdenkmal
zu Hannover gelegt, Der „König der Wüste" ist darge-
stellts wie er, nach bestandenem siegreichen Kampfe sich zur
Ruhe ausstreckend, nach einer etwa von Neuem drohenden
Gefahr ausblickt, Die mächtige linke Tatze ruht auf der
eroberten Siegestrophäe, auf deni zerbrochenen Speerschaft
eines französischen Feldzeichens, Das Haupt mit der wal-
lenden Mähne ist hoch aufgerichtet und zurückgelehnt, aus
den weit geöffneten Augen spricht nicht die Ermattung nach
dem soeben durchgekämpften Strauße, wohl aber unge-
brochene Lust, einem neuen Angreiser mit derselben Ent-
schlossenheit, mit derselben Tapferkeit entgegenzutreten, wie
dem soeben niedergeworfenen Gegner, Die Komposition des
rissigen Thieres ist vorzüglich gelungen, Muskulatur und
Körperstellung markiren trefflich die nur scheinbare Ruhe
des Löwen, der jeden Augenblick bereit ist, von seinem
Lager aufzuspringen und der dräuenden Gefahr die Stirn
zu bieten. Es war dies bei den kolossalen Dimensionen
des Modells keine leichte Aufgabe, Die Formen des ge-
waltigen Thieres sind edel und schön.

Neuigkcitcn des Buch- und Aunsthandels.

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Nlc, 8. —,

IVei'iier, IV., Optisobs 8urbsnscbuls lür 8uinilio,
Lobuls, OevsrbsunäHunstLu I-ust unä I-sbrs
8in nousr WsA äsr LslbstsrmsbunA äss ^UAks lür
8arbsn, 8°. beip^ip;, 0, 8. Wintsr'sobs VsrlaAs-
buobbunälunA,

Zeitschriften.

äournnl äv8 irenux-.Vits, 7.

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