Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787 (1790)

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«3 Supplemente

zur

vom Jahre 1787»


Numero 30»

E R I) B ES CHREIB UN G,
Leipzig im Verlage der Dykisch. Buchhandl.
England und Italien von L IV, von Archen-
holtz, vormals Hauptmann in K. Preuss. Dien
sten. g. Erster Theil S. 282. Zweiter Theil
S. 270. Dritter Theil S> W Vierter Theil S.
233, Fünfter Theil S, 301. Zweite gänzlich
umgearbeitete und beträchtlich vermehrte
Ausgabe. Mit einer angehängten Rechtserti-
gung gegen Hn. Jagemann und einem Briese
an Hrn. Neumann in Dresden die Charakteri-
stik Deutschlands und Frankreichs betreffend,
w ir haben bereits von der ersten Aussage die-
ses Werks eine aussührliche Recension in
No c,3). 236. u, 241. der A. L. Z. 1785. geliefert.
Die ersten 3 Bände dieser neuen Ausgabe enthal-
ten England, wovon wir eine weitläufige Anzeige
zu geben, für überssüssig halten, dadieZusätze unbe-
trächtlich lind und wir deswegen uns nur auf die
vorerwähnte Recenstbeziehen können.Die beiden lez»
ten Theile enthalten des Vf- Bemerkungen über Itali-
en, die einen so sonderbareu Kontrast mit leinen
Bemerkungen über England machen, dass gewiss
bey jedem Leser ein geheimer Zweisel entbanden
ist, ob der Vs. in seiner Schilderung wiirklich so
treu versahren sey, als man es mit Recht von ihm
verlangen könnte ? Um bey dieser Frage der ei-
nen Seite nicht zu viel, auf der andern nicht zu
wenig zu fodern, hält Rec. es für billig, bey Beur-
thedung dieser Schrift gerade den Maassstab zu
wählen» mit dem der Vf. seibst sein Buch gemeßen
haben will. Ersagt'in der Vorrede zur ersten Aus-
gabe: dass/cz?z<? Beobachtungen groß tentheils das Re-
sidtat felbß geßhner Thatfachen findj daß er ausmerk-
Jam aus alles war, was einen Reifenden interefsiren
kann dass doch aber immer der Menfch in feinen
mannichsaltigen,fowohl Sittlichen, als politifchen Ver-
bindungen und Verhältnijfen der Hauptgegenßänd
seiner Beobachtungen wäre Der Vf. gesseht serner,
dafs er das charakterißifche der Nation auszufinden
sachte und nennt seinen Versuch selbst: einen nicht
ganz mislungenen Verfuch Und als Bestätimtvm
dieser Meynung fügt er in der Vorrede' zurrten
A, L. Z. Supplementband.

Ausgabe hinzu; daß, wenn gleich einige Gelehrte, die
in diefemßuche befindliche ZeichnungsArt undgefammel-
ten Sittenzüge beider Nationen fehr verfchieden ge-
sunden haben, er doch fein Urtheil über Italien
nicht ändern können, weil die Schuld nicht an ihm,
fandern an dem trägen, unuüjfenden, und fklavi-
fchen Italien liegt. Von einem Mann, der so ent-
scheidet, kann das Publikum daher mit Recht ver-
langen , dass er frey von den gewöhnlichen Vor-
urtheilen der Deutschen gegen die Italiener sey:
die vom Vater aus den Sohn fortgepssanzt wer-
den, weil es sehr bequem ist, nachzubeten, ohne
zu untersuchen, oder weil man bey uns nichts
anders als den Auswurf der Nation, Tabuletkrä-
mer, Gaukler und dgl- kennen lernt; dass er aus
Sitten, Erziehung, Religion und Klima, wodurch
der Itahäner so ganz verschieden von dem Deutschen
gebildet werden muss , Rüksicht nehme, und nach
ihnen'sein Urtheil bestimme: verlangen kann das
Publikum serner, dass er kaltes Blut genug ha-
be, jeden Charakterzug, den er darstellt, meta-
phylisch genau zu untersuchen, und dann nach so
vielen zusammenkommenden 'Umständen, nicht
nach dem ersten Eindruk, den er auf ihn als ei-
nen sremden machte, zu schäzen : verlangen kann
das Publikum endlich, dass» um das Gemälde treu
darzustellen, er Schatten und Licht gerecht ver-
theile und keiner Leidenschaft und .keiner Lieb’
lingsneigung Gehör gebe, sordern wahr und un-
partheiisch richte. H; v. Arch. entseheidet zum
Nachtheil der Italiener und gesseht am Ende sei-
ner Bemerkungen selbst: dass er überzeugt feg,
dass keine böfe Laune ihn misgeleitet habe, fon-
dern dafs er, wenn er auch gleich viele höchßvereh-
rungswürdige Männer in Italien kennen lernte und.
viele angenehme Tage dort verlebte, doch dies ihn
nicht bis zu dem Grade hätte beßechcn können , _/ez-
ne wohlgeprüften Geßnnungen zu verläugnen oder
zu verbergen, wenn es daraus ankommt, der IVahr-
heit zu huldigen etc- Wenn Rec. dies diöatorisch
ausgesprochene Urtheil über die Itahäner und über-
haupt Hn. v. A. Bemerkungen mit seinen eignen
Ersahrungen vergleicht; so scheint es ihm doch
sastj dass der Vs, nicht so treu in Darstellung der
charakteristiscnen Züge derlcaliäner versahren sey,
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