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Supplemente

66

65

zur
allgemeinen
LI TERATUR'ZEITUNG

vom Jahre 1787.

Numero 9.

SCZ/OENE /TISSENSCF7JFTEN.
Koeenhägen, b. Hegelund: Lemuel Gul-
livers Reise nach Lilliput; auss neue srey ver-
deutfcht von C. H. K...n, 1786. 103 S. 8.
C 8 gr.).
|%.'|an niuss fich wundern, Lagt der uns unbe-
K kannte Uebersetzer, dass niemand darauf
gedacht, dieses Werkchen in ein beferes und
reineres Deutfeh zu bringen, da man doch itzt
alles hervorsuche , was diefem nicht halb
beykomme. Er kennt nehmlich , ausser der
„Ausgabe, die schon lange einmal in Hamburg
herauskam , sonst keine aparte Udbersetzung der
Reise nach Lilliput: denn in Swifts sämtl. Wer-
ken, Ziirch, 1772, ist diele Reise zwar auch über-
setzt, aber nicht einzeln zu haben , und iß übrigens
auch ein elendes Deutfeh.“ Hierdurch, oder, wie
er hch ausdrückt, durch die öftere Nachfrage, wur-
de er bewogen, einen Verbuch zu uageiu und die-
sem Büchlein ein besseres Kleid zu geben — ,,ob
ich es (das Kleid vermuthlich ? ) besser gemacht,
oder wohl gar verschlimmert habe, niögen befcheid-
ne Kunstrichter /hg-£7?.‘‘ Gewiss, Hr. K... hat den
Kunstrichtern die Eescheidenheit in dem gegenwär-
tigen Falle sehr leicht gemacht; denn seine Arbeit
spricht so laut, dass der Kunstrichter gar nichts zu
sagen braucht. Nur noch den Schlisss der ^klei-
nen Vor er inner ung müßen wir ansühren . aus dem
man abnehmen wird, dass der Uebersetzer seine
Bemühungen nicht bloss auf die Sorgfalt, das
Werkchen in reines Deutseh zu bringen, einge-
schränkt, sondern selbst die Verbesserun'g der Ur-
schrift mit in seinen Plan gezogen hat — Ich habe
verschiedenes weggelassen, w’asmir unnöthig sehlen,
habe aber auch vieles dcizugethan, wodurch ich die
Sache mehr verbindlicher zu machen glaubte. Den
Namen wörtliche Uebersetzung kann ich es daher
gar nicht geben.“ — Unter diesen Umständen sällt
eine Vergleichung mit der neusten Riesbeckfchen
Uebersetzung von selbst weg.
Z- L, Z. 1787« Supplemcntband,

VERMISCHTE SCHRITTEN.
Leipzig, b. Breitkopf: Für ältere Litteratur
und neuere Lektüre. Quartalfchrist. Heraus-
gegeben von Canzler und Meissner. Dritter
Jahrgang, Erstes, zweytes, drittes und vier-
tes Quartal. 1785.’» 8. ( 2 Rthlr. I2gr.)
Wir wollen jetzt, da diele periodische Samm-
lung geschlossen ist, das Publikum nur noch dar-
auf ausmerksam machen, dass in derselben unter
manchen unbedeutendem Auflätzen sich doch auch
immer hie und da mehrere bemerkenswerthe und
einige vorzügliche auszeichneten Von diesen wol-
len wir hier nur aus den ersten der vor uns lie-
genden Hefte einige anführen: die Räuberfchenke
von Meifsner, eine prosaische Erzählung, die lieh
angenehm lesen lässt; Dame Schrops und Luife:
eine nicht übelcontrastirte Schilderung einer Rei-
fen Mode-Dame und eines unbefangenen jungen
Mädchens, von Rupert Becker; einige seltsame
Metaphern, und hie und da eine verschobeneCon-
Itruktion , wünsehten wir zum Vortheil des Gan-
zen verändert zu sehen ; Gefchichte eines Krast- Ge-
nies, das sich zum Protector populi aufwarf; ift
die Geschichte eines — verrückten Candidati Theo-
logie, und soll aus gerichtlichen Acten gezogen
seyn; der Zufall: ein dichterischer Schwank von
Tiefsmar, der mehr Wirkung thun würde, wenn
er minder gedehnt wäre; der Krückeninspektor an
den Träumern bezieht sich auf einen Traum der
vorigen Hefte, und enthält manchen wohlgemeyn-
ten Wink in einem launigten Tone; neuße Mess-
Anekdote: ein Geschichtchen, zu dem es nicht
schwer ist, den Schlüssel zu finden; Alexander und
Chiafa von Meissner: sey es nach einer persischen
Dichtung, oder nach eigener Laune erzählt; ge-
nug, die Idee ist nicht übel, und die Aussührung
im Ganzen genommen, wohlgerathen;' an Lida,
von S..s\ ein Liedchen, das sich zwar durch Neu-
heit der Gedanken und Wendungen nicht auszeich-
net. dem es aber doch nicht an Leichtigkeit und Wohl-
klange gebricht. Nur ist der allzuhäufige Gebrauch
zusimunengesetzter Wörter, in einem Gedichte die-
I ser
 
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