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Supplemente


zur

1

JL

vom Jahre 1786.

Numero 11.

GOTTESGEL AHR THE IT.
Berlin, bey Haude: Freymüthiger Fersuch über
das Leben und den Charakter Davids König der
ffuden. Nach Schrift und Wahrheit. 1784» 170
S. 8.
Wie würde es den meisten Helden der Vor-
welt ergehen , wenn sie in unserer Zeit so
unbillige leidenschaftliche Biographen fänden , die
sie wie unser Verf. dem David thut, dafür so hef-
tig schmähten und lästerten, daß üe noch mangel-
hafte Begriffe von Menfchen - und Fölkerrechten hat-
ten, und dass ihre Moral noch so unvollkommen war,
als ihre übrigen Kenntnisse ? Wenn unser Verf.
nicht Davids GeLchichte mit dem Vorurtheil gele-
sen hätte, ,,daß er ein niederträchtiger Heuchler und
Böswicht gewesen. “ er würde* in ihm bloss einen
Helden der alten Zeit gefunden haben , der kein
Bedenken trägt die allgemeinen Menschen - und
Völkerrechte (die er nicht kennt, und die ihm also
nicht heilig seyn können ) dem Betten seiner Na-
tion aufzuopfern, der Rache an Feinden zu neh-
men für ächte Grösse und Tapferkeit hält, der von
Feindsliebe, und Versöhnlichkeit nichts weiss. Al-
lein er würde auch in ihm einen dankbaren, ei-
nen seinen Anhängern und Freunden getreuen,
einen die Rechte auch eines ihm gehässigen Königs
respectirenden , und hauptsächlich einen srommen
Mann, und seiner Religion ergebenen Ifraeliten
gefunden haben. Wozu soll es doch dienen, die-
ses Mannes Asche, der immer das Verdienst behält,
dass er sein Volk auf den Gipfel seines höchsten
Wohlstands erhoben hat, zu verunglimpfen? seine
Handlungen gessissentlich ins allergehässigste Licht
zu stellen? Ein unpartheyischer Biograph süllte
von den königlichen Tugenden Davids auch etwas
gesagt, süllte nicht bloss seine Mängel aufgedeckt
haben. Er sollte . . . doch wir geben lieber
einige Proben, was unser Vei;f. statt dellen sich er-
laubt, der bey alle dem es wagen konnte , die
Worte nach Sehrist und JFahr heit auf den
Titel zu setzen. Schon in der Vorrede rechnet er
dem David die Plünderung des Lagers der Ama-
A. L.Z. 1786. Supplementband.

lekiter, die seine Stadt verbrannt hatten , als ein
Verbrechen an. Er giebt ihm S. 55 Schuld, dass
er den Nabal durch sein Weib Abigail habe ver-
giften laßen, und ruft aus: ,,Herr David ! Herr
„David! ich sürchte, da iß wieder fo ein Heuchel-
„fiiickchen vorgefallen , wie mit Uria und andern.
„IFer weiß, was für ein Frühßück Frau Abigail Hi-
erein Eliherrn auf dein Geheiß kochte! “ Er scheut
sich nicht dem David Schuld zu geben, dass er Ab-
ners und Amafa, ja auch Isbofcths Tod veranstaltet
habe, und das alles bloss darum, weil der Tod dieser
drey Männer ihm vortheilhaft war. Wem kann
man nicht durch dergleichen Präsumtionen bey-
kommen? ohne dass eine Rechtsertigung nur mög-
lich bliebe ? Die Ausrottung des Hanses Sauls
durch Hinrichtung der 7 Enkel desselben, die auf
einen Ausspruch des Tempelorakels erfolgte , ist
nach unserm Vers. ausser allem Zweifel Davids
Werk. An dieser schwarzen Handlung zweifelt er
so wenig, dass er ihn mit den bittersten Vorwürfen
deswegen überhäuft. Dass doch der Verf., der
sonst so viel Fabeln in Davids Leben findet, dass
er auch die beiden Erzählungen von seiner Gross-
muth gegen Saul (1 Sam. 24. 26.) frisch weg für
Fabeln erklärt, nur hier einen so starken Glauben
zeigt! Michaelis findet doch selbst diese Erzählung
von Aufhängung der 7 Enkel Sauls verdächtig.
Und jeder sieht leicht, dass sie wider das Gesetz
Mofis war, nach welchen die Leichname der Ver-
brecher höchstens einen Tag hangen durften (S.
Deut. 21; 2 Sam. 21.) Allein unser Verf. lässt
diese 7 Enkel Sauls so gar kreutzigen, nur damit
David desto mehr zu verantworten hat. Doch ge-
nug Proben vom Gehalt dieser Schrift
Eisenach, bey Wittekind: Chriftiah Friedrich
Heufingers , Herzogi. Sächs. Oberconsistorial-
raths (und Diaconus zu Eisenach) Feßvredie-
ten. 1787. 476 S. 8. * &
Auch diese Arbeit ist mit dem Stempel ausge-
prägt, welcher des Verf. Werke gewöhnlich be-
zeichnet , und allzubekannt ist , als dass wir ihn.
erst charakterisiren dürften. Herr H, (der diesmal
L lau-
 
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