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Supplemente

zur
A L L G E M

E I N E N

vom Jahre 1787.


Numero 4.

SCHOENE WISSENSCHAFTEN.
Stettin und Anklam. In Kommission bey Raff-
ke: Toremm/sher Archiv der JHifsenfchaften
und des Gefchmacks herausgegeben von ss. Ph>A.
Hahn und G.r. Anz/z. IVter Band. 1785 390.
S. mit Kupfern 1 Thlr. 8 gr.Vter Band 785.
400 S. VIster Band 786. ( 1 Thlr. 8 gr.)
Ip^ie ungeheure Zahl von pcriodischen Schriften,
die jetzt in unserm Vaterlande, schier wie
die Käfer im May, oder die Fliegen im Septbr.
herumssattern, trösfet uns gewöhnlich leicht, wenn
eins oder das andre dieser Journale seinen Schwa-
nengesang anstimmt. Dennoch hören zuweilen
ganz unerwartet auch solche Zeitschristen aus,
denen man ihrer Nutzbarkeit wegen, noch ein
längeres Leben gegont und verkündigt hätte. Zu
dieser kleinen Zahl gehört auch gegenwärtiges
Pommersches Archiv; nicht nur lieferte dassclbe
sall in jedem Hefte (deren allzeit zwey in einem
Bande sseh befinden,) Aufsätze welche für die Pro-
vinz, in welcher sic erschienen, unleugbaren Werth
hatten, sondern auch die grössre Hälfte besass In-
teresse für ein ausgebreiteters Lese - Publikum. Die
vorzüglichsten Mitarbeiter waren ausser den beiden
Herausgebern Hr. KarlKofegarten-. Mitchler ( der viel
Anlage verräth, Hagemeißer, Hr. Probst Hacken j
selbst Hr. Hermes, Ramler und verschiedne unsrer
tressichsten Köpfe haben Beyträge dazu geliefert,
t'reylich ist auch mancherley mit eingessossen, was
nur Vorübung, nur Bruchstück, ja zuweilen selbst
das nicht genennt werden kann. Die meisten Ar-
beiten der Hrn. Herrosee, Schulz’, und drey oder
vier andrer noch, sind kaum über das Mittelmässige
zu setzen; doch die Regel, ubi plura nitent,
gelte auch bey unsrer Kritik. Einzugehn ins De-
tail, die Auffätze und Gedichte, deren in diesen
drey Bänden aus Igo Stück sich belaufen werden,
einzeln zu betrachten wäre unmöglich, nur dieje-
nigen, die uns vorzüglich gesallen haben, wollen
wir nennen. Darunter rechnen wir im IVten Bande,
der Kampf mit Amorn von Ramlern, Psyche,
Adam und Evens Morgenhymne, Hymne über die
Jahrszeiten, alle drey von Köfegartcn. Der Prüt-
stein, Aristoteles Physiognomik, und die meisten
d* L, Z, *787-. Supplementband,

statistischen Aufsätze. Dass das fchidermüthige Mäd-
chen S. 240.nur überfetzt ist, hätte wohl angege-
ben werden können. Du und Sie von Mächler ist
zwar artig, aber die erste Idee, bekanntermaassen
von Voltairen, und auch schon im Deutschen durch.
Gottern bearbeitet. Der Triumph des Schauspicler
Brandes ist ein wenig allzulang gedehnt.
Im Vten Bande behagt uns am hesten', Solon
und Thales, Dialog von Müchler. Die Anekdo-
ten. S. 83. und 9J. Pausanias Tod von Hagemei-
fier, Jsonas, ( sreylich etwas allzusichtliche Blumaue-
rische Nachahmung.) An die Einfalt, und die Ab-
handlungen über die Frage: ob es erlaubt sey
lutheriiche Kirchen zum katholischen Gottesdienst
zu verstatten ? •— Hingegen sind die Herroseschen
Gedichte fast lauter Wasser. Man lese z. B. das
S. 139. und 383. Wer kann Stellen 3 wie folgende
Poelle nennen?
Sieh Freund, so offenherzig red ich heut mit dir!
Du wirft das ' Wohlgeineynte darum nicht verkennen.
So hof ich denn ich will dein Freund mich nicht bloss
nennen
Ich wills auch seyn — und wahre Freundschaft sprichfc
aus mir.
Gleichwohl ssiegt Hrn. H. Muse fast nie höher.
Tn des VIsten Bandes erster Halbschied setzen wir
oben an, die Unschuld von Kojegarten, die Auf-
sätze von Firn. Hahn, die 12 (übersetzten) Morgen-
ländischen Mährchen, wahrscheinlich von Hrn.
Paulü- Hr. Krügers Karl und Louise hat nur
hübsehe Stellen. —- Hrn. Ramlers Band auf
Nikolais Silber - Hochzeitfest entsprach unserer Er-
wartung nicht- Das zweyte Heft dieses Bandes
hat der Recenss so sehr er sich darnach bemühte,
nicht habhaft werden können ; er hofft also bloss,
dass die Hrn. Herausgeber sich bis zum Schlusse
gleich geblieben seyn , und wünseht, dass sie
Wort mit der versprochnen künstigen Arbeit hal-
ten mögen.
D Meis-
 
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