Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787 (1790)

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73 Supplemente
•zu r

ALLGEMEINEN

vom Jahre 1780.


Numero io.

G0TT£5G£Z^-s/A THEIT.
Halle , bey Hendel: Anweisung zum vernünsti-
gen und 'thcitigen Chrißenthume , sür srühere
ßugend', von AZ. Benjamin Friedrich Schmie-
der, des luth. Stacstgymnas. zu Halle Rector.
1785- 98 S. in 8. ohne die Zueignungsschrift
und Vorrede. (4 gr.)
Dieses Lehrbuch hat manche Vorzüge vor andern
Büchern dieser Art. Es ill durchaus prak-
tisch, und empsiehlt sich auch durch seine Kürze.
Abei' es hat auch seine Fehler, die uns zu beträcht-
lich scheinen, als dass wir es ohne Einschränkung
zum Gebrauch in Schulen empfehlen könnten. Die
Sprache ill zwar gröstentheils populär , aber sie
wird auch oft rednerisch, und eben deswegen sür
Kinder minder verlländlich. Nützliche Lectüre ,
(S. go.) fpeciclle Umßände, (S. 81-) sind Ausdrü-
cke, die nicht für frühere Jugend gehören. Wel-
ches Kind wird wohl solgende Periode (S. 87.)
verliehen? „Uebrigens ill die, den Aposteln so
heilige Fever des Abendmais , 1 Cor. 10 , 21. 11,
20—30, welche auch ihren Zeitgenossen so ehr-
würdig #ar , dass sie sich zu allen christlichen,
übrigens und auch von dieser Sache noch so ver-
schieden denkenden Gemeinen ununterbrochen,
bis auf unsere Zeiten fortgepssanzt hat, die ill ei-
ner von den Beweisen , durch die zwo höchstwich-
tige Religionsbegebenheiten , Tod und Auferste-
hung Jesu ausser Zweifel gesetzt worden.“ Dass
der Mensch durch die Erlosung Jesu Christi (§.41.)
ganz unstreitig weit mehr gewonnen habe , als er
durch den Fall Adams verloren hatte, wird auf ei-
ne Art bewiesen, die auch manches nachdenkende
Kind nicht befriedigen dürfte. Woher weiss der
Verfasser, (S. gs.) dass sich Gott etwas durch in-
brünstiges Gebet abzwingen lässt ? Er sagt zwar,
man habe Erfahrungen davon, und setzt hinzu:
„die nemlichen Ersahrungen beweisen'auch, dass
es nie wohlgethan gewesen ill, sondern der Beter
es hinterher bereuet hat, Gott etwas gleichsam ab-
getrotzt zu haben. “ Aber hat wohl der Verfasser
deutliche Begriffe von dem, was er hier, geschrie-
Z- L. Z. 1786. Supplementband.

ben hat ? Dass Jesus Christus und seine Apostel
die zehen Gebote bey ihrem Unterricht von dem,
was der Christ thun und laßen soll, zum Grunde
gelegt, und sie weiter ausgeführt hätten, (S. 37.)
möchte auch eines Beweises bedürsen. Indessen
glaubt es der Herr Verfasser, und legt die 10 Ge-
bote ebenfalls zum Grunde seiner Abhandlung von
den christlichen Pssichten. Befchneidung und Osser-
lamm, als Sacramente des A. T. — Die ßchtbare
leibliche, und himmlifche unfichtbare Sache bey den
Sacramenten, hätten wir in einem folchen Lehrbuch
nicht erwartet. — Diese Bemerkungen haben wir
aus keiner andern Ursache gemacht, als weil wir
wünschen , dass Hr. Schmieder seinem Lehrbuch
die Vollkommenheit geben möge, die es zum Ge-
brauch in Schulen nöthig hat. Denn wenn es
nicht so viel Gutes hätte, so würden wir uns nicht
so lange dabey aufgehalten haben.
Leipzig, bey Weidmanns Erben und Reich:
Beiträge zur Beförderung eines chriftlichen Sin-
nes und Verhaltens, in Predigten von M. A.
Oehler, Evangel. Prediger inGrosstädteln und
Grosdeuben bey Leipzig. 1734. 352 S. ohne
die Zueignungsschrist. g.
Zweyter Band. 1786. 303 S. ohne die Zueig-
nungsschrift und Vorrede.
Herr Öc’hZcr hat Anlagen zu einem guten Predi-
ger. Es fehlt ihm weder an Kenntnissen, noch an
Geschicklichkeit seine Gedanken gut auszudrücken.
Aber sehr ost wird seine Sprache schwülstig , und die
langen Perioden ermüden den Lefer -, der Zuhörer
muss noch mehr Mühe haben, einen solchen Vor-
trag zu verliehen. In der 6ten Predigt des zwey-
ten Bandes, welche von dem Lobe Gottes handelt,
wird (S. I54>) von dem Christen getagt, er be-
wundere und preise nicht „die hinwelkenden Rei-
„tze einer blühenden Erdentochter; nicht das bien-
ödende, betrügerischeRaupengewebe, in welchem
„sieheute, gleich der aufbrechenden Rose, berdet,
„und die morgen, wie sie, abgestiirmt und bleich,
„in dem modernden Staube liegt; nicht die Pur-
„purwange des muntern Jünglings, der jetzt wie
„der Baum in seinerBlüthe da lieht, und in wenig
K »Au.
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