Allgemeine Literaturzeitung: Supplemente zur allgemeinen Literatur-Zeitung — 1786/​1787

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Supplemente

aoS

zur
ALLGEMEINEN
LITERATUR - ZEITUNG
vom Jahre 1786,
Numero 26.

ARZNE YGELAHR THE IT.
Goettingev, bey Dietrich: ^oh. Friedr. Blu-
menkelchs, der Med. Prof. ord. zu Göttingen,
Gefdächte und Befchreibung der Knochen des
menschlichen Körpers. 1786. 480 S. in 8. nebst
2 Kupfern.
1 ang ist dem Recensenten kein neues Buch vor-
gekommen, dessen Durchlesung ihm so viel
Besriedigung gewährt hätte, als dieses. Hn. Bl.-s
Plan war, eine Osteologie zu schreiben, die nicht
bloss die erben Anfangsgründe enthalten süllte,
und doch auch von Liebhabern gelesen werden
konnte; dabey war es ihm hauptsächlich auch um
die oßeologia comparata in den Fällen zu thun,
wo lieh, aus dieser, der Nutzen mancher Theile
des menschlichen Körpers genauer bestimmen liess;
und endlich wollte er. durch literarische Notizen,
und physiologische und praktische Bemerkungen,
das sonst so trockne Studium der Knochen ange-
nehmer machen. Diesen gewiss nicht leichten
Plan hat er auf eine sehr glückliche Art ausgeführt,
wie jeder der Sache kundige Leser sich leicht
überzeugen wird.
Das Wichtigste in dieser vortressichen Schrift
scheint aber doch die Menge der Bemerkungen
aus der vergleichenden Anatomie zu seyn , worin
der Verf. alle seine Vorgänger unleugbar übertrof-
fen hat. Diese aber kommen nicht bloss von sei-
ner, obgleich sehr ausgebreiteten , Leftüre her,
sondern lind mehrentheils aus der Natur selbst ge-
schöpft, und Hr. Bl. hat die seltne Gelegenheit,
die ihm seine Localverhältnisse dazu darbothen, auf
die belle Weise benutzt- Wenig Seiten sind ohne
Bemerkungen dieser Art, von welchen wir nur ei-
nige anführen wollen: z. B. S. 18, wo von den,
verhältnissmässig so sehr schwachen, untern Ex-
tremitäten des menschlichen Fötus die Rede ist;
auch S. 103, wo der Nutzen der Stirnhölen erwo-
gen wird; S. 117, wo des wahren Zwecks des
knöchernen tentorii cerebelli Erwähnung geschieht;
S. 261, wo vom Zungenbein, und S. 32g, wo
vom Bau des Beckens gehandelt wird.
A. L.Z. J/86. Supplementband.

Da es der Plan des Verf. mit sich brachte, alle
A’-t von trockner und weitläufiger Beschreibung
einzelner Knochentheile zu vermeiden, so wird es
ihm niemand zur Last legen können, dass er sich
nicht immer an die, sonst bey Zergliederern ge-
wöhnliche , Bestimmung aller einzelnen Flächen,
Ränder und Winkel der Knochen genau gehalten
hah Recens. erinnert lieh nicht, bey der sorgfäl-
tio-en Prüfung dieses Buchs , einen einzigen we-
sentlichen Theil vermisst zu haben ; und, wenn
auch diese Osteologie nicht alles enthalten süllte,
was der eigentliche Zergliederer darin suchen
möchte, so wird sie doch auch von einem solchen,
selbst in der auserlesensten Bibliothek, nicht ent-
behrt. ja in vielen Fällen, wo ihn streng anatomi-
sche Schriftsteller nicht befriedigen möchten, mit
grossem Nutzen gebraucht werden können.
Ein Paar Anmerkungen, wo Recens. von Hrn.
Bl-s. Meynung abzuweichen sich genöthigt lieht,
kann er nicht unterdrücken, um zu zeigen, dass
er dem vortressichen Vrf nicht blindlings geglaubt
hat, und dass sein oben geäussertes Lob aus Ue-
berzeugung gessoßen ist. — Bey Gelegenheit des
ojfis intermaxillaris wird S. 196 gesagt, dass^es,
bey den allermehrsten Affen, und bey den meisten,
sehr kleinen, Säugthieren aus einem einzigen Stück
bestehe, und dass, beym Elephanten, die Eckzäh-
ne in demselben sitzen. Beides aber verhält sich
etwas anders. Bey den kleinsten Säugthieren ist
freylich die Nath zwilchen den zwo Hälften dieses
Knochens so fein , dass sie gar leicht übersehen
werden kann ; sie zeigt sich aber doch, bey genauerer
Untersuchung, und lässt sich der Knochen immer
endlich in zwo Hälften , ohne Gewalt, zerlegen.
Und, was den Elephanten betrisst, so hat Recens.
einen schönen Schädel der Art in einem, ihm an-
vertrauten, össentlichen Museum vor sich, worin
deutlichwahrzunehmen ist, dass das os intermuxil-
lare sich, bey diesem Thiere, nur so schräg über
die eigentliche Oberkinlade zur Seite legt, dass
es einen kleinen Theil der Hole des Eckzahns mit
zu bilden scheint, den Zahn aber nicht in sich auf-
nimmt.
C c Kemp-
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