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Supplemente

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zur

vom Jahre 1786.


Numero 5.
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ARZEH Er GELAHRTHEIT.
Halle , im Verlag des Waisenhauses: Chrißian
Friede. Richten d. A. W. D. Niederbarnimscher
Creisphysicus und ausübender Arzt zu Berlin,
Bemerkungen über die Entßehung und Behand-
lung verschiedener Arten von Fiebern 1785- 360
S. 8. ( 18 gr.)
Wenn ein gerad, hell und scharssehender Arzt
uns die Resultate aus seiner 22 jährigen ausgebreite-
ten Praxis schenkt, so verdient dieses Geschenk
mit Dank und mit Achtung aufgenommen zu wer-
den; wenn es auch nicht allenthalben so gebildet
oder gedrechselt, so geschmückt oder garniert seyn
süllte, als es die jetzige Mode verlangt; man dars
den xAussprlichen eines solchen Mannes etwas zu-
trauen» zumal wenn er mit einer so edlen Beschei-
denheit, wie unser Verf. spricht, der man es an-
fühlt, dass sie nicht blos ein erkünsteltes Schriftstel-
ler Compliment ist. Er will nur Rechenschaft von
den Grundsätzen seiner Praxis ablegen und durch
seine Bemerkungen etwas darzu beytragen , dass
die in den besten Werken enthaltenen Vorschriften
von angehenden Aerzten nicht falsch verstanden und
angewendet werden, er selbst erklärt die in dieser
Schrift enthaltenen Abhandlungen für blosse Bruch-
stücke, aus welchen er aber, wenn sie Beyfall er-
halten , ein Ganzes machen und ihnen mehr Aus-
dehnung und Bestimmtheit geben möchte. In der
Einleitung klagt der Verf. sowohl über die Vermeh-
rung der Arzeneyen als über die Vervielfältigun-
gen der Krankheiten selbst: „wie viele Gattun-
gen, fragt er, von saulen, gallichten, und Ner-
venfiebern hat man heut zu Tage nicht ? kaum
bemerkt man in diesen Krankheiten eine kleine Ab-
änderung, so ist man schon bei eit eine neue Klas-
se daraus zu machen, für welche man auch zu-
gleich eine neue Behandlungsart vorschlägt. Dies
muss unstreitig um so mehrere Schwierigkeiten in
der Heilung verursachen, indem alsdenn berühm-
te Aerzte nicht seiten über ein und denselben Ge-
genstand verschiedener und sich entgegengesetzter
Meynung sind. „Wahrhaftig eine Bemerkung, wel-
che die Erfahrung bestätigt, und welche die neuern
Pyretologen beherzigen seilten. Unser Verf, ge-
A, L. Z, 1785. Supplementband,

traut sich zu behaupten, und gewiss jeder Arzt, der
wie er, helle sieht und gerade beobachtet mit ihm,
dass zwey, drey, oder mehrere Personen niemals
von einem und demselben Fieber befallen werden,
selbst bey den allgemeinsten Epidemien wird ein
aufmerksamer Arzt an Krankenbetten eine so gros-
se Verschiedenheit wahrnehmen, dass ein jedes un-
ter denselben ein anderes Gemählde von Krankheit
darstellt; der Verf, beweist diesen Satz durch eine
lehrreiche Beschreibung der Verschiedenheiten der
Inssuenza 1782 zu Berlin. Die Möglichkeit der Ver-
bindungen bey Fiebern kann bis ins Unendliche ge-
hen , und man thut übel daran , dass man mit so
vieler Leichtigkeit die Anzahl der Geschlechter und
Gattungen dieser Krankheiten vervielfältigt; die
verschiedenen Gattungen von gallichten , faulen
und Nervenfiebern, von welchen man jetzt sohäu-
fig liest, sind nichts als blosse Complicationen, die
also keine neuen Geschlechter von Fiebern ausma-
chen können. Alle Fieber, deren Behandlung gleiche
Methode u.gleicheMittel erfordert,sindgleicherNatur
u. gehören also in eine Klasse. Man hat hierauf nicht
beständig Rücksicht genommen, daher die vielen
Widersprliche und Verwirrungen in der Fieberleh-
re. Junge Aerzte, welche die Krankheiten bloss
aus mündlichen Unterricht, oder aus Büchern ken-
nen gelernt, wo es unmöglich ist alle Complicationen
anzuzeigen, wissen oft nicht, was sie thun sollen;
man süllte also den jungen Leuten die Aerzte wer-
den wollen, so bald sie die nöthigen Vorkenntnisse
besitzen , anstatt ihren Kopf mit Systemen und Hy-
pothesen anzufüllen , die Krankheiten, ihre Vor-
hersagungen und ihre Heilmethode an den Kran-
kenbetten selbst kennen lernen. Der Verf. sagt noch
viel für die Rechtmäsigkeit und den Nutzen dieses
Vorschlags zur belsern Bildung der Aerzte. Die
ganze grosse Menge der Fieber kann man nach des
Vers. Meynung auf wenige Klassen zurückbringen,
denn alle die Fieber, welche so vielen Pyretologen
neu scheinen, sind es nicht, sondern sind nur blos-
se Complicationen der einsachen Fieber. Einsa-
che Fieber nennt der Verf. solche , wo keins
ein Kennzeichen mit dem andern gemein hat, und
wo jedes seine eigne Behandlungsart ersordert,
er verlieht darunter die Wechselfieber, dieCatarrh’-
E fieber
 
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